GmbH gründen

GmbH gründen

Der vollständige Leitfaden für Gründer

Jetzt kostenlos starten

Du bist arbeitslos und willst gründen? Über den AVGS wird dein Coaching vollständig gefördert.

Die GmbH ist die meistgewählte Unternehmensform in Deutschland — über 1,5 Millionen eingetragene Gesellschaften. Der Grund liegt auf der Hand: Wer ein Unternehmen mit echtem Haftungsrisiko aufbaut, wer Gewinne strukturiert thesaurieren will, wer professionell gegenüber Banken und Geschäftspartnern auftreten möchte — kommt an der GmbH kaum vorbei.

Gleichzeitig schreckt der Prozess viele ab: Notar, Stammkapital von 25.000 €, Handelsregister, Transparenzregister, Finanzamt — was in welcher Reihenfolge? Und lohnt sich die GmbH überhaupt für mein Vorhaben, oder wäre eine UG, ein Einzelunternehmen oder eine Freiberufler-Tätigkeit sinnvoller?

Dieser Leitfaden beantwortet alle Fragen. Er ersetzt nicht die individuelle Rechtsberatung — aber nach dem Lesen weißt du exakt, was auf dich zukommt, was es kostet und ob die GmbH zu dir passt.

1. GmbH auf einen Blick – Alle Fakten kompakt

Merkmal Details
Rechtsgrundlage GmbH-Gesetz (GmbHG) — Volltext: gesetze-im-internet.de
Mindestkapital 25.000 € Stammkapital — mind. 12.500 € bei Gründung einzuzahlen (§ 7 Abs. 2 GmbHG)
Gesellschafter Mindestens 1 — maximal unbegrenzt (natürliche und juristische Personen möglich)
Haftung Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen — Gesellschafter nicht persönlich haftbar (§ 13 Abs. 2 GmbHG)
Pflichtorgane Geschäftsführer (mind. 1), Gesellschafterversammlung; Aufsichtsrat ab 500 Mitarbeitern
Notar Pflicht — Gesellschaftsvertrag muss notariell beurkundet werden (§ 2 GmbHG)
Handelsregister Pflicht — GmbH entsteht erst mit Eintragung (handelsregister.de)
Transparenzregister Pflicht — wirtschaftlich Berechtigte melden (transparenzregister.de, GwG § 3)
Unternehmensregister Jahresabschlüsse: unternehmensregister.de / bundesanzeiger.de
Körperschaftsteuer 15 % + 5,5 % Solidaritätszuschlag = ca. 15,825 % (§ 1 KStG)
Gewerbesteuer Ca. 14–17 % je nach Gemeinde — kein Freibetrag für GmbHs
Effektive Steuerlast Ca. 29–33 % auf Unternehmensebene
Kapitalertragsteuer 25 % auf Gewinnausschüttungen an Gesellschafter (zzgl. SolZ)
Online-Gründung Seit 1. August 2022 per Videokonferenz möglich (DiRUG)
Gründungsdauer Typisch 3–6 Wochen vom Notartermin bis Handelsregistereintrag
Gründungskosten Ca. 1.500–3.500 € (ohne Stammkapital)
Laufende Kosten Steuerberater, Jahresabschluss, Bundesanzeiger: ca. 3.000–6.000 €/Jahr

2. Was ist eine GmbH? – Einfach erklärt

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist eine Kapitalgesellschaft und damit eine eigenständige juristische Person. Sie kann im eigenen Namen klagen und verklagt werden, Verträge abschließen, Eigentum erwerben und Schulden machen — vollkommen unabhängig von ihren Gesellschaftern.

Das Entscheidende: Die GmbH haftet mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Die Gesellschafter persönlich sind geschützt — egal ob das Unternehmen einen Prozess verliert, Schulden nicht bezahlen kann oder insolvent geht. Diese Haftungsbeschränkung ist der zentrale Grund, warum die GmbH in Deutschland so populär ist.

Ausnahme: Der Geschäftsführer haftet persönlich bei Pflichtverletzungen nach § 43 GmbHG — bei Insolvenzverschleppung (§ 15a InsO), Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen (§ 266a StGB) oder Steuerhinterziehung. Mehr dazu im Guide GmbH-Geschäftsführer.

💡 Online-Gründung seit 2022 möglich

Seit dem 1. August 2022 kann der Notartermin per Videokonferenz abgehalten werden (DiRUG). Du musst nicht mehr persönlich erscheinen. Die elektronische Urkunde wird digital unterschrieben — bundesweit nutzbar und deutlich flexibler als früher.

3. Für wen ist die GmbH geeignet — und für wen nicht?

Die GmbH ist richtig, wenn…

  • du ein erhebliches Haftungsrisiko hast — Gastronomie, Bau, Handel, Dienstleister mit Schadensrisiko
  • du regelmäßig über 60.000–80.000 € Jahresgewinn erzielst und Gewinne thesaurieren willst
  • du B2B-Kunden hast, die eine GmbH als Vertragspartner erwarten
  • du Fremdkapital oder Bankkredit aufnehmen willst — Banken vergeben an GmbHs leichter Kredit
  • Investoren einsteigen sollen — GmbH-Anteile sind einfach übertragbar
  • du eine Holding-Struktur planst: Dividenden aus der Tochter-GmbH fließen zu 95 % steuerfrei in die Holding (§ 8b KStG)
  • das Unternehmen später verkauft oder übertragen werden soll

Die GmbH ist nicht sinnvoll, wenn…

  • du kein Startkapital von 25.000 € hast — starte lieber mit der UG ab 1 €
  • du Freiberufler mit niedrigem Haftungsrisiko bist — Einzelunternehmen reicht oft
  • dein Gewinn dauerhaft unter 60.000 € liegt — steuerlich meist nachteilig gegenüber Einzelunternehmen
  • der Verwaltungsaufwand (Jahresabschluss, Steuerberater) dein Budget übersteigt
  • du das Geschäftsmodell noch testest — lieber erst als Einzelunternehmen starten

4. Vorteile & Nachteile der GmbH – Ehrlich bewertet

✓  Vorteile ✗  Nachteile
Haftungsbeschränkung: Privatvermögen geschützt 25.000 € Mindestkapital erforderlich
Steuerlich günstig ab ca. 80.000 € Gewinn — KSt 15 % statt ESt bis 45 % Notar Pflicht — Gründungskosten 1.500–3.500 €
Professioneller Auftritt bei Banken, Investoren und Kunden Jahresabschluss + Veröffentlichung Bundesanzeiger Pflicht
GF-Gehalt, Sachbezüge, Tantiemen steuerlich flexibel gestaltbar Gewerbesteuer ohne Freibetrag (Einzelunternehmen hat 24.500 € frei)
Investoren können sauber als Gesellschafter einsteigen Doppelbesteuerung: KSt + KapESt 25 % auf Ausschüttung
Holding-Modell: 95 % steuerfreie Dividende an Muttergesellschaft Buchführungspflicht — Steuerberater fast unverzichtbar
Unternehmen überlebt auch ohne Gründer — voll übertragbar GF haftet persönlich bei Pflichtverletzungen (§ 43 GmbHG)
Online-Gründung seit 2022 per Video möglich Transparenzregister, Registerkosten, laufende Pflichten

5. GmbH oder nicht? — 3 Entscheidungsfragen

Frage 1: Hast du 25.000 € verfügbar? — Nein: Starte mit der UG (haftungsbeschränkt). Schon ab 1 € möglich, später zur GmbH aufstocken. Ja: Direkt zur GmbH wenn das Geschäftsmodell steht.

Frage 2: Liegt dein Gewinn dauerhaft über 60.000 €? — Darunter: Steuerlich oft schlechter als Einzelunternehmen oder Freiberufler. Darüber: GmbH wird attraktiver — besonders wenn du Gewinne einbehältst statt ausschüttest.

Frage 3: Hast du ein erhebliches Haftungsrisiko? — Wenn Fehler dein Privatvermögen gefährden könnten, ist die GmbH unverzichtbar. Risikoarme Freelancer kommen oft ohne GmbH aus.

6. GmbH gründen – Die 8 Schritte im Detail

Schritt 1: Firmennamen & Unternehmensgegenstand festlegen

Der Firmenname muss unterscheidungskräftig und darf nicht irreführend sein (§ 4 GmbHG). Er muss ‚GmbH‘ oder ‚Gesellschaft mit beschränkter Haftung‘ enthalten. Vor dem Notartermin lohnt sich eine Prüfung ob der Name bereits vergeben ist — über das Handelsregister oder bei der IHK. Die IHK Frankfurt prüft Firmennamen kostenlos vorab.

Der Unternehmensgegenstand sollte präzise aber nicht zu eng formuliert sein. ‚Entwicklung und Vertrieb von Softwarelösungen‘ ist besser als ‚Handel mit allem Erlaubten‘ — Banken und Investoren sehen letzteres kritisch.

Schritt 2: Gesellschaftsvertrag / Satzung erstellen

Der Gesellschaftsvertrag ist das rechtliche Fundament. Pflichtbestandteile nach § 3 GmbHG:

  • Firma und Sitz der Gesellschaft
  • Unternehmensgegenstand
  • Höhe des Stammkapitals
  • Zahl und Nennbeträge der Geschäftsanteile jedes Gesellschafters

Musterprotokoll oder individueller Vertrag? Das gesetzliche Musterprotokoll (Anlage zu § 2 Abs. 1a GmbHG) gilt für max. 3 Gesellschafter + 1 GF und spart Notarkosten. Für Investorenbeteiligungen, Vesting, Nachfolgeregelungen oder besondere Stimmrechte immer einen individuellen Vertrag durch einen Anwalt aufsetzen — Fehler hier kosten später ein Vielfaches.

Schritt 3: Notar — Beurkundung des Gesellschaftsvertrags

Alle Gesellschafter müssen beim Notartermin anwesend sein oder einen Bevollmächtigten schicken. Einen Notar in deiner Nähe findest du über die Notar-Suche der Bundesnotarkammer. Seit dem 1. August 2022 ist auch ein Online-Notartermin per Video möglich.

Ab der Beurkundung gilt die Gesellschaft als ‚GmbH in Gründung‘ (GmbH i.G.). In dieser Phase bis zur Handelsregistereintragung haften Gründer persönlich für Verbindlichkeiten der Gesellschaft (Vorbelastungshaftung). Keine großen Verbindlichkeiten in dieser Phase eingehen!

Schritt 4: Geschäftskonto eröffnen & Stammkapital einzahlen

Nach dem Notartermin wird ein Geschäftskonto auf die ‚GmbH i.G.‘ eröffnet. Dort zahlen die Gesellschafter ihre Einlagen ein. Mindestens 12.500 € müssen vor der Handelsregistereintragung tatsächlich eingezahlt sein (§ 7 Abs. 2 GmbHG) — die Bank stellt eine Einzahlungsbestätigung aus. Als Sacheinlage können auch Fahrzeuge, Maschinen oder Patente eingebracht werden — dann ist ein Sachgründungsbericht beim Notar Pflicht.

Schritt 5: Handelsregistereintragung

Der Notar meldet die GmbH beim zuständigen Amtsgericht (Registergericht) an. Die Eintragung ist über das Handelsregister oder das Unternehmensregister für jeden öffentlich einsehbar. Erst mit dieser Eintragung entsteht die GmbH als juristische Person — vorher haftest du persönlich. Dauer: 3–6 Wochen je nach Auslastung des Amtsgerichts.

Schritt 6: Transparenzregister — Pflicht seit GwG

Seit dem Geldwäschegesetz (GwG) müssen alle GmbHs ihre wirtschaftlich Berechtigten im Transparenzregister eintragen — also alle Personen die direkt oder indirekt mehr als 25 % der Anteile halten (§ 3 GwG). Die Eintragung erfolgt auf transparenzregister.de. Jahresgebühr für Kleinstunternehmen: 4,80 €. Verstöße: Bußgelder bis 1 Mio. €.

Mitteilungsfiktion: Wenn alle wirtschaftlich Berechtigten bereits im Handelsregister erkennbar sind, gilt die automatische Mitteilung — kein separater Eintrag nötig. Bei Holdingstrukturen oder verschachtelten Beteiligungen immer aktiv prüfen.

Schritt 7: Steuerliche Erfassung beim Finanzamt

Nach der Handelsregistereintragung sendet das Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung — dieser muss innerhalb eines Monats zurückgeschickt werden (§ 138 AO). Ausfüllen kannst du ihn auch digital über ELSTER. Dein zuständiges Finanzamt findest du über die Finanzamt-Suche des BZSt.

Die GmbH erhält dann ihre Körperschaftsteuer-Steuernummer, Umsatzsteuernummer und auf Antrag die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) für EU-grenzüberschreitende Leistungen.

Mehr zur steuerlichen Erfassung: Steuerliche Erfassung ELSTER.

Schritt 8: Gewerbeanmeldung

Jede GmbH ist kraft Rechtsform gewerblich — Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt ist daher immer Pflicht, unabhängig vom Tätigkeitsfeld. Kosten: 20–50 €. Mehr zur Gewerbeanmeldung: Gewerbeanmeldung. Das Gewerbeamt informiert automatisch das Finanzamt — dieses meldet dann für die Gewerbesteuer an.

7. Was kostet eine GmbH-Gründung wirklich?

Viele unterschätzen die Gesamtkosten, weil sie nur die Notargebühren sehen. Realistisch kalkuliert:

← Tabelle seitwärts scrollen
Kostenposition Musterprotokoll Individueller Vertrag
Notarkosten (Beurkundung) 105–200 € 600–1.800 €
Handelsregistereintragung 150 € 150–300 €
Beglaubigte Abschriften + Vollmachten 50–100 € 100–200 €
Gesellschaftsvertrag (Anwalt) — (Muster) 500–1.500 €
Transparenzregister (jährl.) 4,80 € 4,80 €
Gewerbeanmeldung 20–50 € 20–50 €
Steuerberater Erstkonsultation 300–800 € 500–1.500 €
Gesamt (ohne Stammkapital) ca. 600–1.300 € ca. 1.500–3.500 €
PLUS Stammkapital (bei Gründung mind.) 12.500 € 12.500 €

Laufende Kosten nach der Gründung

Das unterschätzen noch mehr Gründer: Die laufenden Pflichten einer GmbH verursachen deutlich höhere Kosten als beim Einzelunternehmen:

Laufende Kostenposition Jährlich ca.
Steuerberater: laufende Buchführung (monatlich) 1.200–4.800 €
Steuerberater: Jahresabschluss GmbH (Bilanz + GuV) 1.500–4.000 €
Körperschaftsteuererklärung + Gewerbesteuererklärung 500–1.500 €
Jahresabschluss im Bundesanzeiger veröffentlichen 50–500 € (je nach Größe)
IHK-Mitgliedsbeitrag 100–500 € je nach Umsatz
Transparenzregister Jahresgebühr 4,80 €
Buchführungssoftware 200–600 €
Gesamt laufend (Minimum) ca. 3.500–6.000 €/Jahr
⚠️ Steuerberater ist für GmbHs faktisch Pflicht

Doppelte Buchführung, Jahresabschluss, Bundesanzeiger-Veröffentlichung, Körperschaftsteuererklärung — das ist für Nicht-Buchhalter kaum selbst zu bewältigen. Plane mindestens 3.500–5.000 € jährlich für steuerliche Begleitung ein. Das lässt sich durch sorgfältige Auswahl aber stark optimieren.

8. Steuern der GmbH – Vollständig erklärt

Körperschaftsteuer (KSt)

Die GmbH zahlt auf ihren Gewinn 15 % Körperschaftsteuer (§ 1 KStG) + 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf — effektiv 15,825 %. Basis: zu versteuerndes Einkommen nach Abzug aller Betriebsausgaben inklusive Geschäftsführergehalt. Mehr: KStG auf gesetze-im-internet.de.

Gewerbesteuer (GewSt)

Jede GmbH ist gewerbesteuerpflichtig — ohne Ausnahme und ohne den Freibetrag von 24.500 € der Einzelunternehmern zusteht. Der Gewerbesteuermessbetrag beträgt 3,5 % des Gewerbeertrags × Hebesatz der Gemeinde. Frankfurt: 460 % Hebesatz → 16,1 % Gewerbesteuer. München: 490 % → 17,15 %. Zusammen mit KSt ergibt das ca. 29–33 % Gesamtsteuerlast auf Unternehmensebene.

Kapitalertragsteuer bei Gewinnausschüttung

Werden Gewinne an die Gesellschafter ausgeschüttet, fällt zusätzlich 25 % Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer) + SolZ an. Das ist die sog. Doppelbesteuerung: erst ~30 % auf GmbH-Ebene, dann 25 % auf die Ausschüttung. Wer Gewinne einbehält und reinvestiert, vermeidet die zweite Steuerebene. Über eine Holding-Struktur können Dividenden sogar zu 95 % steuerfrei weitergegeben werden (§ 8b KStG).

9. Steuervergleich: GmbH vs. Einzelunternehmen

← Tabelle seitwärts scrollen
Jahresgewinn Einzelunternehmen (ESt) GmbH (KSt + GewSt)
40.000 € ~8.000 € (20 %) ~12.000 € (30 %) — Nachteil GmbH
60.000 € ~18.000 € (30 %) ~18.000 € (30 %) — Etwa gleich
100.000 € ~38.000 € (38 %) ~30.000 € (30 %) — Vorteil GmbH
200.000 € ~87.000 € (43,5 %) ~60.000 € (30 %) — Starker Vorteil

Fazit: Ab ca. 60.000–80.000 € Jahresgewinn lohnt die GmbH steuerlich — besonders wenn Gewinne thesauriert werden. Mehr: GmbH vs. Einzelunternehmen Steuervergleich.

10. Die 7 häufigsten Fehler bei der GmbH-Gründung

Fehler 1: Stammkapital wird nach Gründung entnommen

Das Stammkapital ist Gesellschaftsvermögen — kein Privatkonto. Es darf nur als Gehalt, Darlehen oder Gewinnausschüttung entnommen werden. Wer das Stammkapital direkt nach Gründung für private Ausgaben nutzt, begeht eine Untreue (§ 266 StGB) und gefährdet die Haftungsbeschränkung.

Fehler 2: In der GmbH i.G.-Phase Verbindlichkeiten eingehen

Zwischen Notartermin und Handelsregistereintragung (typisch 3–6 Wochen) haftest du persönlich für alle Verbindlichkeiten. Wer in dieser Phase Mietverträge unterzeichnet, Waren bestellt oder Mitarbeiter einstellt, trägt das volle persönliche Risiko. Vor Eintragung: GmbH möglichst inaktiv halten.

Fehler 3: Musterprotokoll für komplexe Strukturen nutzen

Das Musterprotokoll ist nur für einfachste Gründungen (1–3 Gesellschafter, 1 GF, keine Sonderregelungen). Sobald Investoren einsteigen, Vesting-Klauseln nötig sind oder mehrere GF bestellt werden — immer individuellen Gesellschaftsvertrag durch einen Anwalt.

Fehler 4: Transparenzregister vergessen

Seit dem Geldwäschegesetz ist die Meldung beim Transparenzregister Pflicht. Verstöße werden mit Bußgeldern bis zu 1 Mio. € geahndet. Direkt nach Handelsregistereintragung prüfen ob die Mitteilungsfiktion greift oder ein aktiver Eintrag nötig ist.

Fehler 5: Buchhaltung zu spät starten

Belege stapeln sich, Voranmeldungen werden vergessen, das Finanzamt schätzt — und schätzt meist zu hoch. Buchhaltung von Tag 1 einrichten, alle Belege digital erfassen und monatlich mit dem Steuerberater abgleichen.

Fehler 6: Geschäftskonto und Privatkonto vermischen

Für eine GmbH ist ein separates Geschäftskonto zwingend. Zahlungen über das Privatkonto sind buchhalterisch problematisch und können im Extremfall zur Durchgriffshaftung führen (Vermögensvermischung).

Fehler 7: Insolvenzverschleppung

Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung muss der GF innerhalb von 3 Wochen Insolvenzantrag stellen (§ 15a InsO — Volltext). Wer das verzögert, haftet persönlich für alle danach entstandenen Verbindlichkeiten und macht sich strafbar. Bei ersten Liquiditätsproblemen sofort rechtliche Beratung suchen.

11. GmbH im Vergleich mit Alternativen

Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung muss der GF innerhalb von 3 Wochen Insolvenzantrag stellen (§ 15a InsO — Volltext). Wer das verzögert, haftet persönlich für alle danach entstandenen Verbindlichkeiten und macht sich strafbar. Bei ersten Liquiditätsproblemen sofort rechtliche Beratung suchen.

12. Praxisbeispiele – Wann lohnt sich die GmbH?

Beispiel 1: Designagentur mit 2 Gründern — Frankfurt
Annika und Ben gründen eine Designagentur. Erster Jahresumsatz: 180.000 €, Gewinn: 90.000 €. Sie wollen Gewinne einbehalten und in Mitarbeiter investieren. Analyse: Als GbR würden beide persönlich haften und ca. 34 % ESt zahlen. Als GmbH: 30 % Steuerlast, voller Haftungsschutz, klare Trennung. Empfehlung: GmbH direkt — Kapital vorhanden, B2B-Kunden erwarten professionelle Struktur.

Beispiel 2: Solopreneur Markus — IT-Freelancer
Markus macht 80.000 € Gewinn als Softwareentwickler. Kein Personal, kaum Haftungsrisiko. Analyse: Als Freiberufler zahlt er ~30.000 € ESt. Als GmbH: ~24.000 € KSt/GewSt, dazu 3.500 €/Jahr Steuerberater. Vorteil GmbH: ~2.500 € Ersparnis jährlich — aber hoher Verwaltungsaufwand. Empfehlung: Nur GmbH wenn Thesaurierung sinnvoll; sonst Freiberufler-Status prüfen.

Beispiel 3: Handwerksbetrieb — Elektroinstallationen
Fabian gründet einen Elektrobetrieb. Kunden, Materialkosten, Mitarbeiter, Fahrzeuge. Erstes Jahr Umsatz 300.000 €, Gewinn 60.000 €. Analyse: Als Einzelunternehmen haftet er mit Haus und Ersparnissen — bei einem Arbeitsunfall oder Brandschaden existenzbedrohend. Empfehlung: GmbH von Tag 1 — Haftungsschutz schlägt hier jeden steuerlichen Optimierungsgedanken.

13. Fazit – Klare Empfehlung

Die GmbH ist die richtige Wahl wenn du erhebliches Haftungsrisiko hast, dauerhaft über 60.000 € Gewinn machst und Gewinne im Unternehmen halten willst. Deutschlands meistgenutzte Unternehmensform aus gutem Grund: Haftungsschutz, steuerliche Effizienz ab mittlerem Gewinn und Investorenfähigkeit rechtfertigen den Mehraufwand.

Wer kein Kapital hat: Starte mit der UG (haftungsbeschränkt) ab 1 € und stocke auf sobald das Business läuft — mehr dazu: UG zu GmbH aufstocken.

Wer alleine und risikoarm arbeitet: Freiberufler oder Einzelunternehmen sind oft einfacher und günstiger — zumindest in der Anfangsphase.

⚖️ Schmidt & Partners — Gesellschaftsrecht & GmbH-Gründung

Schmidt & Partners begleitet GmbH-Gründungen von der Gesellschaftsvertrags-Gestaltung über den Notartermin bis zur laufenden gesellschaftsrechtlichen Beratung. Interdisziplinär: Vertragsrecht, Gesellschaftsrecht, Steueranwalt und Steueroptimierung aus einer Hand.

→ www.schmidt-partners.com

🏢 MDFU Consulting — Unternehmensstruktur & Holding

Wenn hinter deiner GmbH-Gründung eine größere Strategie steckt: MDFU Consulting berät bei Holding-Strukturen, M&A, Fundraising, IT-Sicherheit und Vorratsgesellschaften. Für Gründer die von Anfang an richtig aufstellen wollen.

→ www.mdfu-consulting.de/

📊 AT Finanz-Services — Buchführung & Jahresabschluss für deine GmbH

AT Finanz-Services übernimmt laufende Buchführung, Lohnabrechnung, Jahresabschluss und Steuererklärungen für GmbHs — mit exklusiven Konditionen für Firmenkompass-Kunden: Kostenlose Erstberatung · 0 € Onboarding-Kosten · 50 % Rabatt auf den Paketpreis für die ersten 12 Monate · Bis zu 50 % günstiger als klassische Steuerkanzleien. Tel: 0170 23 20 112

→ www.at-finanz-services.de/

14. Häufig gestellte Fragen

Ja — die Ein-Personen-GmbH ist vollständig zulässig. Du bist gleichzeitig Alleingesellschafter und Geschäftsführer. Alle GmbHG-Vorschriften (Notar, Stammkapital, Buchführungspflicht) gelten auch für die Ein-Personen-GmbH.

Vom Notartermin bis zur Handelsregistereintragung typisch 3–6 Wochen. Die Wartezeit liegt hauptsächlich beim Amtsgericht — in manchen Regionen länger. Mit dem Online-Notarverfahren (DiRUG) kann der Notartermin schnell terminiert werden, aber die Behördenbearbeitung bleibt.

GmbH i.G. bedeutet ‚in Gründung‘ — die Gesellschaft nach dem Notartermin, aber vor der Handelsregistereintragung. In dieser Phase haftest du persönlich für alle Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Erst mit der Handelsregistereintragung greift die Haftungsbeschränkung. Daher: In der i.G.-Phase keine großen Verbindlichkeiten eingehen.

Bei Verlust des halben Stammkapitals: Einberufungspflicht der Gesellschafterversammlung (§ 49 Abs. 3 GmbHG). Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung: Insolvenzantragspflicht innerhalb von 3 Wochen (§ 15a InsO). Wer das verzögert, haftet persönlich für alle danach entstandenen Verbindlichkeiten. Insolvenzportal: bundesjustizamt.de.

Abhängig von der Beteiligungshöhe. Gesellschafter-GF mit über 50 % der Anteile: in der Regel nicht SV-pflichtig. Bei 50 % oder weniger: SV-Pflicht wahrscheinlich — Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung empfehlenswert. Mehr: GmbH-Geschäftsführer.

Nicht immer — wenn alle wirtschaftlich Berechtigten aus dem Handelsregister erkennbar sind, gilt die Mitteilungsfiktion (§ 20 Abs. 2 GwG). Bei Holdingstrukturen oder Personen die nur indirekt beteiligt sind immer aktiv auf transparenzregister.de prüfen und eintragen.

EU-Bürger: ja, uneingeschränkt. Nicht-EU-Bürger: möglich, aber ggf. ist eine Aufenthaltserlaubnis nötig die die Selbstständigkeit erlaubt. Der Notartermin und der Gesellschaftsvertrag sind auf Deutsch — ein Dolmetscher kann hinzugezogen werden. Mehr: Als Ausländer gründen.

Je nach Belegvolumen und Dienstleister: 1.200–4.800 € jährlich für laufende Buchführung + 1.500–4.000 € für den Jahresabschluss (Bilanz, GuV, Anhang). Dazu kommen Körperschaftsteuer- und Gewerbesteuererklärung (500–1.500 €). Insgesamt: 3.500–8.000 € jährlich für steuerliche Begleitung.

Ja — aber es muss einem Fremdvergleich standhalten (fiktiver GF würde gleich viel verdienen). Überhöhte Gehälter werden vom Finanzamt als verdeckte Gewinnausschüttung gewertet — dann nachträgliche Körperschaftsteuer + Kapitalertragsteuer. Mehr: GmbH-Geschäftsführer.

GmbHs sind nach § 325 HGB verpflichtet ihren Jahresabschluss im Bundesanzeiger und im Unternehmensregister zu veröffentlichen. Kleine GmbHs (Bilanzsumme < 6 Mio. €, Umsatz < 12 Mio. €) können vereinfacht nur die Bilanz einreichen — ohne GuV. Frist: 12 Monate nach Geschäftsjahresende.

15. Weiterführende Artikel im Firmenkompass-Portal

UG (haftungsbeschränkt) gründen — Die günstige Alternative ohne Mindestkapital

UG vs. GmbH — direkter Vergleich — Wann welche Wahl sinnvoller ist

UG zu GmbH aufstocken — Schritt für Schritt zur vollwertigen GmbH

GmbH-Geschäftsführer — Anstellungsvertrag, Gehalt, Sozialversicherung

Holding-Struktur aufbauen — 95 % Steuerfreiheit auf Dividenden nutzen

Rechtsformen Überblick — Alle Unternehmensformen im Vergleich

GmbH vs. Einzelunternehmen Steuervergleich — Ab wann lohnt die GmbH steuerlich?

Businessplan schreiben — Pflicht vor der GmbH-Gründung

Gewerbeanmeldung — Letzter Schritt nach der Handelsregistereintragung

Buchhaltung für GmbHs — Doppelte Buchführung, Jahresabschluss, Bundesanzeiger

Körperschaftsteuer — Wie die GmbH besteuert wird

Betriebshaftpflichtversicherung — Welche Versicherungen die GmbH braucht

16. Offizielle Quellen & Behördenlinks

GmbH-Gesetz (GmbHG) — Volltext — Bundesministerium der Justiz

Körperschaftsteuergesetz (KStG) — Steuerliche Grundlage der GmbH

InsO § 15a — Insolvenzantragspflicht — GF-Haftung bei Insolvenz

Handelsregister online — Eintragungen bundesweit einsehen

Unternehmensregister — Jahresabschlüsse und Pflichtveröffentlichungen

Transparenzregister — Wirtschaftlich Berechtigte eintragen (Pflicht!)

Bundesanzeiger — Jahresabschlüsse veröffentlichen

Notar-Suche der Bundesnotarkammer — Notar in deiner Nähe finden

ELSTER — Steuerliche Erfassung online — Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Finanzamt-Suche (BZSt) — Zuständiges Finanzamt finden

IHK — Gründungsberatung bundesweit — Kostenlose IHK-Beratung für Gründer

Insolvenzportal Bundesjustizamt — Informationen zur Insolvenz

Nach oben scrollen