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Rentabilitätsvorschau: So planst du Umsatz und Gewinn für drei Jahre

Die Rentabilitätsvorschau zeigt, ob dein Unternehmen nach allen Kosten genug Gewinn abwirft, damit du davon leben kannst. Hier erfährst du, wie du Umsatz und Kosten für drei Jahre planst, wie Abschreibung und Unternehmerlohn hineingehören, woran Prüfer Plausibilität messen und was sie vom Liquiditätsplan unterscheidet.

Das Wichtigste in Kürze

3 Jahre
üblicher Planungszeitraum der Rentabilitätsvorschau
800 €
netto: Grenze für die Sofortabschreibung
24.500 €
Gewerbe­steuer-Freibetrag für Einzelunternehmen und Personen­gesellschaften
  • Kern des Zahlenteils: Die Rentabilitätsvorschau zeigt Umsatz, Kosten und Gewinn vor Steuern, üblich für drei Geschäftsjahre.
  • Geprüfte Unterlage: Die Bundesagentur für Arbeit nennt die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau als Unterlage für die fachkundige Stelle.
  • Abschreibung statt Kaufpreis: Anschaffungen verteilst du über die Nutzungsdauer. Der volle Kaufpreis gehört in den Liquiditätsplan.
  • Unternehmerlohn unter dem Strich: Vom Gewinn müssen Lebenshaltung, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge sowie Steuern bezahlt werden.
  • Plausibel statt optimistisch: Jede Umsatzzahl braucht eine Herleitung aus Preis, Menge und Anlaufzeit.

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Was ist eine Rentabilitätsvorschau?

Eine Rentabilitätsvorschau ist die Planung von Umsatz, Kosten und Gewinn für die ersten Geschäftsjahre deines Unternehmens. Sie heißt auch Ertragsvorschau oder Plan-Gewinn-und-Verlustrechnung. Das Existenz­gründungsportal des Bundeswirtschafts­ministeriums beschreibt das Grundprinzip so: Der erwartete Umsatz wird den erwarteten Kosten gegenübergestellt. Das Ergebnis zeigt, ob sich dein Vorhaben lohnt.

Sie ist Teil des Finanzplans, zusammen mit Kapitalbedarfsplan, Finanzierungsplan und Liquiditätsplan. Während die anderen Teile zeigen, was der Start kostet und ob das Geld reicht, beantwortet die Rentabilitätsvorschau die wichtigste Frage für dich persönlich: Kannst du dauerhaft von deinem Unternehmen leben?

Wer verlangt eine Rentabilitätsvorschau?

Eine Rentabilitätsvorschau verlangen vor allem die fachkundige Stelle beim Gründungszuschuss, Banken bei Krediten und oft auch das Jobcenter beim Einstiegsgeld. Für den Gründungszuschuss musst du nach § 93 SGB III die Tragfähigkeit deiner Gründung mit der Stellungnahme einer fachkundigen Stelle nachweisen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt als Unterlagen, die diese Stelle prüft, die Beschreibung des Vorhabens (Businessplan), den Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan sowie die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau.

Wie die Prüfung abläuft und wer als fachkundige Stelle infrage kommt, erklärt der Ratgeber Tragfähigkeits­bescheinigung. Banken nutzen die Rentabilitätsvorschau, um einzuschätzen, ob du Zinsen und Tilgung aus dem laufenden Geschäft zahlen kannst.

Für welchen Zeitraum planst du?

Die Rentabilitätsvorschau umfasst üblicherweise drei Geschäftsjahre. Das empfiehlt auch das Existenz­gründungsportal. Es weist darauf hin, dass gerade das dritte Jahr als besonders kritisch gilt. Dann ist die Anlaufphase vorbei, Förderungen sind ausgelaufen, dein Unternehmen muss sich selbst tragen.

Das erste Jahr planst du am besten Monat für Monat, weil dein Umsatz in der Anlaufphase stark schwankt. Für das zweite und dritte Jahr reichen in der Regel Jahreswerte. Eine ältere Antwort im Infopool des Existenz­gründungsportals aus dem Jahr 2018 nennt für den Gründungszuschuss eine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau für mindestens drei Jahre auf Monatsbasis. Diese Antwort wird laut Portal nicht mehr aktualisiert. Frag im Zweifel bei deiner fachkundigen Stelle nach, welche Form sie erwartet.

Wie ist eine Rentabilitätsvorschau aufgebaut?

Eine Rentabilitätsvorschau ist aufgebaut wie eine Treppe: Vom Umsatz ziehst du Schritt für Schritt die Kosten ab, bis der Gewinn vor Steuern übrig bleibt. Alle Werte stehen netto, sofern du umsatzsteuerpflichtig bist.

ZeileWas hineingehört
UmsatzErlöse aus deinen Produkten oder Leistungen, hergeleitet aus Preis × Menge
− Wareneinsatz, Material, FremdleistungenVariable Kosten, die direkt an den Umsatz gekoppelt sind
= RohertragWas nach den variablen Kosten übrig bleibt
− PersonalkostenGehälter einschließlich Arbeitgeberanteilen
− RaumkostenMiete, Nebenkosten, Energie
− Fahrzeug, Versicherungen, BeiträgeLeasing, Kfz-Kosten, Betriebshaftpflicht, Kammer, Berufsgenossenschaft
− Marketing, Verwaltung, BeratungWerbung, Website, Software, Telefon, Steuerberatung
− AbschreibungenAnschaffungen, verteilt auf ihre Nutzungsdauer
− ZinsenZinsen für Darlehen, nicht die Tilgung
= Gewinn vor SteuernBetriebsergebnis, Grundlage für Einkommen- und Gewerbesteuer

Wie du fixe und variable Kosten sauber trennst, erklärt der Ratgeber Fixkosten und variable Kosten. Eine fertige Struktur für alle Teilpläne bekommst du mit unserer Businessplan- und Finanzplan-Vorlage.

Abschreibung richtig ansetzen

Anschaffungen, die länger als ein Jahr genutzt werden, verteilst du nach § 7 EStG über ihre Nutzungsdauer. Orientierung geben die AfA-Tabellen des Bundesfinanz­ministeriums. In der Tabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter stehen zum Beispiel sechs Jahre für einen Pkw und 13 Jahre für Büromöbel. Für Computer und Software darf nach einem BMF-Schreiben von 2022 eine Nutzungsdauer von einem Jahr angenommen werden. Geringwertige Wirtschaftsgüter bis 800 Euro netto kannst du nach § 6 Abs. 2 EStG sofort voll absetzen. Für bewegliche Anschaffungen zwischen dem 1. Juli 2025 und dem 31. Dezember 2027 erlaubt § 7 Abs. 2 EStG zudem eine degressive Abschreibung, höchstens das Dreifache des linearen Satzes und nicht mehr als 30 Prozent. Welche Variante sinnvoll ist, klärst du mit deiner Steuerberatung.

Steuern berücksichtigen

Die Rentabilitätsvorschau endet beim Gewinn vor Steuern. Als Einzelunternehmer zahlst du davon Einkommensteuer, bei einem Gewerbe zusätzlich Gewerbesteuer, sobald der Gewerbeertrag den Freibetrag von 24.500 Euro nach § 11 GewStG übersteigt. Rechne diese Steuern zumindest grob ein, wenn du prüfst, ob dein Gewinn zum Leben reicht.

Wo steht der Unternehmerlohn?

Bei Einzelunternehmen und Personen­gesellschaften steht der Unternehmerlohn unter dem Gewinn, weil du dir kein Gehalt als Betriebsausgabe zahlen kannst. Du entnimmst dein Geld aus dem Gewinn. Deshalb musst du nach dem Gewinn vor Steuern prüfen, ob er für deinen Bedarf reicht: Lebenshaltung, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge sowie die Steuern. Das Existenz­gründungsportal nennt die Frage, wie viel du mindestens verdienen musst, ausdrücklich als eine der Grundfragen der Rentabilitätsvorschau.

Bei einer GmbH oder UG ist es anders: Dort ist das Gehalt der Geschäftsführung Personalaufwand und steht oben in den Kosten. Wie du deinen Bedarf ermittelst, erklärt der Ratgeber Unternehmerlohn.

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Wie machst du deine Umsatzplanung plausibel?

Deine Umsatzplanung wird plausibel, wenn jede Zahl aus Preis, Menge sowie Anlaufzeit hergeleitet ist und du sie im Gespräch erklären kannst. Ein Umsatz, der einfach dasteht, ist der häufigste Grund für Rückfragen. Das Existenz­gründungsportal rät zu einer vorsichtigen Planung beim Umsatz sowie zu Rücklagen für Durststrecken, verspätete Zahlungen und Forderungsausfälle.

  • Preis begründet: Kalkulation und Vergleich mit dem Wettbewerb in deiner Region, siehe Preiskalkulation.
  • Kapazität geprüft: Wie viele Stunden oder Aufträge schaffst du wirklich, nach Urlaub, Krankheit, Akquise und Verwaltung?
  • Anlauf eingeplant: Der Umsatz steigt über mehrere Monate, nicht ab dem ersten Tag auf das Zielniveau.
  • Nachfrage belegt: Kontakte, Anfragen, Absichtserklärungen oder eine Marktanalyse stützen deine Mengen.
  • Kosten passen zum Wachstum: Wächst der Umsatz stark, prüfe, ob zusätzliches Personal, Fläche oder ein zweites Fahrzeug nötig wird.
  • Text und Zahlen stimmen überein: Was im Textteil steht, findet sich in den Zahlen wieder.
  • Vorsichtiges Szenario gerechnet: Trägt der Plan auch mit 20 Prozent weniger Umsatz?

Was unterscheidet Rentabilitätsvorschau und Liquiditätsplan?

Die Rentabilitätsvorschau zeigt, ob du Gewinn machst, der Liquiditätsplan zeigt, ob in jedem einzelnen Monat genug Geld auf dem Konto ist. Beide brauchst du, denn ein Unternehmen kann auf dem Papier Gewinn machen und trotzdem zahlungsunfähig werden.

PostenRentabilitätsvorschauLiquiditätsplan
Anschaffung von 24.000 €4.000 € Abschreibung pro Jahr24.000 € im Monat der Zahlung
Kreditnur die ZinsenAuszahlung, Zinsen und Tilgung
Rechnung an Kundenim Monat der Leistungim Monat des Zahlungseingangs
Umsatzsteuernicht enthalten (netto)Einnahme und Abführung ans Finanzamt
Privatentnahmenunter dem Strich (Einzelunternehmen)als monatliche Auszahlung

Mit dem folgenden Rechner prüfst du, ob dein Geld durch die Anlaufphase reicht. Ausführlicher geht es auf der Seite Liquiditätsplan-Rechner. Wie viel Puffer sinnvoll ist, erklärt der Ratgeber Liquiditätsreserve.

Liquiditätsplan für 12 Monate

Reicht dein Geld durch die Anlaufphase? Der Plan zeigt Monat für Monat deinen Kontostand.

So rechnen wir: Kontostand = Vormonat + Einnahmen + Zuschuss − Fixkosten − Privatentnahme. Die Einnahmen wachsen jeden Monat um den eingegebenen Prozentsatz, höchstens bis zur Obergrenze. Umsatzsteuer und Einkommensteuer sind nicht enthalten. Plane dafür eine Rücklage ein.

Tiefster Kontostand–
Erster Monat im Minus–
Kontostand nach 12 Monaten–

Rentabilitätsvorschau mit Coach erstellen

Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest, kannst du bei deiner Agentur für Arbeit oder deinem Jobcenter einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für ein AVGS Gründercoaching beantragen. Das gilt auch, wenn du Grundsicherung (früher Bürgergeld) erhältst. Zusätzlich kommen ein Gründungszuschuss oder Einstiegsgeld infrage. Die Behörde entscheidet im Einzelfall.

In Modul 3: Businessplan Zahlen erstellst du mit deinem Coach Umsatzplanung, Rentabilitätsvorschau und Liquiditätsplan für dein eigenes Vorhaben, so dass du jede Zahl vor der fachkundigen Stelle erklären kannst. Bei Bewilligung des Gutscheins hast du keinen Eigenanteil. Für ein Bankgespräch prüft der Businessplan-Check-up für die Bank deinen Plan aus Sicht der Kreditprüfung. Du willst wissen, was für dich infrage kommt? Vereinbare ein kostenloses Erstgespräch.

Elena PlinerFragen dazu? Dein CoachElena PlinerCoach für Zahlen und Controlling
Maximilian Ossot

Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.

Kurz beantwortet

Was ist eine Rentabilitätsvorschau?

Eine Rentabilitätsvorschau stellt deinen geplanten Umsätzen alle Kosten gegenüber und zeigt den Gewinn vor Steuern. Sie beantwortet die Frage, ob dein Unternehmen nach allen Kosten genug abwirft, um davon zu leben.

Für wie viele Jahre erstelle ich die Rentabilitätsvorschau?

Üblich sind drei Geschäftsjahre, so empfiehlt es auch das Existenz­gründungsportal des Bundeswirtschafts­ministeriums. Das erste Jahr planst du am besten Monat für Monat, die Folgejahre reichen meist als Jahreswerte.

Was ist der Unterschied zwischen Rentabilitätsvorschau und Liquiditätsplan?

Die Rentabilitätsvorschau zeigt, ob du Gewinn machst, der Liquiditätsplan zeigt, ob in jedem Monat genug Geld auf dem Konto ist. Deshalb steht in der Rentabilitätsvorschau die Abschreibung, im Liquiditätsplan dagegen der tatsächliche Kaufpreis, die Kredittilgung und deine Privatentnahmen.

Gehört der Unternehmerlohn in die Rentabilitätsvorschau?

Ja, der Unternehmerlohn gehört in die Rentabilitätsvorschau, bei Einzelunternehmen aber unter den Strich. Du ziehst ihn vom Gewinn ab, weil er steuerlich keine Betriebsausgabe ist. Bei einer GmbH ist das Gehalt der Geschäftsführung dagegen Personalaufwand.

Muss ich eine Rentabilitätsvorschau für den Gründungszuschuss einreichen?

Die Bundesagentur für Arbeit nennt die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau als eine der Unterlagen, die die fachkundige Stelle für ihre Stellungnahme prüft. Die Stellungnahme brauchst du für den Antrag, über den Zuschuss entscheidet die Agentur im Einzelfall.

Was mache ich, wenn das erste Jahr einen Verlust zeigt?

Ein Verlust im ersten Jahr ist bei vielen Gründungen normal. Wichtig ist, dass du ihn finanzieren kannst, etwa mit Ersparnissen oder einem Kredit, und dass die Folgejahre nachvollziehbar in den Gewinn drehen.

Woher bekomme ich realistische Umsatzzahlen?

Realistische Umsatzzahlen leitest du aus Preis, Kapazität und erwarteter Nachfrage her, nicht aus einem Wunschbetrag. Hilfreich sind Vergleichswerte aus deiner bisherigen Tätigkeit, Gespräche mit möglichen Kunden, Absichtserklärungen und Auskünfte von Kammern oder Verbänden.

Deine Ansprechpartner
Maximilian Ossot
Maximilian OssotMitgründer, Vertrieb und Unternehmens­entwicklung
Louis Jackel
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