BWA lesen: So verstehst du deine betriebswirtschaftliche Auswertung
Jeden Monat kommt von der Steuerberatung eine BWA, und viele Gründerinnen und Gründer legen sie ungelesen ab. Dabei zeigt sie dir früh, ob dein Geschäft trägt. Hier erfährst du, wie eine BWA aufgebaut ist, welche Kennzahlen zählen, warum sie nur vorläufig ist und worauf Banken achten.
Das Wichtigste in Kürze
- monatlich
- üblicher Rhythmus einer BWA
- 3 Spalten
- Monat, aufgelaufenes Jahr, Vorjahr
- vorläufig
- das Ergebnis vor dem Jahresabschluss
- Was: Die BWA ist eine Auswertung deiner laufenden Buchhaltung, meist monatlich. Sie ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.
- Kern: Umsatz minus Wareneinsatz ergibt den Rohertrag, davon gehen die übrigen Kosten ab, übrig bleibt das vorläufige Ergebnis.
- Vorläufig: Die BWA ersetzt keinen Jahresabschluss. Abgrenzungen, Abschreibungen und Bestände fehlen oft oder sind geschätzt.
- Gewinn ist nicht Geld: Die BWA zeigt dein Ergebnis, nicht deinen Kontostand. Für die Liquidität brauchst du einen eigenen Plan.
- Banken: Sie verlangen bei Krediten regelmäßig aktuelle BWA mit Vorjahresvergleich.
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Was ist eine BWA?
Die betriebswirtschaftliche Auswertung, kurz BWA, ist eine verdichtete Übersicht über Erträge, Kosten und Ergebnis deines Unternehmens, erstellt aus deiner laufenden Buchhaltung. Sie entsteht in der Regel jeden Monat, wenn deine Steuerberatung oder dein Buchhaltungsprogramm die Belege des Monats gebucht hat. Häufig läuft sie im selben Takt wie die Umsatzsteuer-Voranmeldung.
Eine gesetzliche Pflicht zur BWA gibt es nicht. Vorgeschrieben ist nur, dass du deine Geschäftsvorfälle ordentlich aufzeichnest, etwa als Kaufmann nach § 238 HGB. Die BWA ist das, was du aus diesen Aufzeichnungen machst: ein Steuerungsinstrument. Sie zeigt dir, ob dein Umsatz die Kosten deckt, wo Kosten aus dem Ruder laufen und wie sich dein Geschäft im Vergleich zum Vormonat oder Vorjahr entwickelt.
Die meisten Steuerberatungen nutzen eine Standard-BWA mit festen Zeilen. Daneben gibt es Varianten für bestimmte Branchen oder mit anderen Schwerpunkten. Der Aufbau unten folgt der verbreiteten Grundform, die Bezeichnungen können in deiner BWA leicht abweichen.
Wie ist eine BWA aufgebaut?
Eine BWA beginnt mit dem Umsatz, zieht davon Schritt für Schritt die Kosten ab und endet beim vorläufigen Ergebnis. Typischerweise siehst du nebeneinander den aktuellen Monat, die aufgelaufenen Werte seit Jahresbeginn und oft die Vergleichswerte aus dem Vorjahr.
| Zeile | Bedeutung |
|---|---|
| Umsatzerlöse | Netto-Umsatz aus deinen Verkäufen und Leistungen |
| Bestandsveränderungen, aktivierte Eigenleistungen | vor allem bei Handwerk und Produktion relevant |
| Gesamtleistung | Umsatz plus oder minus diese Korrekturen |
| Material- und Wareneinkauf | direkte Kosten für das, was du verkaufst |
| Rohertrag | Gesamtleistung minus Material- und Wareneinsatz |
| Sonstige betriebliche Erlöse | etwa Erstattungen oder Zuschüsse |
| Personalkosten, Raumkosten, Fahrzeugkosten, Werbekosten, Versicherungen, Abschreibungen und weitere | die laufenden Kosten deines Betriebs |
| Betriebsergebnis | Ergebnis aus deiner eigentlichen Tätigkeit |
| Zinsen, neutrale Erträge und Aufwendungen | Finanzierung und Einmaleffekte |
| Vorläufiges Ergebnis | Gewinn oder Verlust, je nach BWA-Form vor oder nach Ertragsteuern |
Neben den Eurobeträgen zeigen viele BWA Prozentwerte, meist bezogen auf die Gesamtleistung. So siehst du auf einen Blick, wie viel Prozent deines Umsatzes etwa für Personal oder Miete draufgehen.
Welche Kennzahlen solltest du kennen?
Für den Anfang reichen fünf Kennzahlen: Umsatz, Rohertrag, Kostenquoten, Betriebsergebnis und das Verhältnis von Ergebnis zu deinen Privatentnahmen. Mit ihnen erkennst du die meisten Probleme rechtzeitig.
- Umsatz im Monat und aufgelaufen: Liegst du auf Kurs gegenüber deinem Plan? Einzelne Monate schwanken, die aufgelaufene Summe ist aussagekräftiger.
- Rohertragsquote: Rohertrag geteilt durch Gesamtleistung. Sinkt sie, steigen deine Einkaufspreise schneller als deine Verkaufspreise, oder du gibst zu viel Rabatt.
- Personalkostenquote und Raumkostenquote: Wie viel deines Umsatzes fressen diese Fixkosten? Steigen sie dauerhaft, passt dein Geschäftsmodell nicht mehr zu deinen Kosten.
- Betriebsergebnis: Ist es dauerhaft negativ, verdienst du mit deinem Kerngeschäft kein Geld.
- Ergebnis im Vergleich zu deinen Entnahmen: Als Einzelunternehmer zahlst du dein Gehalt nicht über die Personalkosten, sondern über Privatentnahmen. Das Ergebnis muss deine Entnahmen, deine Steuern und deine Tilgung tragen.
Wie viel du dir monatlich auszahlen kannst, erklärt der Ratgeber Privatentnahmen. Welche Kosten fix oder variabel sind, liest du bei Fixkosten und variable Kosten.
Warum ist die BWA nur vorläufig?
Die BWA ist vorläufig, weil sie auf dem Buchungsstand des Monats beruht und viele Korrekturen erst im Jahresabschluss kommen. Das endgültige Ergebnis steht erst in deiner Bilanz oder Einnahmen-Überschuss-Rechnung fest.
Typische Gründe für Abweichungen:
- Fehlende Belege: Was noch nicht gebucht ist, fehlt in der BWA. Rechnungen, die erst im Folgemonat eingereicht werden, verschieben das Ergebnis.
- Keine Bestandsveränderung: Hast du Ware auf Lager, zeigt die BWA oft den gesamten Einkauf als Kosten, obwohl ein Teil noch im Regal liegt. Das Ergebnis wirkt dann schlechter, als es ist. Erst die Inventur am Jahresende korrigiert das.
- Abschreibungen fehlen: Viele BWA enthalten die Abschreibungen erst am Jahresende. Bis dahin ist das Ergebnis zu gut.
- Einmalzahlungen: Eine Jahresversicherung oder die Jahresgebühr für Software im Januar drückt den Monat stark, obwohl sie das ganze Jahr betrifft.
- Zufluss statt Verursachung: Ermittelst du deinen Gewinn mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung, zählt der Zahlungszeitpunkt (§ 11 EStG). Ein Kunde, der spät zahlt, verschiebt deinen Umsatz in einen anderen Monat.
Mehr zum Unterschied der Gewinnermittlungsarten findest du in den Ratgebern EÜR erstellen und Bilanz einfach erklärt.
Was bringen Abgrenzungen in der BWA?
Abgrenzungen verteilen Kosten und Erträge auf die Monate, zu denen sie wirtschaftlich gehören, damit deine BWA aussagekräftig wird. Statt die Jahresversicherung im Januar voll zu buchen, setzt die Steuerberatung jeden Monat ein Zwölftel an.
Gängig sind zum Beispiel diese Abgrenzungen:
- Abschreibungen monatlich anteilig statt einmal im Dezember
- Jahreszahlungen wie Versicherungen, Beiträge oder Lizenzen in zwölf Teilen
- Urlaubs- und Weihnachtsgeld bei Angestellten verteilt auf das Jahr
- Geschätzte Bestandsveränderungen im Handel
Abgrenzungen kosten etwas zusätzliche Arbeit bei der Buchhaltung. Sprich sie mit deiner Steuerberatung ab, besonders wenn du die BWA für ein Bankgespräch brauchst. Ohne sie kann ein einzelner Monat mit hohen Einmalkosten einen falschen Eindruck machen.
Wie nutzt du den Soll-Ist-Vergleich?
Im Soll-Ist-Vergleich stellst du deine BWA-Zahlen deinem Plan gegenüber und erkennst so, wo du vom Kurs abweichst. Grundlage ist der Finanzplan aus deinem Businessplan, insbesondere die Rentabilitätsvorschau.
- Plan monatlich aufteilen. Den Jahresplan auf Monate verteilen, saisonale Schwankungen berücksichtigen.
- Gleiche Struktur nutzen. Die Zeilen deines Plans so benennen wie die Zeilen deiner BWA, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
- Abweichungen markieren. Alles, was mehr als zehn Prozent vom Plan abweicht, genauer anschauen.
- Ursache klären. Ist es ein Buchungseffekt, etwa eine fehlende Abgrenzung, oder ein echtes Problem wie fehlende Aufträge?
- Handeln. Preise anpassen, Kosten senken, Marketing verstärken oder den Plan realistisch korrigieren.
Wie du einen belastbaren Plan aufbaust, zeigt der Ratgeber Finanzplan erstellen. Für die Zahlungsfähigkeit eignet sich zusätzlich der Liquiditätsplan-Rechner, denn die BWA zeigt dir dein Ergebnis, nicht deinen Kontostand.
Was wollen Banken in der BWA sehen?
Banken wollen anhand der BWA erkennen, ob dein Unternehmen laufend Geld verdient und den Kredit bedienen kann. Deshalb fragen sie bei Kreditanträgen, Verlängerungen und oft auch einmal im Jahr nach aktuellen Zahlen.
- Aktualität: eine BWA, die nicht älter als wenige Monate ist, mit aufgelaufenen Jahreswerten
- Vorjahresvergleich: Entwicklung von Umsatz, Rohertrag und Ergebnis
- Summen- und Saldenliste: die Kontenübersicht hinter der BWA, aus der Bestände von Forderungen, Verbindlichkeiten und Bank hervorgehen
- Saubere Abgrenzungen: Abschreibungen und Jahreskosten anteilig gebucht
- Erklärungen: kurze Begründungen für Ausreißer, etwa eine Großbestellung oder Saisoneffekte
Gesetzlich ist ein Kreditinstitut ab einer bestimmten Kredithöhe verpflichtet, sich deine wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen zu lassen, etwa durch Jahresabschlüsse (§ 18 KWG). Diese Schwelle liegt bei mehr als 1.500.000 € oder zehn Prozent des Kernkapitals der Bank. Unterhalb davon verlangen Banken die Unterlagen nach ihren eigenen Regeln, und in der Praxis gehört die BWA fast immer dazu. Wie du dich auf das Gespräch vorbereitest, liest du im Ratgeber Bankgespräch vorbereiten.
Wie lernst du, deine Zahlen sicher zu lesen?
Am schnellsten lernst du die BWA, wenn du sie jeden Monat mit deinen eigenen Zahlen durchgehst und gezielt nachfragst. Plane dir dafür einen festen Termin im Monat ein, sobald die BWA vorliegt.
Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest, kannst du den Umgang mit deinen Zahlen im geförderten Coaching üben. Mit einem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters ist das AVGS Gründercoaching für dich bei Bewilligung kostenfrei. Dort bauen wir in Modul 3 Businessplan Zahlen deine Planung auf. In Modul 5 Unternehmensorganisation klären wir, wie Buchhaltung und BWA zusammenspielen. Ob ein Gutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur oder das Jobcenter im Einzelfall.
Wenn du schon gegründet hast, gehen wir im Einzeltraining Zahlen verstehen deine echte BWA Zeile für Zeile mit dir durch. Wer das erste Jahr regelmäßig begleitet werden möchte, findet im Controlling-Paket für das erste Jahr monatliche Soll-Ist-Vergleiche. Sprich uns gern im kostenlosen Erstgespräch an.
Fragen dazu? Dein CoachElena PlinerCoach für Zahlen und Controlling
Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.
Quellen
- § 238 HGB – Buchführungspflicht (Nachvollziehbarkeit der Geschäftsvorfälle)
- § 4 EStG – Gewinnbegriff (Abs. 1 Betriebsvermögensvergleich, Abs. 3 Einnahmen-Überschuss-Rechnung)
- § 11 EStG – Zufluss und Abfluss
- § 18 KWG – Kreditunterlagen (Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse)
- § 18 UStG – Besteuerungsverfahren (Voranmeldungszeitraum)
- IHK Chemnitz: Betriebswirtschaftliche Auswertung
Kurz beantwortet
Ist die BWA gesetzlich vorgeschrieben?
Nein, die BWA ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Sie ist eine freiwillige Auswertung deiner Buchhaltung, die Steuerberatungen oder Buchhaltungsprogramme meist monatlich erstellen. Banken verlangen sie aber häufig als Kreditunterlage.
Was ist der Unterschied zwischen BWA und Bilanz?
Die BWA ist eine vorläufige Auswertung während des Jahres, die Bilanz ist Teil des geprüften Jahresabschlusses. Die BWA zeigt vor allem Erträge, Kosten und vorläufiges Ergebnis. Die Bilanz zeigt zusätzlich Vermögen und Schulden zum Stichtag.
Was bedeutet Rohertrag in der BWA?
Der Rohertrag ist dein Umsatz minus Material- und Wareneinsatz. Er zeigt, wie viel Geld dir nach den direkten Kosten bleibt, um Miete, Personal und alle anderen Kosten zu decken. Bei reinen Dienstleistern ohne Wareneinsatz entspricht er fast dem Umsatz.
Warum stimmt das Ergebnis der BWA nicht mit meinem Kontostand überein?
Die BWA zeigt Gewinn oder Verlust, nicht deine Liquidität. Kredittilgungen, Privatentnahmen, Investitionen und Steuerzahlungen beeinflussen dein Konto, tauchen aber nicht oder anders im Ergebnis auf. Für deine Zahlungsfähigkeit brauchst du zusätzlich einen Liquiditätsplan.
Wie aktuell ist eine BWA?
Eine BWA ist so aktuell wie deine Buchhaltung. Reichst du Belege erst Wochen später ein, kommt auch die BWA später und zeigt ein unvollständiges Bild. Viele Steuerberatungen erstellen sie einige Wochen nach Monatsende, oft im Takt der Umsatzsteuer-Voranmeldung.
Welche BWA will die Bank sehen?
Banken wollen meist die aktuelle BWA mit aufgelaufenen Jahreswerten und dem Vorjahresvergleich sehen, oft zusammen mit der Summen- und Saldenliste. Wichtig ist, dass Abschreibungen und regelmäßige Kosten sauber abgegrenzt sind. Sonst wirkt das Ergebnis besser oder schlechter, als es ist.
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