Crowdfunding für Gründer: Formen, Regeln und Steuern
Mit Crowdfunding sammelst du Geld bei vielen Menschen statt bei einer Bank. Das kann Startkapital, Markttest und Werbung zugleich sein, kostet aber mehr Arbeit, als viele denken. Hier erfährst du, welche Formen es gibt, welche Regeln für Schwarmfinanzierung gelten, wie das Finanzamt Prämien und Spenden behandelt und wie du eine Kampagne realistisch planst.
Das Wichtigste in Kürze
- 5 Mio. €
- Grenze je Projektträger in zwölf Monaten nach EU-Schwarmfinanzierungsverordnung
- 6 Mio. €
- Grenze für Vermögensanlagen nach § 2a Vermögensanlagengesetz in zwölf Monaten
- 4 Tage
- Bedenkzeit für nicht kundige Anleger beim Crowdinvesting
- 19 %
- Umsatzsteuer auf Prämien und Produkte, außer bei Kleinunternehmern
- Vier Formen: Spenden, Prämien (reward), Kredite (lending) und Beteiligung (equity oder Nachrangdarlehen).
- Aufsicht: Für Crowdlending und Crowdinvesting gelten Anlegerschutzregeln, Spenden und Prämien sind keine Geldanlage.
- Steuern: Geld für Prämien ist meist Umsatz und Betriebseinnahme, nicht geschenkt.
- Aufwand: Eine Kampagne ist ein Marketingprojekt mit Vorbereitung, Video, Texten und täglicher Betreuung.
- Grundlage: ein Businessplan, in dem die Kampagne mit Kosten und Prämien eingeplant ist.
Firmenkompass: AZAV-zertifizierter Träger · 91,6 % Integrationsquote (Stand 30.05.2026)
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Was ist Crowdfunding?
Crowdfunding ist eine Finanzierung, bei der viele Menschen jeweils kleinere Beträge für ein Projekt oder Unternehmen geben, meist über eine Internetplattform. Der deutsche Fachbegriff ist Schwarmfinanzierung.
Für Gründerinnen und Gründer hat Crowdfunding drei Seiten. Es bringt Geld, ohne dass eine Bank Sicherheiten verlangt. Es testet, ob Menschen dein Produkt wirklich wollen, bevor du produzierst. Und es macht dein Angebot bekannt. Gleichzeitig ist es öffentlich: Läuft eine Kampagne schlecht, sieht das jeder.
Welche Formen von Crowdfunding gibt es?
Es gibt vier Formen von Crowdfunding, nämlich Spenden, Prämien, Kredit und Beteiligung, die sich danach unterscheiden, was Unterstützer für ihr Geld bekommen. Die BaFin unterscheidet sie genauso.
| Form | Was Unterstützer bekommen | Passt für |
|---|---|---|
| Spenden (Crowddonating) | nichts, das Geld ist eine Unterstützung | soziale, kulturelle oder gemeinnützige Projekte |
| Prämien (reward-based) | eine Gegenleistung, oft das Produkt selbst, ein Dankeschön oder eine Nennung | Produkte, Bücher, Spiele, Gastronomie, kreative Projekte |
| Kredit (Crowdlending) | Zinsen und Rückzahlung | bestehende Unternehmen mit planbarem Cashflow |
| Beteiligung (Crowdinvesting) | Gewinnbeteiligung, meist über Nachrangdarlehen, seltener Anteile | wachstumsstarke Start-ups |
Für die meisten Gründungen ist Prämien-Crowdfunding der realistische Weg. Crowdlending setzt meist Geschäftszahlen voraus, Crowdinvesting eine Wachstumsgeschichte, die Anleger überzeugt. Wer echte Investoren sucht, findet mehr dazu in den Ratgebern Business Angel und Venture Capital.
Welche Regeln gelten für Crowdlending und Crowdinvesting?
Für Crowdlending und Crowdinvesting gelten in Deutschland zwei Regelwerke: die EU-Schwarmfinanzierungsverordnung (Verordnung (EU) 2020/1503) und das Vermögensanlagengesetz. Welches greift, hängt von der Plattform ab.
EU-Schwarmfinanzierungsverordnung
Plattformen, die Kredite oder Wertpapiere nach der EU-Verordnung vermitteln, brauchen eine Erlaubnis, in Deutschland von der BaFin. Für dich als Projektträger heißt das:
- Grenze: Die Verordnung gilt für Angebote bis 5 Mio. € je Projektträger, gerechnet über zwölf Monate (Art. 1 Abs. 2 Buchst. c). Darüber gelten die allgemeinen Prospektregeln.
- Nur für Unternehmen: Projektträger, die Verbraucher sind, fallen nicht unter die Verordnung (Art. 1 Abs. 2 Buchst. a).
- Anlagebasisinformationsblatt: Du erstellst für dein Angebot ein Informationsblatt von höchstens sechs DIN-A4-Seiten (Art. 23). Keine Behörde billigt es vorab, die Plattform prüft es auf Vollständigkeit und Klarheit.
- Anlegerschutz: Nicht kundige Anleger müssen vor einer Anlage von mehr als 1.000 € oder 5 % ihres Reinvermögens, je nachdem, was höher ist, eine Risikowarnung bestätigen (Art. 21 Abs. 7). Sie haben eine Bedenkzeit von vier Kalendertagen, in der sie ohne Begründung widerrufen können (Art. 22).
Vermögensanlagengesetz
Daneben gibt es Plattformen, die Vermögensanlagen wie Nachrangdarlehen nach dem Vermögensanlagengesetz vermitteln. § 2a VermAnlG befreit solche Angebote von der Prospektpflicht, wenn der Verkaufspreis aller Anlagen eines Emittenten innerhalb von zwölf Monaten 6 Mio. € nicht übersteigt. Das Vermögensanlagen-Informationsblatt nach § 13 VermAnlG bleibt Pflicht, denn § 2a nimmt es von der Befreiung nicht aus.
Einzelne Anleger dürfen dabei grundsätzlich höchstens 1.000 € je Emittent anlegen. Mehr ist erlaubt, bis 10.000 € bei einem frei verfügbaren Vermögen von mindestens 100.000 € oder bis zum Doppelten des monatlichen Nettoeinkommens, höchstens 25.000 €. Die Plattform muss diese Grenzen prüfen.
Welche Steuern fallen bei Crowdfunding an?
Bei Crowdfunding fallen meist Umsatzsteuer und Einkommensteuer an, denn das Geld ist in der Regel Einnahme deines Unternehmens und kein Geschenk. Wie das Finanzamt es behandelt, hängt von der Form ab.
Umsatzsteuer auf Prämien
Bekommen Unterstützer eine Gegenleistung, etwa das fertige Produkt, liegt ein Leistungsaustausch vor (§ 1 UStG). Ihr Beitrag ist dann Entgelt und unterliegt grundsätzlich der Umsatzsteuer, im Regelfall mit 19 % (§ 12 UStG). Weil das Geld vor der Lieferung kommt, behandelt das Finanzamt es meist wie eine Anzahlung: Die Steuer entsteht schon mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem das Geld eingeht (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UStG). Plane die Umsatzsteuer deshalb in deinen Prämienpreisen ein.
Ob eine reine Nennung als Unterstützer oder ein kleines Dankeschön schon eine Gegenleistung ist, hängt vom Einzelfall ab, kläre das mit deiner Steuerberatung. Als Kleinunternehmer stellst du keine Umsatzsteuer in Rechnung, solange dein Umsatz im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet (§ 19 UStG). Eine erfolgreiche Kampagne kann diese Grenze schnell sprengen. Mehr dazu in den Ratgebern Kleinunternehmerregelung und Umsatzsteuer für Gründer.
Einkommen- und Gewerbesteuer
Bei einem Unternehmen sind Crowdfunding-Einnahmen Betriebseinnahmen. Kosten für Prämien, Versand, Plattformgebühren und Werbung sind Betriebsausgaben. Kommt das Geld kurz vor Jahresende, kann ein hoher Gewinn auf dem Papier entstehen, obwohl die Produktion noch bezahlt werden muss. Sprich die zeitliche Zuordnung mit deiner Steuerberatung ab.
Spenden ohne Gegenleistung
Echte Spenden ohne Gegenleistung sind kein umsatzsteuerpflichtiges Entgelt. Bei größeren Beträgen von Privatpersonen kann Schenkungsteuer ein Thema sein. Der Freibetrag für Personen ohne Verwandtschaft (Steuerklasse III) liegt bei 20.000 € (§ 16 Abs. 1 Nr. 7 ErbStG). Fließt Spendengeld in ein gewerbliches Unternehmen, ist die Abgrenzung schwierig, kläre sie vorab mit der Steuerberatung.
Wie viel Aufwand macht eine Crowdfunding-Kampagne?
Eine Crowdfunding-Kampagne macht viel Aufwand, denn sie ist vor allem ein Marketingprojekt. Die Plattform bringt dir nur selten von selbst Unterstützer, die meisten kommen über dein eigenes Netzwerk und deine Werbung.
- Vorbereiten. Ziel, Finanzierungsbetrag, Prämien und Zeitplan festlegen. Kosten für Prämien, Versand, Steuern und Gebühren durchrechnen.
- Community aufbauen. Schon Wochen vor dem Start Interessenten sammeln, etwa über Newsletter, soziale Medien und persönliche Kontakte.
- Inhalte erstellen. Video, Projekttext, Bilder und Prämienbeschreibungen klar und ehrlich formulieren.
- Kampagne betreuen. Während der Laufzeit täglich Fragen beantworten, Neuigkeiten posten und Presse ansprechen.
- Liefern. Nach dem Ende produzieren, versenden und Unterstützer auf dem Laufenden halten. Verspätungen offen kommunizieren.
Rechne für eine gute Kampagne mit mehreren Wochen Vorbereitung und intensiver Arbeit während der Laufzeit. Wie du Zielgruppe, Botschaft und Kanäle planst, erarbeitest du im Marketing-Coaching oder im Rahmen des AVGS Gründercoachings in Modul 6 Marketing und Kundengewinnung.
Passt Crowdfunding zu deiner Gründung?
Crowdfunding passt zu deiner Gründung, wenn du ein greifbares Produkt oder Projekt hast, das Menschen emotional anspricht, und wenn du bereit bist, viel Zeit in Kommunikation zu stecken. Für eine Beratung, eine Agentur oder ein lokales Dienstleistungsgeschäft ist es meist kein guter Weg.
- Gut geeignet: physische Produkte, Bücher, Spiele, Lebensmittel, ein Café oder Laden mit treuer Nachbarschaft, kreative und soziale Projekte.
- Weniger geeignet: Dienstleistungen ohne greifbares Ergebnis, Geschäftsmodelle mit hohem Kapitalbedarf ohne Markenbekanntheit.
- Als Ergänzung: Crowdfunding kann Eigenkapital ersetzen oder ergänzen und so ein Bankgespräch erleichtern, etwa für einen KfW-Gründerkredit.
Welche Finanzierungsbausteine es insgesamt gibt, zeigt der Ratgeber Finanzierung der Gründung. Zum Zusammenspiel mit Förderkrediten und Banken kommst du in Modul 4 Finanzierung.
Wie hilft dir das AVGS Gründercoaching?
Im AVGS Gründercoaching planst du die Kampagne als Teil deines Businessplans, mit realistischen Zahlen und einem Marketingplan. In Modul 6 geht es um Zielgruppe, Botschaft und Kanäle, in Modul 4 um die Frage, wie Crowdfunding mit Eigenkapital, Krediten und Förderung zusammenpasst.
Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest, kannst du das AVGS Gründercoaching über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein nutzen. Mit Arbeitslosengeld kommt außerdem der Gründungszuschuss infrage, mit Grundsicherung (früher Bürgergeld) das Einstiegsgeld. Über alle drei entscheiden Agentur für Arbeit oder Jobcenter im Einzelfall. Kläre vor dem Start der Kampagne mit Agentur für Arbeit oder Jobcenter, wie Einnahmen aus Crowdfunding bei Leistungsbezug angerechnet werden.
Du willst wissen, ob Crowdfunding zu deiner Idee passt? Lass uns im kostenlosen Erstgespräch darüber sprechen. Diese Seite ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.
Quellen
- BaFin: Crowdfunding – Informationen für Verbraucherinnen und Verbraucher
- BaFin: Betrieb einer Schwarmfinanzierungsplattform
- Verordnung (EU) 2020/1503 über Europäische Schwarmfinanzierungsdienstleister (EUR-Lex)
- § 2a VermAnlG – Befreiungen für Schwarmfinanzierungen
- § 1 UStG – Steuerbare Umsätze
- § 12 UStG – Steuersätze
- § 13 UStG – Entstehung der Steuer (Anzahlungen)
- § 19 UStG – Besteuerung der Kleinunternehmer
- § 16 ErbStG – Freibeträge
- Existenzgründungsportal des Bundes: Crowdfinanzierung
Kurz beantwortet
Muss ich auf Crowdfunding-Gelder Steuern zahlen?
In vielen Fällen ja. Bekommen Unterstützer eine Prämie oder ein Produkt, ist das Geld in der Regel Entgelt für eine Leistung und damit umsatzsteuerpflichtig, außer du nutzt die Kleinunternehmerregelung. Als Betriebseinnahme fließt es außerdem in deinen Gewinn ein.
Was ist der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting?
Beim Crowdfunding im engeren Sinn bekommen Unterstützer eine Prämie oder gar nichts zurück. Beim Crowdinvesting legen sie Geld an und erwarten Zinsen oder eine Gewinnbeteiligung, deshalb gelten hier die Regeln des Anlegerschutzes.
Wie viel Geld darf ich per Crowdinvesting einsammeln?
Über eine Plattform nach der EU-Schwarmfinanzierungsverordnung sind bis 5 Millionen Euro innerhalb von zwölf Monaten möglich. Für Vermögensanlagen nach § 2a Vermögensanlagengesetz liegt die Grenze bei 6 Millionen Euro innerhalb von zwölf Monaten.
Prüft die BaFin mein Crowdfunding-Projekt?
Nein, die BaFin prüft weder Projekte noch Projektträger auf den Plattformen. Sie beaufsichtigt bestimmte Plattformen, nicht deine Kampagne. Das Anlagebasisinformationsblatt für Crowdinvesting wird von keiner Behörde vorab gebilligt.
Was passiert, wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wird?
Das hängt vom Modell der Plattform ab. Bei vielen Kampagnen nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip bekommen Unterstützer ihr Geld zurück, wenn das Ziel verfehlt wird. Lies die Bedingungen der Plattform vor dem Start genau.
Brauche ich für Crowdfunding ein Gewerbe?
Wenn du mit der Kampagne ein Produkt verkaufst oder ein Unternehmen aufbaust, in der Regel ja. Melde das Gewerbe vor dem Start der Kampagne an und gib die erwarteten Einnahmen bei der steuerlichen Erfassung an.
Ist Crowdfunding mit dem Gründungszuschuss vereinbar?
Crowdfunding schließt den Gründungszuschuss nicht grundsätzlich aus. Über den Zuschuss entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall, die Kampagne sollte zu deinem Businessplan passen und dort auftauchen.


Lass uns über dein Vorhaben sprechen.
Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, ob ein AVGS für dich infrage kommt, welche Module zu deiner Idee passen und was du für das Gespräch bei Agentur oder Jobcenter brauchst. 20 Minuten, ehrlich und ohne Verpflichtung.

