Management-Buy-out: Wenn Beschäftigte ihren Betrieb übernehmen
Beim Management-Buy-out kaufen Führungskräfte oder Beschäftigte den Betrieb, in dem sie arbeiten. Sie kennen Kunden, Team und Zahlen, haben aber oft wenig Eigenkapital und stehen beim Verhandeln zwischen zwei Rollen. Hier erfährst du, wie ein MBO abläuft, wie du ihn mit Eigenkapital, Verkäuferdarlehen, KfW-Krediten und Bürgschaftsbank finanzierst und welche Konflikte du früh klären solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- 500.000 €
- Höchstbetrag je Antragsteller im KfW-Programm 077
- 35 %
- der förderfähigen Kosten deckt der Kredit 077 höchstens
- 200.000 €
- Höchstbetrag ERP-Gründerkredit StartGeld (067)
- 80 %
- des Kredits verbürgt eine Bürgschaftsbank höchstens
- Was: Führungskräfte oder Beschäftigte kaufen den Betrieb, in dem sie arbeiten, oft zu mehreren.
- Stärke: Du kennst Kunden, Team und Abläufe. Bank und Kunden sehen Kontinuität.
- Schwäche: wenig Eigenkapital, Rollenkonflikt beim Verhandeln, neue Rolle gegenüber Kollegen.
- Finanzierung: Eigenkapital, Verkäuferdarlehen, StartGeld (067), ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077), Bürgschaftsbank.
- Kein Gründungszuschuss beim direkten Wechsel aus der Anstellung, KfW-Kredite sind aber möglich.
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Was ist ein Management-Buy-out?
Ein Management-Buy-out (MBO) ist der Kauf eines Unternehmens durch das eigene Management oder eigene Beschäftigte. Das Existenzgründungsportal des Bundes nennt den MBO als eine der Varianten, ein Unternehmen zu übertragen, neben Familie, Verkauf an Externe und Management-Buy-in.
Typisch ist ein MBO, wenn in der Familie des Inhabers niemand übernehmen will. Laut KfW sagen 47 % der Mittelständler mit Stilllegungsplänen, dass es in ihrer Familie kein Interesse an der Fortführung gibt. Dann liegt der Gedanke nahe, den Betrieb an die Menschen zu geben, die ihn ohnehin schon tragen: die Werkstattleiterin, den Vertriebsleiter, das eingespielte Team.
Ein MBO kann eine einzelne Person sein, häufig kaufen aber mehrere Beschäftigte gemeinsam. Kommt ein Externer dazu, spricht man von einer Mischform aus MBO und Management-Buy-in. Die anderen Wege beschreibt der Ratgeber Nachfolgeformen.
Welche Vorteile hat ein MBO?
Der größte Vorteil eines MBO ist die Kontinuität: Kunden, Lieferanten und Team kennen die neuen Inhaber bereits. Der Betrieb verliert weniger Wissen, und die Übergabe verläuft meist ruhiger als bei einem Fremden.
- Insiderwissen: Du weißt, welche Kunden treu sind, welche Maschine bald ausfällt und wo die Zahlen schöner aussehen als der Alltag.
- Vertrauen: Das Team muss sich nicht an einen Unbekannten gewöhnen. Schlüsselkräfte bleiben eher.
- Bankgespräch: Du kannst Fachkompetenz und Branchenerfahrung im Betrieb selbst belegen.
- Verkäufer: Viele Inhaber wollen ihr Lebenswerk lieber in vertraute Hände geben und kommen beim Preis oder bei der Zahlungsweise entgegen.
Wo liegen die Konflikte bei einem MBO?
Der Kernkonflikt beim MBO ist die Doppelrolle: Du bist Angestellter des Inhabers und gleichzeitig sein Verhandlungspartner beim Kaufpreis. Das macht harte Verhandlungen unangenehm und Fehler teuer.
- Loyalität und Interesse: Als Käufer willst du einen niedrigen Preis, als Angestellter willst du das Verhältnis zum Chef nicht beschädigen. Hol dir eine neutrale Begleitung für die Verhandlung.
- Informationen: Du kennst Interna, der Inhaber kennt seine Preisvorstellung. Beide Seiten sollten offenlegen, was für die Bewertung wichtig ist.
- Vom Kollegen zum Chef: Wer gestern noch mit am Pausentisch saß, muss morgen Entscheidungen durchsetzen. Plane die neue Führungsrolle bewusst.
- Mehrere Käufer: Wer entscheidet was, wer hat wie viel eingezahlt, was passiert, wenn jemand aussteigt? Das gehört in einen Gesellschaftervertrag, den eine Anwältin oder ein Anwalt gestaltet.
- Altinhaber: Er bleibt oft für eine Übergangszeit. Laut Existenzgründungsportal sollte er akzeptieren, dass Nachfolger Dinge anders machen, und bei Streit hilft ein Moderator, den beide akzeptieren.
Wie finanzierst du ein MBO?
Ein MBO finanzierst du meist aus einem Mix: eigenes Geld, ein Verkäuferdarlehen, Förderkredite der KfW, ein Bankkredit und eine Bürgschaft. Weil Beschäftigte selten viel Eigenkapital haben, ist der Beitrag des Verkäufers oft entscheidend.
| Baustein | Was du wissen musst |
|---|---|
| Eigenkapital | Ersparnisse, eventuell Geld aus der Familie. Zeigt der Bank, dass du selbst ins Risiko gehst. |
| Verkäuferdarlehen, Raten | Der Inhaber stundet einen Teil des Kaufpreises. Laut Existenzgründungsportal schont das die Liquidität, der Verkäufer braucht aber Sicherheiten. |
| StartGeld (067) | bis 200.000 €, auch für den Kauf eines Unternehmens oder von Anteilen, 80 % Haftungsfreistellung für die Bank |
| Gründung und Nachfolge (077) | bis 500.000 € je Antragsteller, höchstens 35 % der förderfähigen Kosten, 100 % Garantie einer Bürgschaftsbank, Laufzeit bis 15 Jahre mit bis zu fünf tilgungsfreien Jahren oder bis zehn Jahre mit bis zu zwei tilgungsfreien Jahren |
| Bürgschaftsbank | bürgt für bis zu 80 % eines Bankkredits, Prüfung bei Nachfolgen meist in drei bis fünf Wochen |
Das StartGeld fördert laut KfW auch, wenn du dich als Geschäftsführerin oder Geschäftsführer an einem Unternehmen beteiligst oder einen Unternehmensanteil kaufst. Wie es aussieht, wenn mehrere Beschäftigte gemeinsam kaufen, klärst du mit deiner Hausbank anhand der Programmseite der KfW. Beim Programm 077 verlangt die KfW, dass du Teil der Geschäftsführung bist oder wirst. Alle KfW-Kredite beantragst du über deine Bank, bevor du den Kaufvertrag unterschreibst.
Welche Bausteine zu deinem Fall passen, rechnen wir im Übernahme-Businessplan mit dir durch, inklusive Finanzierungskonzept für Bank und KfW. Mehr zu den Programmen in den Ratgebern KfW-Gründerkredit, Bürgschaftsbank und Nachfolge finanzieren.
Wie läuft ein MBO ab?
Ein MBO läuft in sechs Schritten ab, von der ersten Idee bis zur Übergabe. Rechne mit mehreren Monaten, bei Gesprächen mit Bank, KfW und Bürgschaftsbank auch mit mehr.
- Interesse klären. Sprich mit dem Inhaber, sobald du ernsthaft interessiert bist. Kläre, ob er grundsätzlich an dich verkaufen will und in welchem Zeitrahmen.
- Käuferteam bilden. Wer kauft mit, wer übernimmt welche Rolle, wer bringt wie viel Geld ein?
- Prüfen und bewerten. Auch als Insider brauchst du Jahresabschlüsse, Verträge und Risiken schwarz auf weiß. Eine Due Diligence schützt vor blinden Flecken.
- Businessplan und Finanzierung. Du planst die Zukunft unter deiner Führung und stellst die Finanzierung zusammen. Die Bank erwartet einen Businessplan für die Übernahme.
- Verhandeln und Vertrag. Kaufpreis, Raten, Mitarbeit des Altinhabers, Asset Deal oder Share Deal. Den Vertrag gestalten Anwalt oder Notar.
- Übergabe. Team, Kunden und Lieferanten informieren. Beim Asset Deal gehen die Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB über, die Beschäftigten müssen vorher in Textform informiert werden.
Asset Deal oder Share Deal beim MBO?
Ob du Wirtschaftsgüter oder Anteile kaufst, hängt vor allem von der Rechtsform des Betriebs ab. Ein Einzelunternehmen lässt sich nur per Asset Deal übertragen, bei einer GmbH ist auch der Kauf der Geschäftsanteile möglich.
Beim Share Deal bleibt die GmbH bestehen, mit allen Verträgen, Beschäftigten und Verbindlichkeiten. Für ein MBO ist das oft praktisch, weil sich für Kunden und Team äußerlich wenig ändert. Dafür kaufst du auch alle Altlasten der Gesellschaft mit. Beim Asset Deal suchst du dir aus, was du übernimmst, musst aber Verträge einzeln übertragen. Die Unterschiede samt Haftung erklärt der Ratgeber Nachfolgeformen. Welche Variante steuerlich günstiger ist, klärt die Steuerberatung.
Gibt es Förderung oder Coaching für ein MBO?
Für ein MBO gibt es vor allem Förderkredite und Bürgschaften, einen Zuschuss zum Lebensunterhalt meist nicht. Der Gründungszuschuss nach § 93 SGB III setzt voraus, dass du mit der Selbstständigkeit eine Arbeitslosigkeit beendest. Wer direkt aus der Anstellung in den Kauf wechselt, erfüllt das nicht.
Anders ist es, wenn dein Arbeitsverhältnis bereits geendet hat und du arbeitslos gemeldet bist, bevor du übernimmst. Dann kommen das AVGS Gründercoaching und bei mindestens 150 Tagen Restanspruch auch der Gründungszuschuss infrage. Im Coaching klären wir in Modul 4 Finanzierung Kaufpreis, Raten und Förderkredite. Über Gutschein und Zuschuss entscheiden Agentur oder Jobcenter im Einzelfall.
Du überlegst, deinen Arbeitgeber zu übernehmen? Lass uns im kostenlosen Erstgespräch darüber sprechen, ob ein MBO für dich realistisch ist. Wir begleiten betriebswirtschaftlich. Rechts- und Steuerberatung ersetzt diese Seite nicht.
Fragen dazu? Dein CoachKlaus RunkelSeniorberater Businessplan und Finanzierung · Unternehmensberater seit über 30 Jahren
Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.
Quellen
- Existenzgründungsportal des Bundes – Varianten der Übertragung (MBO, MBI, Asset und Share Deal)
- Existenzgründungsportal des Bundes – Unternehmensübernahme durch Angestellte: Förderung? (Infopool, Stand 2019)
- Existenzgründungsportal des Bundes – Zahlungsmodalitäten
- Existenzgründungsportal des Bundes – Die Übergabe
- Existenzgründungsportal des Bundes – Sicherheiten, Bürgschaften, Rating
- KfW – ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077), Produktseite
- KfW – ERP-Gründerkredit StartGeld (067), Produktseite
- KfW – Pressemitteilung vom 09.01.2026 zum Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025
- § 613a BGB – Rechte und Pflichten bei Betriebsübergang
- § 93 SGB III – Gründungszuschuss
Kurz beantwortet
Was ist ein Management-Buy-out?
Ein Management-Buy-out ist der Kauf eines Unternehmens durch seine eigenen Führungskräfte oder Beschäftigten. Sie werden von Angestellten zu Inhabern. Häufig kaufen mehrere Personen gemeinsam.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für ein MBO?
Eine feste Quote gibt es nicht, Banken erwarten aber einen spürbaren eigenen Beitrag. Weil Beschäftigten oft Eigenkapital fehlt, ergänzen viele MBOs die Finanzierung mit einem Verkäuferdarlehen. Wie viel nötig ist, hängt vom Kaufpreis und vom Ertrag des Betriebs ab.
Fördert die KfW ein MBO?
Ja, die KfW fördert auch die Übernahme durch Beschäftigte. Infrage kommen das StartGeld (067) bis 200.000 Euro sowie der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) bis 500.000 Euro je Antragsteller. Beim Programm 077 musst du Teil der Geschäftsführung sein oder werden.
Was ist ein Verkäuferdarlehen?
Bei einem Verkäuferdarlehen zahlt der Käufer einen Teil des Kaufpreises nicht sofort, sondern in Raten an den bisherigen Inhaber. Der Verkäufer übernimmt damit einen Teil der Finanzierung. Er wird dafür Zinsen und Sicherheiten verlangen.
Bekomme ich bei einem MBO den Gründungszuschuss?
Meist nicht, weil der Gründungszuschuss nach § 93 SGB III das Ende einer Arbeitslosigkeit voraussetzt. Wer direkt aus seiner Anstellung in den Kauf wechselt, ist nicht arbeitslos. Förderkredite der KfW stehen dir trotzdem offen.
Müssen Kolleginnen und Kollegen dem MBO zustimmen?
Nein, eine Zustimmung der Belegschaft ist nicht nötig. Beim Asset Deal gehen die Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB auf den neuen Inhaber über, die Beschäftigten können innerhalb eines Monats widersprechen. Offene Kommunikation ist trotzdem entscheidend, damit das Team mitzieht.
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