Checkliste Antrag Gründungszuschuss
Von der Arbeitslosmeldung bis zur Phase 2: 150-Tage-Restanspruch, Beratungstermin, Unterlagen, Online-Antrag. Zum Abhaken, mit Links auf die Originale der Bundesagentur.
Du beziehst Arbeitslosengeld und willst dich hauptberuflich selbstständig machen? Dann kann dich der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit bis zu 15 Monate lang finanziell absichern. Hier erfährst du, welche Voraussetzungen gelten, wie viel Geld du bekommen kannst und wie du den Antrag so vorbereitest, dass er überzeugt.
Firmenkompass: AZAV-zertifizierter Träger · 91,6 % Integrationsquote (Stand 30.05.2026)
Der Gründungszuschuss ist eine Förderung der Agentur für Arbeit nach § 93 SGB III. Er soll dir in der ersten Zeit nach der Gründung den Lebensunterhalt und die soziale Absicherung sichern, also Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Er ist kein Kredit und muss grundsätzlich nicht zurückgezahlt werden.
Wichtig ist ein Punkt, den viele unterschätzen: Der Gründungszuschuss ist eine Ermessensleistung. Auch wenn du alle Voraussetzungen erfüllst, hast du keinen automatischen Anspruch. Dein/e Ansprechpartner/in prüft, ob die Förderung in deinem Fall sinnvoll ist. Dabei schaut er/sie auf dein Vorhaben, deine Qualifikation und darauf, ob die Gründung deine Arbeitslosigkeit voraussichtlich dauerhaft beendet. Einen Vorrang der Vermittlung in eine Anstellung gibt es beim Gründungszuschuss seit 2023 nicht mehr (§ 4 Abs. 2 Satz 3 SGB III). Eine gute Vorbereitung entscheidet deshalb oft über das Ergebnis.
Der Gründungszuschuss richtet sich an Menschen mit Anspruch auf Arbeitslosengeld. Beziehst du Grundsicherung (früher Bürgergeld) vom Jobcenter, ist das Einstiegsgeld der passende Weg. Auch das ist eine Ermessensleistung. Beziehst du beides, also Arbeitslosengeld und ergänzend Grundsicherung, klärst du am besten mit Agentur und Jobcenter, welche Förderung in deinem Fall infrage kommt.
Die Grundvoraussetzungen stehen in § 93 SGB III. Du kannst den Gründungszuschuss erhalten, wenn du:
Hauptberuflich heißt in der Praxis: Du arbeitest mindestens 15 Stunden pro Woche in deiner Selbstständigkeit, und andere Tätigkeiten nehmen nicht mehr Zeit ein. Eine Gründung im Nebenerwerb wird nicht gefördert. Ob du ein Gewerbe anmeldest oder freiberuflich tätig bist, spielt dagegen keine Rolle: Die Voraussetzungen sind für beide gleich. Worauf Freiberufler, Künstler und Kreative mit schwankenden Einnahmen achten sollten, steht im Ratgeber Gründungszuschuss für Freiberufler und Künstler.
Das Gesetz nennt auch Ausschlüsse. Solange dein Arbeitslosengeld ruht, zum Beispiel wegen einer Sperrzeit, wird kein Gründungszuschuss gezahlt. Hast du schon einmal eine Gründungsförderung nach dem SGB III bekommen, müssen seit deren Ende mindestens 24 Monate vergangen sein. Ausnahmen sind nur aus besonderen persönlichen Gründen möglich. Und wer das Alter für die Regelaltersrente erreicht, kann ab dem Folgemonat keinen Gründungszuschuss mehr erhalten.
Die Förderung läuft in zwei Phasen und kann insgesamt bis zu 15 Monate dauern.
| Phase | Dauer | Betrag pro Monat | Voraussetzung |
|---|---|---|---|
| Phase 1 | 6 Monate | zuletzt bezogenes Arbeitslosengeld + 300 Euro | Bewilligung des Antrags |
| Phase 2 | 9 Monate | 300 Euro | eigener Antrag, Nachweis der Geschäftstätigkeit |
Die 300 Euro sind für deine soziale Absicherung gedacht. Um Kranken- und Pflegeversicherung musst du dich als Selbstständige oder Selbstständiger ab dem Start selbst kümmern. Plane diese Kosten von Anfang an in deinen Finanzplan ein.
Nein. Der Gründungszuschuss ist nach § 3 Nr. 2 EStG steuerfrei. Anders als das Arbeitslosengeld unterliegt er auch nicht dem Progressionsvorbehalt, erhöht also nicht den Steuersatz auf deine übrigen Einkünfte. Er dient deinem Lebensunterhalt und ist keine Betriebseinnahme, gehört also nicht in deine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Das Arbeitslosengeld, das du im selben Jahr vor der Gründung bezogen hast, zählt dagegen weiter zum Progressionsvorbehalt. Plane deine Steuerrücklagen deshalb trotzdem sorgfältig. Mehr dazu im Ratgeber Steuererklärung für Selbstständige.
Phase 2 kommt nicht automatisch. Du beantragst sie gegen Ende der ersten sechs Monate gesondert. Dabei legst du mit geeigneten Unterlagen dar, dass du deine Geschäftstätigkeit wirklich ausübst, zum Beispiel mit Rechnungen, Aufträgen, Kundenkontakten, Marketingaktivitäten oder einer betriebswirtschaftlichen Auswertung. Hat die Agentur begründete Zweifel, kann sie eine neue Stellungnahme einer fachkundigen Stelle verlangen. Auch Phase 2 ist eine Ermessensentscheidung.
Welche Unterlagen genau verlangt werden, stimmst du mit deinem/deiner Ansprechpartner/in ab. In der Regel gehören dazu:
Mit der Stellungnahme einer fachkundigen Stelle weist du nach, dass deine Gründung wirtschaftlich tragfähig ist. Das Gesetz nennt als fachkundige Stellen insbesondere Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, berufsständische Kammern, Fachverbände und Kreditinstitute. In der Praxis kommen auch qualifizierte Gründungsberatungen und Steuerberatungen infrage. Die Stelle prüft deinen Businessplan und deine Zahlen ergebnisoffen. Eine positive Stellungnahme ist wichtig, aber noch keine Förderzusage. Mehr dazu findest du im Ratgeber Tragfähigkeitsbescheinigung und unter fachkundige Stellungnahme.
Es geht nicht um möglichst viele Seiten. Entscheidend ist, dass dein/e Ansprechpartner/in und die fachkundige Stelle schnell verstehen: Was bietest du an? Wer sind deine Kundinnen und Kunden? Wie gewinnst du sie? Welcher Umsatz ist realistisch, welche Kosten entstehen, und kannst du davon auf Dauer leben? Text und Zahlen müssen zusammenpassen. Wie du vorgehst, zeigt der Ratgeber Businessplan erstellen.
Der Antrag auf Gründungszuschuss läuft in sieben Schritten: früh mit der Agentur sprechen, Coaching beantragen, Gründung vorbereiten, Tragfähigkeit prüfen lassen, Antrag vor dem Start einreichen, Bescheid abwarten, später Phase 2 beantragen.
Trag dein monatliches Arbeitslosengeld ein. Es steht in deinem Bewilligungsbescheid (Tagessatz mal 30).
So rechnen wir: (ALG + 300 €) × 6 Monate, danach 300 € × 9 Monate. Rechtsgrundlage § 94 SGB III. Voraussetzung unter anderem mindestens 150 Tage Restanspruch bei der Gründung (§ 93 SGB III).
Der Gründungszuschuss ist eine Ermessensleistung: Die Agentur für Arbeit entscheidet im Einzelfall, einen Rechtsanspruch gibt es nicht.
Für den Gründungszuschuss brauchst du am Tag deiner Gründung noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld. Rechne aus, bis wann das bei dir der Fall ist.
So rechnen wir: Anspruchsdauer × 30 Tage (§ 339 SGB III), davon müssen bei der Gründung noch 150 Tage übrig sein (§ 93 SGB III). Sperrzeiten oder Unterbrechungen verschieben das Datum, deinen genauen Restanspruch kennt deine Agentur.
Für den Gründungszuschuss gibt es keinen Papiervordruck zum Herunterladen: Du beantragst Phase 1 und Phase 2 online bei der Bundesagentur für Arbeit und lädst dort die Stellungnahme der fachkundigen Stelle hoch.
Die Links führen direkt zu den Originalen: Online-Antrag Phase 1, Online-Antrag Phase 2, Vordruck BA GZ 04 für die Stellungnahme und Musteranschreiben BA GZ 03. Ältere Vordrucke wie „BA GZ 1“ aus dem Jahr 2006 sind veraltet. Unsere Checkliste führt dich von der Arbeitslosmeldung bis zur Phase 2, die Ausfüllhilfe erklärt jede Frage der Stellungnahme.
Von der Arbeitslosmeldung bis zur Phase 2: 150-Tage-Restanspruch, Beratungstermin, Unterlagen, Online-Antrag. Zum Abhaken, mit Links auf die Originale der Bundesagentur.
Jede Frage der Stellungnahme der fachkundigen Stelle erklärt: was geprüft wird, welche Unterlagen du einreichst und wie du dich vorbereitest. Mit Beispiel Malerbetrieb.
AVGS und Gründungszuschuss sind zwei verschiedene Förderungen, die sich gut ergänzen. Mit dem Gutschein bezahlt die Agentur ein zertifiziertes Gründungscoaching, in dem Businessplan, Finanzplan und Marketing entstehen. Der Gründungszuschuss sichert dich danach finanziell beim Start ab. Für die Planung gibt es zwei Regeln, die du kennen solltest:
Typische Fehler beim Gründungszuschuss sind ein zu knapper Restanspruch, ein Start vor dem Antrag oder unrealistische Zahlen; nach einer Ablehnung kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.
Eine Ablehnung ist ärgerlich, aber nicht immer das letzte Wort. Lies zuerst die Begründung genau. Häufige Gründe sind ein zu knapper Restanspruch, Zweifel an der Tragfähigkeit, fehlende Nachweise zur Qualifikation oder Zweifel, ob die Gründung die Arbeitslosigkeit dauerhaft beendet. Beruft sich die Agentur auf einen Vorrang der Vermittlung in Arbeit, hilft der Hinweis auf § 4 Abs. 2 Satz 3 SGB III: Dieser Vorrang gilt für den Gründungszuschuss nicht.
Gegen den Bescheid kannst du innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe schriftlich Widerspruch einlegen. Ein Widerspruch hat dann gute Chancen, wenn du konkret auf die Begründung eingehst: Fehlende Unterlagen nachreichen, Zahlen nachvollziehbar überarbeiten, die eigene Qualifikation besser belegen oder erklären, warum die Selbstständigkeit für dich der realistischere Weg in Arbeit ist. Weil es um eine Ermessensentscheidung geht, muss die Agentur ihr Ermessen erkennbar ausgeübt haben. Bleibt es bei der Ablehnung, ist eine Klage beim Sozialgericht möglich. Wie du Schritt für Schritt vorgehst, welche Fristen gelten und welche Alternativen es gibt, erklärt der Ratgeber Gründungszuschuss abgelehnt. Für AVGS-Ablehnungen findest du Hinweise im Ratgeber AVGS abgelehnt.
Unabhängig vom Ergebnis gilt: Eine Gründung muss auch ohne Zuschuss irgendwann tragen. Prüfe, ob andere Wege passen, etwa ein Förderkredit oder ein späterer Start. Einen Überblick gibt der Ratgeber Fördermöglichkeiten für Gründer.
Firmenkompass ist ein AZAV-zertifizierter Träger und bereitet dich im AVGS Gründercoaching auf den Antrag auf Gründungszuschuss vor. Im AVGS Gründercoaching erarbeitest du 1:1 und online mit erfahrenen Coaches deinen Businessplan, deinen Finanzplan, dein Marketing und auf Wunsch deine Website. Wir achten von Anfang an auf deinen Zeitplan, damit der Restanspruch reicht und die Unterlagen für den Gründungszuschuss rechtzeitig fertig sind. Über 1.400 Gründerinnen und Gründer haben unsere Coaches schon begleitet, die Integrationsquote liegt bei 91,6 % (Stand 30.05.2026).
Ob und in welcher Höhe gefördert wird, entscheidet immer die Agentur für Arbeit. Was wir tun können: dich so vorbereiten, dass dein Antrag vollständig, schlüssig und gut begründet ist. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns deine Situation an und rechnen gemeinsam deinen Zeitplan durch.
Fragen dazu? Dein CoachKlaus RunkelSeniorberater Businessplan und Finanzierung · Unternehmensberater seit über 30 Jahren
Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.
Nein, auf den Gründungszuschuss hast du keinen Rechtsanspruch. Der Gründungszuschuss ist seit 2011 eine Ermessensleistung. Auch wenn du alle Voraussetzungen erfüllst, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Am Tag vor deinem Gründungsstart musst du noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Maßgeblich ist der Restanspruch bei Aufnahme der Selbstständigkeit, nicht beim ersten Gespräch.
In den ersten sechs Monaten bekommst du dein zuletzt bezogenes Arbeitslosengeld plus 300 Euro im Monat. Danach sind auf Antrag weitere neun Monate mit je 300 Euro möglich.
Nein, er ist ein Zuschuss und kein Kredit. Zurückfordern kann die Agentur ihn nur, wenn die Voraussetzungen nicht vorlagen oder Angaben falsch waren.
Den Antrag musst du vor dem Gründungsstart stellen, rückwirkend geht es nicht. Den genauen Starttermin und die Gewerbeanmeldung stimmst du am besten vorher mit deinem/deiner Ansprechpartner/in ab.
Ja, das ist der übliche Weg. Im Coaching entstehen Businessplan und Finanzplan, danach beantragst du den Gründungszuschuss. Das Coaching muss allerdings vor dem Gründungsstart abgeschlossen sein.
Nein, den Gründungszuschuss bekommst du nicht vom Jobcenter. Wenn du Grundsicherung (früher Bürgergeld) beziehst, ist das Einstiegsgeld der passende Weg. Der Gründungszuschuss setzt einen Anspruch auf Arbeitslosengeld voraus.
Lies die Begründung genau und lege innerhalb eines Monats Widerspruch ein, wenn du sie nicht für richtig hältst. Oft hilft es, Businessplan, Zahlen oder Begründung gezielt nachzubessern.
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Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, ob ein AVGS für dich infrage kommt, welche Module zu deiner Idee passen und was du für das Gespräch bei Agentur oder Jobcenter brauchst. 20 Minuten, ehrlich und ohne Verpflichtung.