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Die GmbH ist die meistgewählte Unternehmensform in Deutschland — über 1,5 Millionen eingetragene Gesellschaften. Der Grund liegt auf der Hand: Wer ein Unternehmen mit echtem Haftungsrisiko aufbaut, wer Gewinne strukturiert thesaurieren will, wer professionell gegenüber Banken und Geschäftspartnern auftreten möchte — kommt an der GmbH kaum vorbei.
Gleichzeitig schreckt der Prozess viele ab: Notar, Stammkapital von 25.000 €, Handelsregister, Transparenzregister, Finanzamt — was in welcher Reihenfolge? Und lohnt sich die GmbH überhaupt für mein Vorhaben, oder wäre eine UG, ein Einzelunternehmen oder eine Freiberufler-Tätigkeit sinnvoller?
Dieser Leitfaden beantwortet alle Fragen. Er ersetzt nicht die individuelle Rechtsberatung — aber nach dem Lesen weißt du exakt, was auf dich zukommt, was es kostet und ob die GmbH zu dir passt.
1. GmbH auf einen Blick – Alle Fakten kompakt
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | GmbH-Gesetz (GmbHG) — Volltext: gesetze-im-internet.de |
| Mindestkapital | 25.000 € Stammkapital — mind. 12.500 € bei Gründung einzuzahlen (§ 7 Abs. 2 GmbHG) |
| Gesellschafter | Mindestens 1 — maximal unbegrenzt (natürliche und juristische Personen möglich) |
| Haftung | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen — Gesellschafter nicht persönlich haftbar (§ 13 Abs. 2 GmbHG) |
| Pflichtorgane | Geschäftsführer (mind. 1), Gesellschafterversammlung; Aufsichtsrat ab 500 Mitarbeitern |
| Notar | Pflicht — Gesellschaftsvertrag muss notariell beurkundet werden (§ 2 GmbHG) |
| Handelsregister | Pflicht — GmbH entsteht erst mit Eintragung (handelsregister.de) |
| Transparenzregister | Pflicht — wirtschaftlich Berechtigte melden (transparenzregister.de, GwG § 3) |
| Unternehmensregister | Jahresabschlüsse: unternehmensregister.de / bundesanzeiger.de |
| Körperschaftsteuer | 15 % + 5,5 % Solidaritätszuschlag = ca. 15,825 % (§ 1 KStG) |
| Gewerbesteuer | Ca. 14–17 % je nach Gemeinde — kein Freibetrag für GmbHs |
| Effektive Steuerlast | Ca. 29–33 % auf Unternehmensebene |
| Kapitalertragsteuer | 25 % auf Gewinnausschüttungen an Gesellschafter (zzgl. SolZ) |
| Online-Gründung | Seit 1. August 2022 per Videokonferenz möglich (DiRUG) |
| Gründungsdauer | Typisch 3–6 Wochen vom Notartermin bis Handelsregistereintrag |
| Gründungskosten | Ca. 1.500–3.500 € (ohne Stammkapital) |
| Laufende Kosten | Steuerberater, Jahresabschluss, Bundesanzeiger: ca. 3.000–6.000 €/Jahr |
2. Was ist eine GmbH? – Einfach erklärt
Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist eine Kapitalgesellschaft und damit eine eigenständige juristische Person. Sie kann im eigenen Namen klagen und verklagt werden, Verträge abschließen, Eigentum erwerben und Schulden machen — vollkommen unabhängig von ihren Gesellschaftern.
Das Entscheidende: Die GmbH haftet mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Die Gesellschafter persönlich sind geschützt — egal ob das Unternehmen einen Prozess verliert, Schulden nicht bezahlen kann oder insolvent geht. Diese Haftungsbeschränkung ist der zentrale Grund, warum die GmbH in Deutschland so populär ist.
Ausnahme: Der Geschäftsführer haftet persönlich bei Pflichtverletzungen nach § 43 GmbHG — bei Insolvenzverschleppung (§ 15a InsO), Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen (§ 266a StGB) oder Steuerhinterziehung. Mehr dazu im Guide GmbH-Geschäftsführer.
💡 Online-Gründung seit 2022 möglich
Seit dem 1. August 2022 kann der Notartermin per Videokonferenz abgehalten werden (DiRUG). Du musst nicht mehr persönlich erscheinen. Die elektronische Urkunde wird digital unterschrieben — bundesweit nutzbar und deutlich flexibler als früher.
3. Für wen ist die GmbH geeignet — und für wen nicht?
Die GmbH ist richtig, wenn…
- du ein erhebliches Haftungsrisiko hast — Gastronomie, Bau, Handel, Dienstleister mit Schadensrisiko
- du regelmäßig über 60.000–80.000 € Jahresgewinn erzielst und Gewinne thesaurieren willst
- du B2B-Kunden hast, die eine GmbH als Vertragspartner erwarten
- du Fremdkapital oder Bankkredit aufnehmen willst — Banken vergeben an GmbHs leichter Kredit
- Investoren einsteigen sollen — GmbH-Anteile sind einfach übertragbar
- du eine Holding-Struktur planst: Dividenden aus der Tochter-GmbH fließen zu 95 % steuerfrei in die Holding (§ 8b KStG)
- das Unternehmen später verkauft oder übertragen werden soll
Die GmbH ist nicht sinnvoll, wenn…
- du kein Startkapital von 25.000 € hast — starte lieber mit der UG ab 1 €
- du Freiberufler mit niedrigem Haftungsrisiko bist — Einzelunternehmen reicht oft
- dein Gewinn dauerhaft unter 60.000 € liegt — steuerlich meist nachteilig gegenüber Einzelunternehmen
- der Verwaltungsaufwand (Jahresabschluss, Steuerberater) dein Budget übersteigt
- du das Geschäftsmodell noch testest — lieber erst als Einzelunternehmen starten
4. Vorteile & Nachteile der GmbH – Ehrlich bewertet
| ✓ Vorteile | ✗ Nachteile |
|---|---|
| Haftungsbeschränkung: Privatvermögen geschützt | 25.000 € Mindestkapital erforderlich |
| Steuerlich günstig ab ca. 80.000 € Gewinn — KSt 15 % statt ESt bis 45 % | Notar Pflicht — Gründungskosten 1.500–3.500 € |
| Professioneller Auftritt bei Banken, Investoren und Kunden | Jahresabschluss + Veröffentlichung Bundesanzeiger Pflicht |
| GF-Gehalt, Sachbezüge, Tantiemen steuerlich flexibel gestaltbar | Gewerbesteuer ohne Freibetrag (Einzelunternehmen hat 24.500 € frei) |
| Investoren können sauber als Gesellschafter einsteigen | Doppelbesteuerung: KSt + KapESt 25 % auf Ausschüttung |
| Holding-Modell: 95 % steuerfreie Dividende an Muttergesellschaft | Buchführungspflicht — Steuerberater fast unverzichtbar |
| Unternehmen überlebt auch ohne Gründer — voll übertragbar | GF haftet persönlich bei Pflichtverletzungen (§ 43 GmbHG) |
| Online-Gründung seit 2022 per Video möglich | Transparenzregister, Registerkosten, laufende Pflichten |
5. GmbH oder nicht? — 3 Entscheidungsfragen
Frage 1: Hast du 25.000 € verfügbar? — Nein: Starte mit der UG (haftungsbeschränkt). Schon ab 1 € möglich, später zur GmbH aufstocken. Ja: Direkt zur GmbH wenn das Geschäftsmodell steht.
Frage 2: Liegt dein Gewinn dauerhaft über 60.000 €? — Darunter: Steuerlich oft schlechter als Einzelunternehmen oder Freiberufler. Darüber: GmbH wird attraktiver — besonders wenn du Gewinne einbehältst statt ausschüttest.
Frage 3: Hast du ein erhebliches Haftungsrisiko? — Wenn Fehler dein Privatvermögen gefährden könnten, ist die GmbH unverzichtbar. Risikoarme Freelancer kommen oft ohne GmbH aus.
6. GmbH gründen – Die 8 Schritte im Detail
Schritt 1: Firmennamen & Unternehmensgegenstand festlegen
Der Firmenname muss unterscheidungskräftig und darf nicht irreführend sein (§ 4 GmbHG). Er muss ‚GmbH‘ oder ‚Gesellschaft mit beschränkter Haftung‘ enthalten. Vor dem Notartermin lohnt sich eine Prüfung ob der Name bereits vergeben ist — über das Handelsregister oder bei der IHK. Die IHK Frankfurt prüft Firmennamen kostenlos vorab.
Der Unternehmensgegenstand sollte präzise aber nicht zu eng formuliert sein. ‚Entwicklung und Vertrieb von Softwarelösungen‘ ist besser als ‚Handel mit allem Erlaubten‘ — Banken und Investoren sehen letzteres kritisch.
Schritt 2: Gesellschaftsvertrag / Satzung erstellen
Der Gesellschaftsvertrag ist das rechtliche Fundament. Pflichtbestandteile nach § 3 GmbHG:
- Firma und Sitz der Gesellschaft
- Unternehmensgegenstand
- Höhe des Stammkapitals
- Zahl und Nennbeträge der Geschäftsanteile jedes Gesellschafters
Musterprotokoll oder individueller Vertrag? Das gesetzliche Musterprotokoll (Anlage zu § 2 Abs. 1a GmbHG) gilt für max. 3 Gesellschafter + 1 GF und spart Notarkosten. Für Investorenbeteiligungen, Vesting, Nachfolgeregelungen oder besondere Stimmrechte immer einen individuellen Vertrag durch einen Anwalt aufsetzen — Fehler hier kosten später ein Vielfaches.
Schritt 3: Notar — Beurkundung des Gesellschaftsvertrags
Alle Gesellschafter müssen beim Notartermin anwesend sein oder einen Bevollmächtigten schicken. Einen Notar in deiner Nähe findest du über die Notar-Suche der Bundesnotarkammer. Seit dem 1. August 2022 ist auch ein Online-Notartermin per Video möglich.
Ab der Beurkundung gilt die Gesellschaft als ‚GmbH in Gründung‘ (GmbH i.G.). In dieser Phase bis zur Handelsregistereintragung haften Gründer persönlich für Verbindlichkeiten der Gesellschaft (Vorbelastungshaftung). Keine großen Verbindlichkeiten in dieser Phase eingehen!
Schritt 4: Geschäftskonto eröffnen & Stammkapital einzahlen
Nach dem Notartermin wird ein Geschäftskonto auf die ‚GmbH i.G.‘ eröffnet. Dort zahlen die Gesellschafter ihre Einlagen ein. Mindestens 12.500 € müssen vor der Handelsregistereintragung tatsächlich eingezahlt sein (§ 7 Abs. 2 GmbHG) — die Bank stellt eine Einzahlungsbestätigung aus. Als Sacheinlage können auch Fahrzeuge, Maschinen oder Patente eingebracht werden — dann ist ein Sachgründungsbericht beim Notar Pflicht.
Schritt 5: Handelsregistereintragung
Der Notar meldet die GmbH beim zuständigen Amtsgericht (Registergericht) an. Die Eintragung ist über das Handelsregister oder das Unternehmensregister für jeden öffentlich einsehbar. Erst mit dieser Eintragung entsteht die GmbH als juristische Person — vorher haftest du persönlich. Dauer: 3–6 Wochen je nach Auslastung des Amtsgerichts.
Schritt 6: Transparenzregister — Pflicht seit GwG
Seit dem Geldwäschegesetz (GwG) müssen alle GmbHs ihre wirtschaftlich Berechtigten im Transparenzregister eintragen — also alle Personen die direkt oder indirekt mehr als 25 % der Anteile halten (§ 3 GwG). Die Eintragung erfolgt auf transparenzregister.de. Jahresgebühr für Kleinstunternehmen: 4,80 €. Verstöße: Bußgelder bis 1 Mio. €.
Mitteilungsfiktion: Wenn alle wirtschaftlich Berechtigten bereits im Handelsregister erkennbar sind, gilt die automatische Mitteilung — kein separater Eintrag nötig. Bei Holdingstrukturen oder verschachtelten Beteiligungen immer aktiv prüfen.
Schritt 7: Steuerliche Erfassung beim Finanzamt
Nach der Handelsregistereintragung sendet das Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung — dieser muss innerhalb eines Monats zurückgeschickt werden (§ 138 AO). Ausfüllen kannst du ihn auch digital über ELSTER. Dein zuständiges Finanzamt findest du über die Finanzamt-Suche des BZSt.
Die GmbH erhält dann ihre Körperschaftsteuer-Steuernummer, Umsatzsteuernummer und auf Antrag die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) für EU-grenzüberschreitende Leistungen.
Mehr zur steuerlichen Erfassung: Steuerliche Erfassung ELSTER.
Schritt 8: Gewerbeanmeldung
Jede GmbH ist kraft Rechtsform gewerblich — Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt ist daher immer Pflicht, unabhängig vom Tätigkeitsfeld. Kosten: 20–50 €. Mehr zur Gewerbeanmeldung: Gewerbeanmeldung. Das Gewerbeamt informiert automatisch das Finanzamt — dieses meldet dann für die Gewerbesteuer an.
7. Was kostet eine GmbH-Gründung wirklich?
Viele unterschätzen die Gesamtkosten, weil sie nur die Notargebühren sehen. Realistisch kalkuliert:
| Kostenposition | Musterprotokoll | Individueller Vertrag |
|---|---|---|
| Notarkosten (Beurkundung) | 105–200 € | 600–1.800 € |
| Handelsregistereintragung | 150 € | 150–300 € |
| Beglaubigte Abschriften + Vollmachten | 50–100 € | 100–200 € |
| Gesellschaftsvertrag (Anwalt) | — (Muster) | 500–1.500 € |
| Transparenzregister (jährl.) | 4,80 € | 4,80 € |
| Gewerbeanmeldung | 20–50 € | 20–50 € |
| Steuerberater Erstkonsultation | 300–800 € | 500–1.500 € |
| Gesamt (ohne Stammkapital) | ca. 600–1.300 € | ca. 1.500–3.500 € |
| PLUS Stammkapital (bei Gründung mind.) | 12.500 € | 12.500 € |
Laufende Kosten nach der Gründung
Das unterschätzen noch mehr Gründer: Die laufenden Pflichten einer GmbH verursachen deutlich höhere Kosten als beim Einzelunternehmen:
| Laufende Kostenposition | Jährlich ca. |
|---|---|
| Steuerberater: laufende Buchführung (monatlich) | 1.200–4.800 € |
| Steuerberater: Jahresabschluss GmbH (Bilanz + GuV) | 1.500–4.000 € |
| Körperschaftsteuererklärung + Gewerbesteuererklärung | 500–1.500 € |
| Jahresabschluss im Bundesanzeiger veröffentlichen | 50–500 € (je nach Größe) |
| IHK-Mitgliedsbeitrag | 100–500 € je nach Umsatz |
| Transparenzregister Jahresgebühr | 4,80 € |
| Buchführungssoftware | 200–600 € |
| Gesamt laufend (Minimum) | ca. 3.500–6.000 €/Jahr |
⚠️ Steuerberater ist für GmbHs faktisch Pflicht
Doppelte Buchführung, Jahresabschluss, Bundesanzeiger-Veröffentlichung, Körperschaftsteuererklärung — das ist für Nicht-Buchhalter kaum selbst zu bewältigen. Plane mindestens 3.500–5.000 € jährlich für steuerliche Begleitung ein. Das lässt sich durch sorgfältige Auswahl aber stark optimieren.
8. Steuern der GmbH – Vollständig erklärt
Körperschaftsteuer (KSt)
Die GmbH zahlt auf ihren Gewinn 15 % Körperschaftsteuer (§ 1 KStG) + 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf — effektiv 15,825 %. Basis: zu versteuerndes Einkommen nach Abzug aller Betriebsausgaben inklusive Geschäftsführergehalt. Mehr: KStG auf gesetze-im-internet.de.
Gewerbesteuer (GewSt)
Jede GmbH ist gewerbesteuerpflichtig — ohne Ausnahme und ohne den Freibetrag von 24.500 € der Einzelunternehmern zusteht. Der Gewerbesteuermessbetrag beträgt 3,5 % des Gewerbeertrags × Hebesatz der Gemeinde. Frankfurt: 460 % Hebesatz → 16,1 % Gewerbesteuer. München: 490 % → 17,15 %. Zusammen mit KSt ergibt das ca. 29–33 % Gesamtsteuerlast auf Unternehmensebene.
Kapitalertragsteuer bei Gewinnausschüttung
Werden Gewinne an die Gesellschafter ausgeschüttet, fällt zusätzlich 25 % Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer) + SolZ an. Das ist die sog. Doppelbesteuerung: erst ~30 % auf GmbH-Ebene, dann 25 % auf die Ausschüttung. Wer Gewinne einbehält und reinvestiert, vermeidet die zweite Steuerebene. Über eine Holding-Struktur können Dividenden sogar zu 95 % steuerfrei weitergegeben werden (§ 8b KStG).
9. Steuervergleich: GmbH vs. Einzelunternehmen
| Jahresgewinn | Einzelunternehmen (ESt) | GmbH (KSt + GewSt) |
|---|---|---|
| 40.000 € | ~8.000 € (20 %) | ~12.000 € (30 %) — Nachteil GmbH |
| 60.000 € | ~18.000 € (30 %) | ~18.000 € (30 %) — Etwa gleich |
| 100.000 € | ~38.000 € (38 %) | ~30.000 € (30 %) — Vorteil GmbH |
| 200.000 € | ~87.000 € (43,5 %) | ~60.000 € (30 %) — Starker Vorteil |
Fazit: Ab ca. 60.000–80.000 € Jahresgewinn lohnt die GmbH steuerlich — besonders wenn Gewinne thesauriert werden. Mehr: GmbH vs. Einzelunternehmen Steuervergleich.
10. Die 7 häufigsten Fehler bei der GmbH-Gründung
Fehler 1: Stammkapital wird nach Gründung entnommen
Das Stammkapital ist Gesellschaftsvermögen — kein Privatkonto. Es darf nur als Gehalt, Darlehen oder Gewinnausschüttung entnommen werden. Wer das Stammkapital direkt nach Gründung für private Ausgaben nutzt, begeht eine Untreue (§ 266 StGB) und gefährdet die Haftungsbeschränkung.
Fehler 2: In der GmbH i.G.-Phase Verbindlichkeiten eingehen
Zwischen Notartermin und Handelsregistereintragung (typisch 3–6 Wochen) haftest du persönlich für alle Verbindlichkeiten. Wer in dieser Phase Mietverträge unterzeichnet, Waren bestellt oder Mitarbeiter einstellt, trägt das volle persönliche Risiko. Vor Eintragung: GmbH möglichst inaktiv halten.
Fehler 3: Musterprotokoll für komplexe Strukturen nutzen
Das Musterprotokoll ist nur für einfachste Gründungen (1–3 Gesellschafter, 1 GF, keine Sonderregelungen). Sobald Investoren einsteigen, Vesting-Klauseln nötig sind oder mehrere GF bestellt werden — immer individuellen Gesellschaftsvertrag durch einen Anwalt.
Fehler 4: Transparenzregister vergessen
Seit dem Geldwäschegesetz ist die Meldung beim Transparenzregister Pflicht. Verstöße werden mit Bußgeldern bis zu 1 Mio. € geahndet. Direkt nach Handelsregistereintragung prüfen ob die Mitteilungsfiktion greift oder ein aktiver Eintrag nötig ist.
Fehler 5: Buchhaltung zu spät starten
Belege stapeln sich, Voranmeldungen werden vergessen, das Finanzamt schätzt — und schätzt meist zu hoch. Buchhaltung von Tag 1 einrichten, alle Belege digital erfassen und monatlich mit dem Steuerberater abgleichen.
Fehler 6: Geschäftskonto und Privatkonto vermischen
Für eine GmbH ist ein separates Geschäftskonto zwingend. Zahlungen über das Privatkonto sind buchhalterisch problematisch und können im Extremfall zur Durchgriffshaftung führen (Vermögensvermischung).
Fehler 7: Insolvenzverschleppung
Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung muss der GF innerhalb von 3 Wochen Insolvenzantrag stellen (§ 15a InsO — Volltext). Wer das verzögert, haftet persönlich für alle danach entstandenen Verbindlichkeiten und macht sich strafbar. Bei ersten Liquiditätsproblemen sofort rechtliche Beratung suchen.
11. GmbH im Vergleich mit Alternativen
Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung muss der GF innerhalb von 3 Wochen Insolvenzantrag stellen (§ 15a InsO — Volltext). Wer das verzögert, haftet persönlich für alle danach entstandenen Verbindlichkeiten und macht sich strafbar. Bei ersten Liquiditätsproblemen sofort rechtliche Beratung suchen.
12. Praxisbeispiele – Wann lohnt sich die GmbH?
Beispiel 1: Designagentur mit 2 Gründern — Frankfurt
Annika und Ben gründen eine Designagentur. Erster Jahresumsatz: 180.000 €, Gewinn: 90.000 €. Sie wollen Gewinne einbehalten und in Mitarbeiter investieren. Analyse: Als GbR würden beide persönlich haften und ca. 34 % ESt zahlen. Als GmbH: 30 % Steuerlast, voller Haftungsschutz, klare Trennung. Empfehlung: GmbH direkt — Kapital vorhanden, B2B-Kunden erwarten professionelle Struktur.
Beispiel 2: Solopreneur Markus — IT-Freelancer
Markus macht 80.000 € Gewinn als Softwareentwickler. Kein Personal, kaum Haftungsrisiko. Analyse: Als Freiberufler zahlt er ~30.000 € ESt. Als GmbH: ~24.000 € KSt/GewSt, dazu 3.500 €/Jahr Steuerberater. Vorteil GmbH: ~2.500 € Ersparnis jährlich — aber hoher Verwaltungsaufwand. Empfehlung: Nur GmbH wenn Thesaurierung sinnvoll; sonst Freiberufler-Status prüfen.
Beispiel 3: Handwerksbetrieb — Elektroinstallationen
Fabian gründet einen Elektrobetrieb. Kunden, Materialkosten, Mitarbeiter, Fahrzeuge. Erstes Jahr Umsatz 300.000 €, Gewinn 60.000 €. Analyse: Als Einzelunternehmen haftet er mit Haus und Ersparnissen — bei einem Arbeitsunfall oder Brandschaden existenzbedrohend. Empfehlung: GmbH von Tag 1 — Haftungsschutz schlägt hier jeden steuerlichen Optimierungsgedanken.
13. Fazit – Klare Empfehlung
Die GmbH ist die richtige Wahl wenn du erhebliches Haftungsrisiko hast, dauerhaft über 60.000 € Gewinn machst und Gewinne im Unternehmen halten willst. Deutschlands meistgenutzte Unternehmensform aus gutem Grund: Haftungsschutz, steuerliche Effizienz ab mittlerem Gewinn und Investorenfähigkeit rechtfertigen den Mehraufwand.
Wer kein Kapital hat: Starte mit der UG (haftungsbeschränkt) ab 1 € und stocke auf sobald das Business läuft — mehr dazu: UG zu GmbH aufstocken.
Wer alleine und risikoarm arbeitet: Freiberufler oder Einzelunternehmen sind oft einfacher und günstiger — zumindest in der Anfangsphase.
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14. Häufig gestellte Fragen
Kann ich eine GmbH alleine gründen?
Ja — die Ein-Personen-GmbH ist vollständig zulässig. Du bist gleichzeitig Alleingesellschafter und Geschäftsführer. Alle GmbHG-Vorschriften (Notar, Stammkapital, Buchführungspflicht) gelten auch für die Ein-Personen-GmbH.
Wie lange dauert die GmbH-Gründung?
Vom Notartermin bis zur Handelsregistereintragung typisch 3–6 Wochen. Die Wartezeit liegt hauptsächlich beim Amtsgericht — in manchen Regionen länger. Mit dem Online-Notarverfahren (DiRUG) kann der Notartermin schnell terminiert werden, aber die Behördenbearbeitung bleibt.
Was ist die GmbH i.G. und warum ist das wichtig?
GmbH i.G. bedeutet ‚in Gründung‘ — die Gesellschaft nach dem Notartermin, aber vor der Handelsregistereintragung. In dieser Phase haftest du persönlich für alle Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Erst mit der Handelsregistereintragung greift die Haftungsbeschränkung. Daher: In der i.G.-Phase keine großen Verbindlichkeiten eingehen.
Was passiert wenn das Stammkapital durch Verluste aufgebraucht ist?
Bei Verlust des halben Stammkapitals: Einberufungspflicht der Gesellschafterversammlung (§ 49 Abs. 3 GmbHG). Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung: Insolvenzantragspflicht innerhalb von 3 Wochen (§ 15a InsO). Wer das verzögert, haftet persönlich für alle danach entstandenen Verbindlichkeiten. Insolvenzportal: bundesjustizamt.de.
Muss ich als GmbH-Gesellschafter Sozialversicherung zahlen?
Abhängig von der Beteiligungshöhe. Gesellschafter-GF mit über 50 % der Anteile: in der Regel nicht SV-pflichtig. Bei 50 % oder weniger: SV-Pflicht wahrscheinlich — Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung empfehlenswert. Mehr: GmbH-Geschäftsführer.
Muss ich das Transparenzregister separat befüllen?
Nicht immer — wenn alle wirtschaftlich Berechtigten aus dem Handelsregister erkennbar sind, gilt die Mitteilungsfiktion (§ 20 Abs. 2 GwG). Bei Holdingstrukturen oder Personen die nur indirekt beteiligt sind immer aktiv auf transparenzregister.de prüfen und eintragen.
Kann eine ausländische Person in Deutschland eine GmbH gründen?
EU-Bürger: ja, uneingeschränkt. Nicht-EU-Bürger: möglich, aber ggf. ist eine Aufenthaltserlaubnis nötig die die Selbstständigkeit erlaubt. Der Notartermin und der Gesellschaftsvertrag sind auf Deutsch — ein Dolmetscher kann hinzugezogen werden. Mehr: Als Ausländer gründen.
Was kostet die laufende Buchführung einer GmbH?
Je nach Belegvolumen und Dienstleister: 1.200–4.800 € jährlich für laufende Buchführung + 1.500–4.000 € für den Jahresabschluss (Bilanz, GuV, Anhang). Dazu kommen Körperschaftsteuer- und Gewerbesteuererklärung (500–1.500 €). Insgesamt: 3.500–8.000 € jährlich für steuerliche Begleitung.
Kann ich das Geschäftsführergehalt frei festlegen?
Ja — aber es muss einem Fremdvergleich standhalten (fiktiver GF würde gleich viel verdienen). Überhöhte Gehälter werden vom Finanzamt als verdeckte Gewinnausschüttung gewertet — dann nachträgliche Körperschaftsteuer + Kapitalertragsteuer. Mehr: GmbH-Geschäftsführer.
Wie wird der Jahresabschluss veröffentlicht?
GmbHs sind nach § 325 HGB verpflichtet ihren Jahresabschluss im Bundesanzeiger und im Unternehmensregister zu veröffentlichen. Kleine GmbHs (Bilanzsumme < 6 Mio. €, Umsatz < 12 Mio. €) können vereinfacht nur die Bilanz einreichen — ohne GuV. Frist: 12 Monate nach Geschäftsjahresende.
15. Weiterführende Artikel im Firmenkompass-Portal
UG (haftungsbeschränkt) gründen — Die günstige Alternative ohne Mindestkapital
UG vs. GmbH — direkter Vergleich — Wann welche Wahl sinnvoller ist
UG zu GmbH aufstocken — Schritt für Schritt zur vollwertigen GmbH
GmbH-Geschäftsführer — Anstellungsvertrag, Gehalt, Sozialversicherung
Holding-Struktur aufbauen — 95 % Steuerfreiheit auf Dividenden nutzen
Rechtsformen Überblick — Alle Unternehmensformen im Vergleich
GmbH vs. Einzelunternehmen Steuervergleich — Ab wann lohnt die GmbH steuerlich?
Businessplan schreiben — Pflicht vor der GmbH-Gründung
Gewerbeanmeldung — Letzter Schritt nach der Handelsregistereintragung
Buchhaltung für GmbHs — Doppelte Buchführung, Jahresabschluss, Bundesanzeiger
Körperschaftsteuer — Wie die GmbH besteuert wird
Betriebshaftpflichtversicherung — Welche Versicherungen die GmbH braucht
16. Offizielle Quellen & Behördenlinks
GmbH-Gesetz (GmbHG) — Volltext — Bundesministerium der Justiz
Körperschaftsteuergesetz (KStG) — Steuerliche Grundlage der GmbH
InsO § 15a — Insolvenzantragspflicht — GF-Haftung bei Insolvenz
Handelsregister online — Eintragungen bundesweit einsehen
Unternehmensregister — Jahresabschlüsse und Pflichtveröffentlichungen
Transparenzregister — Wirtschaftlich Berechtigte eintragen (Pflicht!)
Bundesanzeiger — Jahresabschlüsse veröffentlichen
Notar-Suche der Bundesnotarkammer — Notar in deiner Nähe finden
ELSTER — Steuerliche Erfassung online — Fragebogen zur steuerlichen Erfassung
Finanzamt-Suche (BZSt) — Zuständiges Finanzamt finden
IHK — Gründungsberatung bundesweit — Kostenlose IHK-Beratung für Gründer
Insolvenzportal Bundesjustizamt — Informationen zur Insolvenz
