Marktanalyse erstellen: So prüfst du Markt, Kunden und Wettbewerb
Die Marktanalyse zeigt, ob es für dein Angebot genug zahlende Kunden gibt und wer schon um sie wirbt. Für eine kleine Gründung brauchst du dafür keine teuren Studien. Hier erfährst du, wie du in fünf Schritten vorgehst, welche kostenlosen Datenquellen dir helfen und wie du die Ergebnisse im Businessplan darstellst.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Schritte: Markt abgrenzen, Zielgruppe beschreiben, Wettbewerb untersuchen, Daten sammeln, Schlüsse für Preis und Umsatz ziehen.
- Lokal denken: Für Friseurin, Handwerker oder Café zählt das Einzugsgebiet, nicht der Bundesmarkt.
- Kostenlose Quellen reichen: Amtliche Statistik, Kammern, Verbände, Google Trends und eigene Gespräche liefern alles, was du für den Start brauchst.
- Von unten rechnen: Umsatz aus Kunden, Preis und Kapazität herleiten, nicht aus einem Prozentanteil am Gesamtmarkt.
- Quellen angeben: Jede Zahl im Businessplan braucht einen Beleg, sonst wirkt sie geraten.
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Wozu brauchst du eine Marktanalyse?
Die Marktanalyse beantwortet eine einfache Frage: Gibt es genug Menschen, die bereit sind, für dein Angebot zu bezahlen, und kannst du sie gegen die vorhandenen Anbieter gewinnen? Ohne diese Antwort ist jede Umsatzzahl im Finanzplan eine Vermutung.
Sie ist außerdem ein Kernstück deines Businessplans. Die fachkundige Stelle, die deine Tragfähigkeitsbescheinigung ausstellt, bewertet unter anderem, ob dein Angebot konkurrenzfähig ist und ob deine Umsätze realistisch eingeschätzt sind. Auch Banken lesen dieses Kapitel genau. Der größte Nutzen liegt aber bei dir: Du erfährst vor der Gründung, ob Standort, Preis und Zielgruppe zusammenpassen.
Schritt 1: Markt und Einzugsgebiet abgrenzen
Lege zuerst fest, wo und für wen du anbietest. Für die meisten kleinen Gründungen ist der Markt regional:
- Friseursalon oder Café: meist wenige Kilometer oder ein paar Gehminuten, je nach Lage und Laufkundschaft.
- Handwerksbetrieb: der Umkreis, den du mit vertretbarer Anfahrt erreichst, zum Beispiel 30 Kilometer.
- Coach oder IT-Freelancer: teils regional, teils deutschlandweit, wenn du online arbeitest. Dann grenzt du über die Zielgruppe ab, etwa „inhabergeführte Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen“.
Ein bundesweiter Branchenumsatz von mehreren Milliarden Euro beeindruckt im Businessplan wenig. Entscheidend ist, wie viele mögliche Kunden in deinem Einzugsgebiet leben oder arbeiten und wie viele davon du realistisch erreichen kannst.
Schritt 2: Zielgruppe beschreiben
Beschreibe deine wichtigsten Kunden so konkret, dass du sie vor dir siehst. Bei Privatkunden: Alter, Lebenssituation, Wohnort, Einkommen, Gewohnheiten, was ihnen wichtig ist. Bei Geschäftskunden: Branche, Größe, wer entscheidet und wer zahlt.
Ein Beispiel: Ein Maler will sich auf Renovierungen in Mietwohnungen spezialisieren. Seine Hauptkunden sind nicht „Mieter“, sondern Hausverwaltungen und private Vermieter mit mehreren Wohnungen, die bei Mieterwechsel schnell und zuverlässig renovieren lassen müssen. Das verändert alles: wo er wirbt, wie er Angebote schreibt, welche Preise üblich sind.
Frag dich auch: Was kaufen diese Kunden heute, bei wem, wie oft und zu welchem Preis? Die Antworten liefern dir später die Grundlage für Umsatz und Preis. Wie dein Geschäftsmodell rund um diese Zielgruppe aufgebaut ist, kannst du vorher mit dem Business Model Canvas skizzieren.
Schritt 3: Wettbewerb untersuchen
Liste alle Anbieter auf, zu denen deine Kunden heute gehen könnten. Dazu zählen nicht nur direkte Konkurrenten, sondern auch Alternativen: Beim mobilen Friseur ist der Salon um die Ecke ein Wettbewerber, aber auch die Tochter, die der Mutter die Haare schneidet. Diese Vorlage hilft beim Vergleich:
| Anbieter | Angebot | Preis | Stärken | Schwächen | Entfernung |
|---|---|---|---|---|---|
| Wettbewerber A | … | … | … | … | … |
| Wettbewerber B | … | … | … | … | … |
| Alternative (z. B. selbst machen) | … | … | … | … | … |
| Dein Angebot | … | … | … | … | … |
Gute Quellen dafür sind Google Maps, Bewertungsportale, Websites und Preislisten, Branchenverzeichnisse und ein Rundgang vor Ort. Lies besonders die schlechten Bewertungen: Wenn sich Kunden immer wieder über lange Wartezeiten oder fehlende Termine beschweren, ist das ein Hinweis auf eine Lücke. Bei Kapitalgesellschaften findest du im Unternehmensregister veröffentlichte Jahresabschlüsse, kleine Gesellschaften müssen dort aber oft nur eine verkürzte Bilanz ohne Umsatz offenlegen.
Kostenlose Datenquellen für deine Marktanalyse
Für eine kleine Gründung musst du keine Studien kaufen. Diese Quellen sind kostenlos zugänglich:
| Quelle | Was du dort findest |
|---|---|
| GENESIS-Online (Statistisches Bundesamt) | Amtliche Statistiken, zum Beispiel die Gewerbeanzeigen (Statistik 52311) mit An- und Abmeldungen nach Wirtschaftszweigen und Bundesländern. 2025 gab es laut Destatis rund 762.400 Gewerbeanmeldungen. |
| Regionaldatenbank Deutschland | Daten der statistischen Ämter auf Ebene von Kreisen und Gemeinden, etwa Bevölkerung nach Alter, Haushalte und Beschäftigte. Damit schätzt du die Größe deiner Zielgruppe im Einzugsgebiet. |
| Statistische Landesämter | Gewerbeanzeigen und weitere Daten oft auch nach Kreisen und kreisfreien Städten. So siehst du, wie viele Betriebe in deiner Branche und Region an- und abgemeldet werden. |
| Deutschlandatlas | Karten der Bundesregierung zu Bevölkerung, Einkommen, Pendeln und Versorgung nach Regionen. |
| IHK und Handwerkskammer | Viele Kammern geben Gründern im Rahmen der Gründungsberatung Markt- und Brancheninformationen für ihren Bezirk. Einige veröffentlichen auch Auswertungen der Gewerbeanzeigen. In Bayern zeigt das IHK-Standortportal Standortprofile der Landkreise und Gemeinden. Was angeboten wird, unterscheidet sich je nach Kammer, frag direkt nach. |
| Branchenverbände | Zahlen und Berichte zu einzelnen Branchen, zum Beispiel der Zentralverband des Deutschen Handwerks für das Handwerk oder der DEHOGA für Gastronomie. Für fast jede Branche gibt es einen Fachverband. |
| Google Trends | Wie sich das Suchinteresse an einem Begriff über die Zeit und nach Regionen entwickelt, etwa saisonale Schwankungen bei „Wallbox installieren“ oder „Hochzeitsfrisur“. Die Werte sind relativ, keine absoluten Suchzahlen. |
| Existenzgründungsportal des Bundes | Übersicht über Anbieter von Branchendaten, etwa Kammern, Verbände und Branchenreports von Sparkassen und Volksbanken. Die Seite ist älter, einzelne Hinweise können veraltet sein. |
Eigene Daten erheben: Gespräche, Beobachtung, Test
Statistiken zeigen den Markt von oben. Was deine Kunden wirklich wollen, erfährst du nur im direkten Kontakt. Für kleine Gründungen sind diese Methoden besonders ergiebig:
- Gespräche mit möglichen Kunden. Zehn bis fünfzehn Gespräche mit Menschen aus deiner Zielgruppe. Frag nach dem, was sie heute tun und zahlen, nicht nach Meinungen zu deiner Idee.
- Beobachtung vor Ort. Wer ein Café plant, zählt zu verschiedenen Uhrzeiten die Passanten am geplanten Standort und schaut, wie voll die Cafés in der Nähe sind.
- Gespräche mit Branchenkennern. Lieferanten, Kammerberater, ehemalige Kollegen oder Betriebe außerhalb deines Einzugsgebiets, die dich nicht als Konkurrenz sehen, teilen oft wertvolle Erfahrungswerte.
- Kurze Umfrage. Mit einem kostenlosen Online-Formular in lokalen Gruppen oder bei Geschäftskunden. Wenige, klare Fragen bringen mehr Antworten.
- Testangebot. Ein Stand auf dem Wochenmarkt, ein erster Auftrag, eine Probestunde. Was Kunden tatsächlich kaufen, ist die belastbarste Marktinformation.
Wie du Ideen auf diese Weise früh prüfst, beschreibt auch der Ratgeber Geschäftsidee entwickeln.
Vom Markt zur Umsatzplanung
Ein häufiger Fehler lautet: „Wenn ich nur ein Prozent des Marktes erreiche, mache ich 200.000 Euro Umsatz.“ Niemand kann erklären, wie dieses eine Prozent zustande kommt. Rechne stattdessen von unten:
| Frage | Beispiel Friseursalon in einer Kleinstadt |
|---|---|
| Wie viele Kunden kann ich bedienen? | Ein Platz, rund 7 Termine am Tag, 5 Tage die Woche |
| Wie viele Kunden erwarte ich anfangs? | Anlauf mit etwa der Hälfte der Kapazität, gestützt auf Stammkundinnen aus der bisherigen Anstellung und Gespräche |
| Wie oft kommen sie wieder? | Annahme aus der eigenen Berufserfahrung, zum Beispiel alle sechs bis acht Wochen |
| Was zahlen sie im Schnitt? | Durchschnittsbon aus der eigenen Preisliste, abgeglichen mit Salons in der Umgebung |
| Trägt der Markt das? | Abgleich mit der Zahl der Einwohner im Einzugsgebiet und den vorhandenen Salons |
So entsteht eine Umsatzplanung, die du im Gespräch Zeile für Zeile erklären kannst. Den passenden Preis leitest du mit der Stundensatz-Berechnung her, die Zahlen fließen dann in deinen Finanzplan. Chancen und Risiken, die dir in der Marktanalyse begegnen, sortierst du anschließend in der SWOT-Analyse.
Marktanalyse im Businessplan darstellen
Für eine kleine Gründung reichen meist zwei bis vier Seiten. Eine bewährte Gliederung:
- Markt und Einzugsgebiet: Wo bietest du an, wie groß ist die Zielgruppe dort, mit Quelle.
- Zielgruppe: Wer sind deine Kunden, was brauchen sie, wie kaufen sie heute.
- Wettbewerb: Wer ist schon da, Vergleichstabelle, wo ist deine Lücke.
- Entwicklungen: Was verändert sich in Branche und Region, mit Beleg.
- Schlussfolgerungen: Was folgt daraus für Standort, Angebot, Preis und Umsatzplanung.
Gerade der letzte Punkt fehlt oft. Eine Marktanalyse, die nur Zahlen sammelt, überzeugt nicht. Zeig, welche Entscheidungen du daraus getroffen hast. Eine passende Gliederung für den gesamten Plan findest du in unserer Businessplanvorlage. Für den Gründungszuschuss und das Gespräch mit Agentur oder Jobcenter ist eine belegte Marktanalyse eine starke Grundlage. Über eine Förderung entscheidet die Behörde im Einzelfall.
Im AVGS Gründercoaching erarbeitest du die Marktanalyse in Modul 2: Businessplan Textteil mit deinem Coach und leitest in Modul 6: Marketing und Kundengewinnung ab, wie du deine Zielgruppe erreichst. Bei Bewilligung des Gutscheins hast du keinen Eigenanteil. Vereinbare ein kostenloses Erstgespräch, wenn du wissen willst, wie das bei dir aussehen kann.
Fragen dazu? Dein CoachTugay MertCoach für Gründung, Finanzierung und Vertrieb · Kaufmann für Versicherungen und Finanzen
Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: GENESIS-Online, Statistik 52311 Gewerbeanzeigen
- Statistisches Bundesamt: Gewerbemeldungen und Insolvenzen
- Regionaldatenbank Deutschland der statistischen Ämter
- Deutschlandatlas der Bundesregierung
- Google Trends
- Existenzgründungsportal des Bundes: Brancheninformationen
- IHK Heilbronn-Franken: Markt- und Brancheninformationen (Beispiel für ein Kammerangebot)
- IHK-Standortportal Bayern
- Zentralverband des Deutschen Handwerks: Daten und Fakten
- DEHOGA Bundesverband: Zahlen und Fakten
- Unternehmensregister
Kurz beantwortet
Was gehört in eine Marktanalyse?
Eine Beschreibung deines Marktes und Einzugsgebiets, deiner Zielgruppe, deiner Wettbewerber und der wichtigsten Entwicklungen in der Branche. Dazu kommt, was du daraus für Preis, Standort und Umsatzplanung ableitest.
Woher bekomme ich kostenlose Marktdaten?
Gute Quellen sind GENESIS-Online des Statistischen Bundesamts, die Regionaldatenbank der statistischen Ämter, Google Trends, Auswertungen von IHK und Handwerkskammer sowie Branchenverbände. Für den lokalen Wettbewerb helfen Google Maps, Bewertungsportale und ein Rundgang vor Ort.
Wie lang sollte die Marktanalyse im Businessplan sein?
Für eine kleine Gründung reichen meist zwei bis vier Seiten. Wichtiger als die Länge ist, dass jede Zahl eine Quelle hat und du daraus klare Schlüsse für dein Vorhaben ziehst.
Muss ich eine Umfrage machen?
Nicht zwingend, aber eigene Gespräche mit möglichen Kunden sind für kleine Gründungen oft die wertvollste Quelle. Zehn ehrliche Gespräche sagen mehr über deine Chancen als jede bundesweite Statistik.
Was mache ich, wenn es schon viele Anbieter gibt?
Viel Wettbewerb zeigt zunächst, dass es Nachfrage gibt. Entscheidend ist, ob du eine Lücke findest, etwa bei Öffnungszeiten, Spezialisierung, Service oder einer bestimmten Zielgruppe, und ob der Markt einen weiteren Anbieter trägt.
Prüft die Agentur für Arbeit meine Marktanalyse?
Die fachkundige Stelle bewertet im Rahmen der Tragfähigkeitsbescheinigung unter anderem, ob dein Angebot konkurrenzfähig ist und ob die Umsätze realistisch sind. Dafür ist die Marktanalyse eine zentrale Grundlage. Über eine Förderung entscheidet die Agentur im Einzelfall.
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