Firmenkompass

Stundensatz berechnen: So findest du einen Preis, von dem du leben kannst

Viele Gründerinnen und Gründer setzen ihren Stundensatz zu niedrig an, weil sie ihn mit ihrem alten Stundenlohn vergleichen. Hier rechnest du Schritt für Schritt aus, welcher Satz deine Lebenshaltung, Kranken- und Altersvorsorge, Steuern und Betriebskosten tatsächlich deckt, mit einer vollständigen Beispielrechnung auf Basis der Werte für 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Formel: Jahresbedarf (privat und betrieblich) geteilt durch abrechenbare Stunden ergibt den Mindeststundensatz.
  • Abrechenbar ist weniger, als du denkst: Urlaub, Krankheit, Akquise und Büroarbeit kosten Zeit, die dir niemand bezahlt.
  • Absicherung zahlst du allein: Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und Einkommensteuer gehören in die Rechnung.
  • Beispiel: Für 1.900 Euro Lebenshaltung im Monat braucht ein IT-Dienstleister in unserer Rechnung rund 50 Euro netto pro abgerechneter Stunde.
  • Erst rechnen, dann den Markt prüfen: Der Mindestsatz ist deine Untergrenze, der Angebotspreis entsteht im Abgleich mit Wettbewerb und Zielgruppe.

Firmenkompass: AZAV-zertifizierter Träger · 91,6 % Integrationsquote (Stand 30.05.2026)

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Warum dein Stundensatz höher sein muss als dein alter Stundenlohn

Als Angestellter hat dein Arbeitgeber vieles bezahlt, was du nicht gesehen hast: die Hälfte der Sozialversicherung, bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Arbeitsplatz, Laptop, Weiterbildung. Als Selbstständiger trägst du all das selbst. Dazu kommen Stunden, in denen du arbeitest, aber kein Geld verdienst: Angebote schreiben, Kunden gewinnen, Rechnungen stellen, Belege sortieren.

Deshalb führt der Vergleich mit dem alten Stundenlohn fast immer zu einem zu niedrigen Preis. Wer früher 20 Euro brutto pro Stunde verdient hat, kommt als Selbstständiger mit 30 Euro oft schlechter weg als vorher. Die richtige Ausgangsfrage lautet: Was brauche ich mindestens, damit die Selbstständigkeit mein Leben trägt?

Die Formel in drei Schritten

Deinen Stundensatz berechnest du in drei Schritten: Jahresbedarf ermitteln, abrechenbare Stunden schätzen, dann den Jahresbedarf durch diese Stunden teilen.

  1. Jahresbedarf ermitteln. Privatbedarf, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und Einkommensteuer ergeben den Gewinn, den du brauchst. Dazu kommen die Betriebskosten.
  2. Abrechenbare Stunden schätzen. Arbeitstage im Jahr minus Urlaub, Feiertage und Krankheit, davon nur der Anteil, den du Kunden tatsächlich in Rechnung stellen kannst.
  3. Teilen. Jahresbedarf geteilt durch abrechenbare Stunden ergibt deinen Mindeststundensatz netto. Darauf kommt ein Aufschlag für Reserve und Schwankungen.

Wir rechnen das an einem durchgehenden Beispiel durch: ein IT-Dienstleister, der sich nach einer Anstellung selbstständig macht und kleine Betriebe wie Arztpraxen und Handwerksfirmen bei Rechnern, Netzwerk und Datensicherung betreut. Er ist alleinstehend, kinderlos und freiwillig gesetzlich krankenversichert. Alle Beträge sind Beispielwerte, deine eigenen Zahlen setzt du an ihre Stelle.

Schritt 1: Was du privat brauchst und wie du dich absicherst

Beginne mit einer ehrlichen Haushaltsrechnung: Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Mobilität, private Versicherungen, Kredite, Freizeit, eine kleine Rücklage. Im Beispiel sind das 1.900 Euro im Monat. Dazu plant der Gründer 300 Euro im Monat für die Altersvorsorge ein, etwa als freiwillige Rentenversicherung oder Basisrente.

Dann kommen zwei Posten, die vom Gewinn abhängen:

  • Kranken- und Pflegeversicherung: 2026 beträgt der allgemeine Beitragssatz 14,6 Prozent, der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2,9 Prozent, die Pflegeversicherung 3,6 Prozent plus 0,6 Prozent Zuschlag für Kinderlose ab 23. Mit Anspruch auf Krankengeld sind das zusammen 21,7 Prozent vom Gewinn. Der tatsächliche Zusatzbeitrag hängt von deiner Kasse ab.
  • Einkommensteuer: Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro. Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Altersvorsorge mindern das zu versteuernde Einkommen. Für die Beispielrechnung haben wir die Steuer vereinfacht nach dem Tarif 2026 geschätzt, ohne Kirchensteuer.
Posten im JahrBeispiel
Privatbedarf (1.900 € × 12)22.800 €
Altersvorsorge (300 € × 12)3.600 €
Kranken- und Pflegeversicherung (21,7 % vom Gewinn, rund 682 € im Monat)8.181 €
Einkommensteuer (geschätzt, Tarif 2026)3.095 €
Benötigter Gewinn vor Steuern und Versicherungenrund 37.700 €

Schritt 2: Welche Betriebskosten du einplanen musst

Liste alle Kosten auf, die durch deine Selbstständigkeit entstehen. Für größere Anschaffungen setzt du die jährliche Abschreibung an, also den Kaufpreis verteilt auf die Nutzungsjahre.

Betriebskosten im JahrBeispiel
Fahrzeug und Fahrten zu Kunden3.000 €
Arbeitsplatz (Arbeitszimmer oder Coworking)1.800 €
Steuerberatung und Buchhaltung1.800 €
Software und Lizenzen1.200 €
Website und Werbung1.200 €
Hardware (Abschreibung)1.000 €
Weiterbildung1.000 €
Telefon und Internet600 €
Betriebs- und Berufshaftpflicht600 €
Sonstiges (Büromaterial, Bankkonto, Kammerbeitrag)800 €
Summe13.000 €

Material oder Ware, die du direkt an Kunden weiterberechnest, gehört nicht in diese Liste. Die rechnest du im Angebot gesondert ab, wie im Handwerk üblich. Der Jahresbedarf im Beispiel liegt damit bei rund 37.700 € Gewinn plus 13.000 € Kosten, also rund 50.700 € Umsatz netto.

Schritt 3: Wie viele Stunden du wirklich abrechnen kannst

Abrechnen kannst du im Beispiel nur rund 1.032 Stunden im Jahr, also etwa 86 im Monat, weil nach Urlaub, Feiertagen sowie Krankheit nur 60 % der Arbeitszeit abrechenbar sind.

RechenschrittBeispiel
Werktage Montag bis Freitag (52 Wochen × 5)260 Tage
minus gesetzliche Feiertage an Werktagen (je nach Bundesland)− 10 Tage
minus Urlaub− 25 Tage
minus Krankheit und Ausfall− 10 Tage
Arbeitstage215 Tage
× 8 Stunden1.720 Stunden
davon abrechenbar: 60 %1.032 Stunden, rund 86 im Monat

Die übrigen 40 Prozent sind keine verlorene Zeit, sondern notwendige Arbeit: Anfragen beantworten, Angebote schreiben, Rechnungen stellen, Fahrten, Weiterbildung, Website pflegen. Wie hoch dein abrechenbarer Anteil ist, hängt stark von der Branche ab. Wer wenige große Kunden hat, kommt höher, wer viele kleine Aufträge mit Anfahrt hat, eher niedriger. Im ersten Jahr liegt der Wert meist unter dem späteren Niveau, weil die Kunden erst gewonnen werden müssen.

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Beispielrechnung: vom Bedarf zum Stundensatz

Jetzt teilst du den Jahresbedarf durch die abrechenbaren Stunden:

Umgekehrt gerechnet zeigt sich, wie wenig von einem Stundensatz bei dir ankommt. Von 50 Euro netto pro abgerechneter Stunde gehen im Beispiel ab:

Von 50 € netto pro StundeBetrag
Betriebskosten (13.000 € ÷ 1.032 h)12,60 €
Kranken- und Pflegeversicherung8,12 €
Altersvorsorge3,49 €
Einkommensteuer (geschätzt)3,18 €
Bleibt für Miete und Leben22,61 €

Bei 86 abgerechneten Stunden im Monat sind das rund 1.945 Euro für den Privatbedarf. Das Beispiel trägt also, aber ohne großen Spielraum. Deshalb kommt auf den Mindestsatz ein Aufschlag von 10 bis 20 Prozent für schwache Monate, Zahlungsausfälle, Investitionen und Rücklagen für Steuernachzahlungen. Bei 55 Euro netto blieben im Beispiel rund 2.190 Euro im Monat.

Ist der Gründer umsatzsteuerpflichtig, stellt er 55 Euro zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer in Rechnung, also 65,45 Euro brutto. Die Umsatzsteuer ist durchlaufendes Geld und gehört dem Finanzamt. Bei einem geplanten Jahresumsatz von rund 50.000 Euro kommt die Kleinunternehmerregelung spätestens ab dem zweiten Jahr nicht mehr infrage, denn sie setzt einen Vorjahresumsatz von höchstens 25.000 Euro voraus.

Vom Mindestsatz zum Angebotspreis

Der berechnete Satz ist deine Untergrenze. Ob du ihn am Markt durchsetzen kannst, prüfst du im nächsten Schritt: Was verlangen andere Anbieter in deiner Region? Was zahlen deine Kunden heute? Allgemeine Tabellen mit „marktüblichen Stundensätzen“ helfen dabei wenig, weil die Spannen je nach Region, Spezialisierung und Kundengruppe sehr groß sind. Besser sind eigene Recherchen, wie im Ratgeber Marktanalyse erstellen beschrieben.

Je nach Branche verpackst du den Stundensatz unterschiedlich. Kreative rechnen zusätzlich die Nutzungsrechte ab, wie das geht, zeigt Honorar kalkulieren als Kreativer:

  • Friseurin: Sie rechnet ihren Stundensatz in einen Minutensatz um. Bei 48 Euro pro Stunde sind das 80 Cent pro Minute. Ein Haarschnitt mit 45 Minuten Arbeitszeit kostet dann 36 Euro plus Materialanteil.
  • Handwerker: Er setzt Stundensatz plus Material plus Anfahrtspauschale an und nennt für Standardarbeiten Festpreise.
  • Coach oder Beraterin: Sie bietet Pakete an, etwa fünf Termine inklusive Vor- und Nachbereitung. Die Vorbereitungszeit ist im Paketpreis enthalten, statt unbezahlt zu bleiben.
  • IT-Dienstleister: Er bietet neben Einzelstunden Wartungsverträge mit festem Monatsbetrag an. Das bringt planbare Einnahmen.

Liegt dein Mindestsatz deutlich über dem, was der Markt zahlt, prüfe zuerst deine Annahmen. Sind die Kosten zu hoch? Rechnest du zu wenige Stunden? Lässt sich das Angebot so spezialisieren, dass ein höherer Preis gerechtfertigt ist? Wer hier ehrlich nachrechnet, erspart sich später böse Überraschungen.

Stundensatz im Businessplan und im Gespräch mit Agentur oder Jobcenter

Der Stundensatz ist die Grundlage deiner Umsatzplanung: Preis mal abrechenbare Stunden, Monat für Monat mit realistischem Anlauf. Wie du das im Finanzplan umsetzt, zeigt unser Ratgeber dazu. Die fachkundige Stelle prüft bei der Tragfähigkeits­bescheinigung, ob Umsatz und Ergebnis realistisch eingeschätzt sind und ob das Einkommen voraussichtlich zum Leben reicht. Eine nachvollziehbare Stundensatz-Rechnung beantwortet genau diese Frage.

Auch im Gespräch mit deinem/deiner Ansprechpartner/in hilft sie. Wer erklären kann, wie er auf seinen Preis kommt und wie viele Aufträge er dafür braucht, wirkt gut vorbereitet. Ob ein Gründungszuschuss oder ein Gutschein bewilligt wird, entscheidet die Behörde im Einzelfall.

Im AVGS Gründercoaching rechnest du deinen Stundensatz in Modul 3: Businessplan Zahlenteil mit deinem Coach durch, mit deinen echten Kosten und deiner Situation bei Kranken- und Rentenversicherung. Bei Bewilligung des Gutscheins hast du keinen Eigenanteil. Wenn du wissen willst, ob das für dich passt, vereinbare ein kostenloses Erstgespräch. Weitere Grundlagen findest du in den Ratgebern Geschäftsidee entwickeln und Business Model Canvas.

Elena PlinerFragen dazu? Dein CoachElena PlinerCoach für Zahlen und Controlling
Maximilian Ossot

Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.

Kurz beantwortet

Wie berechne ich meinen Stundensatz?

Addiere alles, was du im Jahr brauchst: Privatbedarf, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer und Betriebskosten. Teile die Summe durch die Stunden, die du realistisch abrechnen kannst. Das Ergebnis ist dein Mindeststundensatz netto, ohne Umsatzsteuer.

Wie viele Stunden kann ich als Selbstständiger abrechnen?

Deutlich weniger, als du arbeitest. Nach Urlaub, Feiertagen und Krankheit bleiben oft um die 215 Arbeitstage. Davon gehen Akquise, Angebote, Buchhaltung, Fahrten und Weiterbildung ab. Bei vielen Dienstleistern sind 55 bis 70 Prozent der Arbeitszeit abrechenbar.

Was kostet die Krankenversicherung als Selbstständiger 2026?

In der gesetzlichen Kasse richtet sich der Beitrag nach deinem Gewinn. Mindestens zugrunde gelegt werden 1.318,33 Euro im Monat, daraus ergibt sich je nach Kasse, Krankengeldanspruch und Kinderzahl ein Mindestbeitrag von rund 260 bis 290 Euro inklusive Pflegeversicherung. Bei höherem Gewinn steigt der Beitrag.

Ist der Stundensatz netto oder brutto?

Den Stundensatz rechnest du immer netto. Bist du umsatzsteuerpflichtig, kommen 19 Prozent Umsatzsteuer dazu, die du ans Finanzamt abführst. Privatkunden nennst du den Bruttopreis, Geschäftskunden meist den Nettopreis plus Umsatzsteuer.

Was mache ich, wenn mein Mindeststundensatz über dem Marktpreis liegt?

Prüfe zuerst deine Annahmen: Kosten, private Ausgaben, abrechenbare Stunden. Dann helfen eine klarere Spezialisierung, Pauschalpreise oder eine andere Zielgruppe. Lässt sich die Lücke nicht schließen, ist das eine wichtige Erkenntnis vor der Gründung.

Stundensatz oder Tagessatz?

Bei Geschäftskunden und längeren Einsätzen sind Tagessätze üblich, bei kleinen Aufträgen und Privatkunden eher Stunden- oder Festpreise. Die Grundlage ist dieselbe Rechnung, nur anders verpackt.

Brauche ich den Stundensatz für den Gründungszuschuss?

Er ist die Grundlage deiner Umsatzplanung im Businessplan. Die fachkundige Stelle prüft, ob deine Preise und Umsätze realistisch sind und ob das Einkommen zum Leben reicht. Über die Förderung entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

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Maximilian Ossot
Maximilian OssotMitgründer, Vertrieb und Unternehmens­entwicklung
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