Firmenkompass

Friseursalon eröffnen: Meisterpflicht, Barbershop, Kasse und Förderung

Ein eigener Salon ist für viele Friseurinnen und Friseure der nächste Schritt. Das Friseurhandwerk ist aber zulassungspflichtig, und das gilt auch für den Barbershop. Hier erfährst du, wie du in die Handwerksrolle kommst, was bei Hygiene, Kasse sowie Stuhlmiete gilt und welche Förderung infrage kommt.

Das Wichtigste in Kürze

Nr. 38
Friseure in Anlage A der Handwerksordnung
6 Jahre
Berufserfahrung für die Altgesellenregel (§ 7b HwO)
10 Std.
pro Woche höchstens für eine Befreiung von der BGW-Pflichtversicherung
25.000 €
Umsatzgrenze Kleinunternehmer im Vorjahr
  • Meisterpflicht: Friseure stehen in Anlage A der Handwerksordnung (Nr. 38). Du brauchst die Eintragung in die Handwerksrolle.
  • Ohne Meisterbrief: Altgesellenregel nach § 7b HwO, Ausnahmebewilligung oder angestellter Meister als Betriebsleiter.
  • Barbershop: gehört zum Friseurhandwerk, es gelten dieselben Regeln.
  • BGW und Rente: Als Inhaberin oder Inhaber bist du bei der BGW kraft Satzung pflichtversichert und als Handwerker renten­versicherungs­pflichtig.
  • Förderung: AVGS Gründercoaching, Gründungszuschuss, Einstiegsgeld und in vielen Ländern eine Meister­gründungsprämie.

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Inhalt dieser Seite

Welche Voraussetzungen brauchst du für einen Friseursalon?

Für einen eigenen Friseursalon brauchst du die Eintragung in die Handwerksrolle, weil Friseure ein zulassungspflichtiges Handwerk sind (Anlage A Nr. 38 HwO). Den selbstständigen Betrieb eines solchen Handwerks darf nur führen, wer eingetragen ist (§ 1 HwO). Ein Salon ist ein Gewerbe, kein freier Beruf. Du meldest ihn beim Gewerbeamt an und wirst Mitglied der Handwerkskammer. Den Ablauf findest du im Ratgeber Gewerbeanmeldung.

Wege in die Handwerksrolle

  • Meisterprüfung: Mit dem Meisterbrief im Friseurhandwerk wirst du eingetragen (§ 7 Abs. 1a HwO).
  • Altgesellenregel: Gesellenprüfung, sechs Jahre Berufserfahrung, davon vier Jahre in leitender Stellung (§ 7b HwO). Ausgenommen sind nur die Nummern 12 und 33 bis 37 der Anlage A, die Friseure (Nr. 38) gehören nicht dazu.
  • Ausnahmebewilligung: Wenn die Meisterprüfung für dich unzumutbar wäre und du deine Kenntnisse anders nachweist (§ 8 HwO). Die Bewilligung kann auf wesentliche Teile des Handwerks beschränkt werden.
  • Betriebsleiter: Eingetragen wird der Betrieb auch, wenn ein angestellter Betriebsleiter mit Meisterqualifikation die Voraussetzungen erfüllt (§ 7 Abs. 1 HwO).

Barbershop

Ein Barbershop ist rechtlich ein Friseurbetrieb, denn Haarschnitt und Rasur gehören zum Friseurhandwerk. Du brauchst also dieselbe Eintragung in die Handwerksrolle. Die Handwerkskammer erteilt eine Ausübungsberechtigung, wenn du die Voraussetzungen der Altgesellenregel (§ 7b HwO) oder der Regel für Inhaber verwandter Handwerke (§ 7a HwO) erfüllst. Das bestätigt etwa die Bayerische Staatsregierung in einer Antwort an den Landtag. Wer nur einen Teilbereich anbieten will, kann eine auf diesen Teil beschränkte Ausnahmebewilligung beantragen (§ 8 HwO). Ob das für dein Konzept infrage kommt, klärst du mit deiner Handwerkskammer.

Hygiene und Gesundheitsamt

Für die Hygiene im Salon gelten die allgemein anerkannten Hygieneregeln, die Einzelheiten regeln die Bundesländer in eigenen Hygieneverordnungen. Bei Tätigkeiten, bei denen Krankheitserreger über Blut übertragen werden können, kann das Gesundheitsamt deinen Betrieb überwachen (§ 36 Abs. 2 IfSG). Das betrifft zum Beispiel die Rasur mit der Klinge. Frag vor der Eröffnung beim Gesundheitsamt deiner Stadt oder deines Kreises, ob du den Salon melden musst und welche Vorgaben für Hygieneplan, Desinfektion sowie Entsorgung von Klingen gelten.

Kosmetik und Nageldesign als Zusatz

Bietest du zusätzlich Kosmetik an, ist das ein eigenes, zulassungsfreies Handwerk (Anlage B Abschnitt 1 Nr. 56), das du bei der Handwerkskammer anzeigst (§ 18 HwO). Mehr dazu im Ratgeber Kosmetikstudio eröffnen.

Welche Rechtsform passt für einen Friseursalon?

Für einen Salon mit dir als Inhaberin oder Inhaber reicht zum Start meist das Einzelunternehmen. Gründest du mit einer Partnerin, ist eine GbR oder eine GmbH eine Überlegung wert. Wichtig: Die Meisterpflicht muss in jeder Rechtsform erfüllt sein, bei einer GmbH zum Beispiel über eine Betriebsleiterin mit Meisterqualifikation. Vergleiche die Varianten im Rechtsformen-Vergleich.

Was kostet die Eröffnung eines Friseursalons?

Die größten Posten bei der Eröffnung eines Friseursalons sind Ladenausbau, Bedienplätze und Waschplätze sowie die Reserve für die Anlaufzeit, bis sich ein Kundenstamm aufgebaut hat.

Mit dem Gründungskosten-Rechner rechnest du deine eigenen Zahlen. Für deine Preisliste hilft die Preis- und Stundensatzkalkulation.

Welche Versicherungen brauchst du im Friseursalon?

Im Friseursalon brauchst du vor allem die Anmeldung bei der BGW, eine Betriebshaftpflicht und die Rentenversicherung. Dein Unternehmen meldest du innerhalb einer Woche nach Gründung bei der Berufsgenossenschaft an (§ 192 SGB VII). Für Friseurbetriebe ist das die BGW. Anders als in vielen Branchen sind dort auch Inhaberinnen und Inhaber kraft Satzung pflichtversichert. Befreien lassen kannst du dich nur, wenn du dauerhaft höchstens zehn Stunden pro Woche ohne Geschäftslokal und ohne Beschäftigte arbeitest.

Als in die Handwerksrolle eingetragener Friseur bist du grundsätzlich renten­versicherungs­pflichtig (§ 2 Satz 1 Nr. 8 SGB VI). Nach mindestens 18 Jahren Pflichtbeiträgen kannst du dich auf Antrag befreien lassen (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 SGB VI). Mehr in den Ratgebern Rentenversicherung für Selbstständige und Pflichtversicherungen nach Beruf. Sinnvoll sind außerdem eine Betriebshaftpflicht für Schäden an Kunden, etwa durch Färbemittel, und eine Inhaltsversicherung für die Einrichtung.

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Welche Steuern gelten für einen Friseursalon?

Für einen Friseursalon gelten die normalen Regeln für Gewerbetreibende, besonders wichtig sind Kassenführung und Umsatzsteuer.

  • Kleinunternehmerregelung: möglich bis 25.000 € Umsatz im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr (§ 19 UStG). Für einen kleinen Salon kann das passen, du verzichtest dann aber auf den Vorsteuerabzug aus dem Ladenausbau. Mehr im Ratgeber Kleinunternehmerregelung.
  • Umsatzsteuer: Friseurleistungen unterliegen dem Regelsatz. Mehr im Ratgeber Umsatzsteuer für Gründer.
  • Kasse: Nutzt du eine elektronische Kasse, braucht sie eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung. Du musst Belege ausgeben und die Kasse dem Finanzamt mitteilen (§ 146a AO). Details im Ratgeber Kassenführung.
  • Gewerbesteuer: Als Einzelunternehmen hast du einen Freibetrag von 24.500 € Gewerbeertrag (§ 11 GewStG).

Wie gewinnst du Kunden für deinen Friseursalon?

Kunden für deinen Friseursalon gewinnst du vor allem über Lage, Empfehlungen und Stammkunden, die regelmäßig wiederkommen. Ein Friseur lebt von Wiederholungsbesuchen, deshalb zählt jeder zufriedene Kunde doppelt.

  • Online-Terminbuchung: spart dir Telefonate während der Arbeit und füllt Lücken im Kalender.
  • Sichtbarkeit vor Ort: Schaufenster, gepflegter Eintrag in Kartendiensten und Bewertungen.
  • Profil: Barber, Coloration, Hochzeitsfrisuren oder Kinderhaarschnitt geben dir ein klares Profil.
  • Social Media: Vorher-nachher-Bilder zeigen dein Können, mit Einwilligung der Kundschaft.
  • Website: Preise, Leistungen, Öffnungszeiten und Buchung. Das planen wir in Modul 7 Website.

Deine Marketingstrategie erarbeiten wir in Modul 6 Marketing und Kundengewinnung.

Welche Förderung gibt es für einen Friseursalon?

Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest, kannst du dich mit dem AVGS Gründercoaching bei Bewilligung kostenfrei vorbereiten. Mit Arbeitslosengeld kommt der Gründungszuschuss infrage, wenn du bei der Gründung noch mindestens 150 Tage Restanspruch hast (§ 93 SGB III). In der Grundsicherung (früher Bürgergeld) kann das Jobcenter Einstiegsgeld bewilligen. Über beides wird im Einzelfall entschieden.

Speziell für Meisterinnen und Meister gibt es in mehreren Ländern eine Meister­gründungsprämie, in Nordrhein-Westfalen bis zu 16.000 €, in Berlin bis zu 25.000 € in zwei Stufen. Hast du deine Meisterfortbildung mit Aufstiegs-BAföG finanziert, kann dir bei einer Gründung das Restdarlehen für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren auf Antrag erlassen werden (§ 13b AFBG). Für Ladenausbau und Einrichtung kommt der ERP-Gründerkredit StartGeld infrage, die Konditionen tagesaktuell bei der KfW. Programme deines Landes findest du in der Förderdatenbank, einen ersten Überblick gibt der Fördercheck.

Welche Module des AVGS Gründercoachings passen?

Für einen Friseursalon passen vor allem die Module zu Zahlen, Organisation und Marketing, weil Standort, Preise sowie Kundenbindung den Erfolg bestimmen.

  • Modul 1: Salon, Barbershop oder mobiler Service, und welcher Weg führt in die Handwerksrolle?
  • Modul 3: Preisliste, Auslastung der Plätze, Personal- und Mietkosten.
  • Modul 4: Ladenausbau, Meister­gründungsprämie und Kredit.
  • Modul 5: Handwerksrolle, BGW, Rentenversicherung, Kasse und Stuhlmiete.
  • Modul 6: Positionierung, Online-Buchung und Stammkunden.

Ob ein Gutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter im Einzelfall. Lass uns im kostenlosen Erstgespräch besprechen, wie die Eröffnung deines Salons aussehen kann. Diese Seite ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Tugay MertFragen dazu? Dein CoachTugay MertCoach für Gründung, Finanzierung und Vertrieb · Kaufmann für Versicherungen und Finanzen
Maximilian Ossot

Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.

Quellen

  1. Handwerksordnung – Anlage A (Nr. 38 Friseure)
  2. Handwerksordnung – Anlage B (Abschnitt 1 Nr. 56 Kosmetiker)
  3. § 1 HwO – Selbstständiger Betrieb nur mit Eintragung in die Handwerksrolle
  4. § 18 HwO – Anzeigepflicht bei zulassungsfreien Handwerken
  5. § 7 HwO – Eintragung, Betriebsleiter
  6. § 7a HwO – Ausübungsberechtigung für andere Handwerke
  7. § 7b HwO – Ausübungsberechtigung für erfahrene Gesellen (Ausnahme nur Nr. 12 und 33 bis 37)
  8. § 8 HwO – Ausnahmebewilligung
  9. Bayerischer Landtag – Drucksache 19/169: Barbershops und Ausübungsberechtigung nach § 7a und § 7b HwO
  10. § 36 IfSG – Infektionshygienische Überwachung (Abs. 2)
  11. BGW – Unfallversicherung für Unternehmerinnen und Unternehmer des Friseurhandwerks (Pflicht kraft Satzung, Befreiung)
  12. § 192 SGB VII – Anmeldung beim Unfall­versicherungsträger
  13. § 2 SGB VI – Renten­versicherungs­pflicht für Handwerker (Satz 1 Nr. 8)
  14. § 6 SGB VI – Befreiung von der Versicherungspflicht (18 Jahre Handwerker)
  15. Deutsche Rentenversicherung – Versicherungs­pflichtige Selbstständige (Handwerker, Friseure)
  16. § 7 SGB IV – Beschäftigung (Weisungen, Eingliederung)
  17. § 7a SGB IV – Status­feststellungs­verfahren
  18. Deutsche Rentenversicherung – Status­feststellungs­verfahren
  19. § 146a AO – Elektronische Aufzeichnungssysteme, TSE, Belegausgabe, Mitteilungspflicht
  20. § 19 UStG – Kleinunternehmer (25.000 € / 100.000 €)
  21. § 11 GewStG – Freibetrag 24.500 €
  22. NRW fördert – Meister­gründungsprämie NRW
  23. Handwerkskammer Berlin – Meister­gründungsprämie
  24. § 13b AFBG – Erlass des Darlehens bei Gründung
  25. § 93 SGB III – Gründungszuschuss
  26. § 16b SGB II – Einstiegsgeld
  27. KfW – ERP-Gründerkredit StartGeld (067)

Kurz beantwortet

Brauche ich einen Meisterbrief für einen Friseursalon?

Ja, Friseure sind ein zulassungspflichtiges Handwerk nach Anlage A Nr. 38 der Handwerksordnung. Ohne Meisterbrief kommen die Altgesellenregel nach § 7b HwO, eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO oder ein angestellter Meister als Betriebsleiter infrage.

Gilt die Meisterpflicht auch für einen Barbershop?

Ja, Haare schneiden und Bart rasieren gehören zum Friseurhandwerk, ein Barbershop ist deshalb ein Friseurbetrieb. Auch hier brauchst du die Eintragung in die Handwerksrolle, über Meisterbrief, Altgesellenregel, Ausnahmebewilligung oder angestellten Meister.

Gilt die Altgesellenregel für Friseure?

Ja, die Altgesellenregel nach § 7b HwO gilt auch für Friseure. Du brauchst die Gesellenprüfung und sechs Jahre Berufserfahrung, davon vier Jahre in leitender Stellung. Ausgenommen sind nur Schornsteinfeger und die Gesundheitshandwerke.

Ist Stuhlmiete im Friseursalon erlaubt?

Stuhlmiete ist nicht verboten, aber riskant. Wer einen Stuhl mietet und selbstständig Kunden bedient, braucht selbst eine Eintragung in die Handwerksrolle. Arbeitet die Stuhlmieterin weisungsgebunden und eingebunden in deinen Salon, liegt eine Beschäftigung vor, mit Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen als Folge.

Bin ich als Friseurmeisterin bei der BGW versichert?

Ja, Inhaberinnen und Inhaber von Friseurbetrieben sind bei der BGW kraft Satzung pflichtversichert. Befreien lassen kannst du dich nur, wenn du höchstens zehn Stunden pro Woche ohne Geschäftslokal und ohne Beschäftigte arbeitest.

Brauche ich im Friseursalon eine Kasse mit TSE?

Eine elektronische Kasse ist nicht vorgeschrieben, aber wenn du eine nutzt, braucht sie eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (§ 146a AO). Du musst Belege ausgeben und die Kasse dem Finanzamt melden.

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