Firmenkompass

Unternehmensnachfolge: Einen bestehenden Betrieb übernehmen statt neu gründen

Nicht jede Selbstständigkeit muss bei null anfangen. Wer einen bestehenden Betrieb übernimmt, bekommt Kunden, Mitarbeitende und Umsatz vom ersten Tag an, aber auch Verpflichtungen und einen Kaufpreis. Hier erfährst du, wie viele Betriebe eine Nachfolge suchen, welche Vor- und Nachteile eine Übernahme hat, wie der Ablauf in Phasen aussieht und welche Förderung infrage kommt.

Das Wichtigste in Kürze

186.000
Familienunternehmen mit Übergabe 2026 bis 2030 (IfM Bonn)
109.000
Nachfolgewünsche pro Jahr bis Ende 2029 (KfW)
499.000 €
durchschnittlich angestrebter Kaufpreis (KfW)
57 %
der Inhaber sind 55 Jahre oder älter (KfW)
  • Großer Bedarf: Laut IfM Bonn steht von 2026 bis 2030 in rund 186.000 Familienunternehmen die Übergabe an.
  • Vorteil: Du startest mit Kunden, Mitarbeitenden, Umsatz und eingespielten Abläufen.
  • Nachteil: Du zahlst einen Kaufpreis, übernimmst Verträge, Altlasten und eventuell Haftung.
  • Ablauf: Suche, Prüfung, Bewertung, Finanzierung, Vertrag, Übergabe. Rechne mit vielen Monaten.
  • Förderung: KfW-Kredite (067, 077), Bürgschaftsbanken und bei Arbeitslosigkeit Gründungszuschuss oder AVGS Gründercoaching, jeweils bei Bewilligung.

Firmenkompass: AZAV-zertifizierter Träger · 91,6 % Integrationsquote (Stand 30.05.2026)

Inhalt dieser Seite

Was bedeutet Unternehmensnachfolge für Gründer?

Unternehmensnachfolge heißt: Du übernimmst einen bestehenden Betrieb, statt ein Unternehmen von null aufzubauen. Für viele Förderprogramme zählt eine Übernahme wie eine Gründung, die KfW fördert beides ausdrücklich im Programm „Gründung und Nachfolge“.

Für dich als Übernehmerin oder Übernehmer ändert sich vor allem der Startpunkt. Statt erst Kunden zu gewinnen, musst du bestehende Kunden halten. Statt einen Businessplan auf Annahmen zu bauen, prüfst du echte Zahlen der Vergangenheit. Und statt Startkapital für Ausstattung brauchst du Geld für den Kaufpreis.

Nachfolge ist nicht nur etwas für Familienmitglieder. Viele Betriebe gehen an Beschäftigte (Management-Buy-out) oder an Externe (Management-Buy-in). Welche Wege es gibt, zeigt der Ratgeber Nachfolgeformen.

Wie viele Betriebe suchen eine Nachfolge?

Laut Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn steht von 2026 bis 2030 in rund 186.000 Familienunternehmen in Deutschland die Übergabe an. Die Zahl stagniert gegenüber der vorherigen Schätzung, obwohl die Inhaber im Schnitt älter werden. Als Grund nennt das IfM die schwächere wirtschaftliche Lage vieler Betriebe.

Die KfW kommt in ihrem Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 (veröffentlicht am 09.01.2026) zu diesen Ergebnissen:

KennzahlWert laut KfW
Mittelständler mit Nachfolgewunsch bis Ende 2029545.000, gut 109.000 pro Jahr
Mittelständler mit Stilllegungsplänen bis Ende 2029569.000, rund 114.000 pro Jahr
Inhaber 55 Jahre oder älter57 % (vor 20 Jahren: 20 %)
Angestrebter Kaufpreis im Durchschnitt499.000 € (rund das 1,2-Fache des Jahresumsatzes)
Angestrebter Kaufpreis im Median375.000 €

Die beiden Studien zählen unterschiedlich: Das IfM schätzt, welche Familienunternehmen wirtschaftlich übernahmefähig sind, die KfW befragt Mittelständler nach ihren Plänen. Für dich zählt die Botschaft dahinter: Es gibt viele Betriebe ohne Nachfolger, und erstmals planen laut KfW etwas mehr Inhaber eine Schließung als eine Übergabe.

Übernahme oder Neugründung: Was spricht wofür?

Eine Übernahme lohnt sich, wenn der Betrieb gesund ist und der Preis zu den Erträgen passt. Eine Neugründung ist oft besser, wenn du ein neues Geschäftsmodell umsetzen willst oder wenig Kapital hast.

PunktÜbernahmeNeugründung
StartKunden, Umsatz, Personal sind daKundenaufbau von null
KapitalbedarfKaufpreis plus Betriebsmittel, meist höherAusstattung, Anlaufkosten, Reserve
Planungsgrundlageechte Zahlen der VorjahreAnnahmen und Marktanalyse
Banksieht Historie, prüft Kaufpreisprüft Idee und Gründerperson
RisikenAltlasten, Abhängigkeit vom Altinhaber, HaftungMarkt nimmt Angebot nicht an
GestaltungStrukturen und Kultur sind gewachsendu baust alles nach deinen Vorstellungen

Wie läuft eine Unternehmensnachfolge ab?

Eine Unternehmensnachfolge läuft in mehreren Phasen ab, von der Suche bis zur Einarbeitung nach dem Kauf. Das Existenz­gründungsportal des Bundes rät Inhabern, für die Vorbereitung etwa fünf Jahre einzuplanen. Als Übernehmer brauchst du zwar weniger Vorlauf, aber auch hier vergehen meist viele Monate.

  1. Klären, was du suchst. Branche, Region, Größe, Kaufpreisrahmen, deine Rolle. Ohne Suchprofil verlierst du dich in Inseraten.
  2. Betriebe finden. Über Nachfolgebörsen, Kammern, Branchennetzwerke oder direkte Ansprache. Mehr dazu im Ratgeber Nachfolgebörsen.
  3. Erstgespräch und Vertraulichkeit. Der Inhaber gibt Zahlen meist erst nach einer Vertraulichkeitserklärung heraus. Die lässt du rechtlich prüfen.
  4. Prüfen und bewerten. Jahresabschlüsse, Kunden, Verträge, Personal, Anlagen. Eine strukturierte Due Diligence zeigt Risiken, die Unternehmensbewertung den Preisrahmen.
  5. Businessplan und Finanzierung. Du planst die ersten Jahre unter deiner Führung. Die Finanzierung baust du aus Eigenkapital, Kredit, Förderung und eventuell Zahlungen an den Verkäufer.
  6. Verhandeln und Vertrag. Kaufpreis, Zahlungsweise, Übergabezeitpunkt, Mitarbeit des Altinhabers. Den Vertrag gestalten Anwalt oder Notar, die Steuerfolgen klärt die Steuerberatung.
  7. Übergabe und Einarbeitung. Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten informieren, Zuständigkeiten nach festem Zeitplan übernehmen.

Wichtig für die Übergabe: Bei einem Betriebsübergang gehen die Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB mit allen Rechten und Pflichten auf dich über. Die Beschäftigten müssen vorher in Textform informiert werden und können innerhalb eines Monats widersprechen.

Wie finanzierst du eine Übernahme?

Eine Übernahme finanzierst du meist aus mehreren Bausteinen: Eigenkapital, Bankkredit, Förderkredit der KfW, Bürgschaft und oft einem Teil, den der Verkäufer stundet. Wichtig ist, dass der Betrieb Zins und Tilgung aus dem laufenden Ertrag tragen kann.

BausteinEckdaten
ERP-Gründerkredit StartGeld (067)bis 200.000 €, davon bis 80.000 € Betriebsmittel, 80 % Haftungsfreistellung für die Bank, auch für den Kauf eines Unternehmens oder von Anteilen
ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077)bis 500.000 € je Antragsteller, höchstens 35 % der förderfähigen Kosten, 100 % Garantie einer Bürgschaftsbank; du musst Teil der Geschäftsführung sein oder werden
Bürgschaftsbankbürgt für bis zu 80 % des Kredits, Prüfung bei Nachfolgen laut Existenz­gründungsportal meist in drei bis fünf Wochen
Zahlung an den VerkäuferRaten oder Rente statt Einmalzahlung, entlastet deine Liquidität, muss aber abgesichert sein

Alle KfW-Kredite beantragst du über deine Bank, und zwar bevor du den Kaufvertrag unterschreibst. Details zu Konditionen findest du im Ratgeber KfW-Gründerkredit, zur Bürgschaft im Ratgeber Bürgschaftsbank. Wie du die Bausteine kombinierst, zeigt Nachfolge finanzieren.

Gibt es Gründungszuschuss und AVGS bei einer Übernahme?

Ja, der Gründungszuschuss kommt laut Existenz­gründungsportal des Bundes auch bei einer Betriebsübernahme infrage, es gelten dieselben Voraussetzungen wie bei einer Neugründung. Nach den Fachlichen Weisungen der Bundesagentur für Arbeit (Stand 13.09.2023, Randnummer 93.09) ist der Förderbedarf bei der Übernahme eines gut eingeführten Betriebs mit Kundenstamm regelmäßig zu verneinen, außer die Erträge reichen nicht für Lebensunterhalt und soziale Absicherung. Rechne deshalb nicht fest mit dem Zuschuss.

Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest, gilt: Für den Gründungszuschuss brauchst du nach § 93 SGB III mindestens 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld, eine hauptberufliche Selbstständigkeit und die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle. Nach § 94 SGB III gibt es sechs Monate lang dein Arbeitslosengeld plus 300 € monatlich, danach bis zu neun Monate weitere 300 € monatlich. Wechselst du direkt aus einer Anstellung in die Übernahme, ohne arbeitslos zu sein, gibt es keinen Gründungszuschuss. Beziehst du Grundsicherung (früher Bürgergeld), kommt das Einstiegsgeld nach § 16b SGB II infrage. Über alle Leistungen entscheiden Agentur oder Jobcenter im Einzelfall.

Für die Vorbereitung kannst du das AVGS Gründercoaching nutzen. Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein nach § 45 SGB III dient auch der Heranführung an eine selbstständige Tätigkeit. Darunter kann auch die Vorbereitung einer Übernahme fallen. Im Coaching erarbeitest du Businessplan und Zahlen. In Modul 4 Finanzierung klären wir Kaufpreisfinanzierung, KfW-Kredite und das Bankgespräch. Ob der Gutschein bewilligt wird, entscheidet die Behörde im Einzelfall.

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Wo findest du einen passenden Betrieb?

Die bekannteste Anlaufstelle ist die Unternehmensbörse nexxt-change, eine Initiative von Bundeswirtschafts­ministerium, KfW, DIHK, ZDH sowie den Verbänden der Volksbanken und Sparkassen. Inserate sind dort kostenlos und anonym. Daneben helfen die Nachfolgeberater der Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammern.

  • Börsen: nexxt-change sowie regionale Börsen der Kammern. Ein Vergleich steht im Ratgeber Nachfolgebörsen.
  • Netzwerk: Lieferanten, Steuerberatungen, Banken und Verbände wissen oft früher als jede Börse, wer abgeben will.
  • Direkte Ansprache: Viele Inhaber haben noch nicht inseriert. Ein höflicher Brief an Betriebe deiner Branche kann Türen öffnen.
  • Eigenes Inserat: Auf nexxt-change kannst du auch ein Kaufgesuch veröffentlichen.

Sobald du einen konkreten Betrieb im Blick hast, lohnt sich eine zweite Meinung. Im Nachfolge-Check prüfen wir mit dir Zahlen, Kaufpreis und offene Fragen, bevor du verhandelst. Für den Kauf selbst hilft der Ratgeber Unternehmenskauf mit seiner Checkliste.

Worauf solltest du vor der Entscheidung achten?

Vor der Entscheidung solltest du vor allem drei Dinge sicher wissen: ob der Betrieb ohne den Altinhaber trägt, ob der Preis zu den Erträgen passt, und ob du die Finanzierung auch in einem schwachen Jahr stemmen kannst.

  • Zahlen der letzten drei Jahre liegen vor und sind nachvollziehbar.
  • Du kennst die größten Kunden und ihren Anteil am Umsatz.
  • Miet-, Liefer- und Leasingverträge laufen weiter oder lassen sich übernehmen.
  • Schlüsselpersonen im Team bleiben voraussichtlich an Bord.
  • Der Altinhaber steht für eine Übergangszeit zur Verfügung.
  • Die Haftung für Altschulden und Steuern ist rechtlich geklärt.
  • Dein Finanzplan trägt auch mit zehn Prozent weniger Umsatz.

Wenn du unsicher bist, ob Übernahme oder Neugründung besser zu dir passt, sprich mit uns. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir auf dein Vorhaben und deine Fördermöglichkeiten. Wir begleiten dich betriebswirtschaftlich. Rechts- und Steuerberatung ersetzt diese Seite nicht.

Klaus RunkelFragen dazu? Dein CoachKlaus RunkelSeniorberater Businessplan und Finanzierung · Unternehmensberater seit über 30 Jahren
Maximilian Ossot

Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.

Kurz beantwortet

Ist eine Übernahme sicherer als eine Neugründung?

Eine Übernahme ist nicht automatisch sicherer, sie hat andere Risiken. Du startest mit Kunden sowie Umsatz, zahlst aber einen Kaufpreis und übernimmst Verpflichtungen. Ob sich das rechnet, zeigt erst ein genauer Blick auf die Zahlen der letzten Jahre.

Wie lange dauert eine Unternehmensnachfolge?

Eine Unternehmensnachfolge dauert meist deutlich länger als eine Neugründung. Das Existenz­gründungsportal des Bundes empfiehlt Inhabern, etwa fünf Jahre für die Vorbereitung einzuplanen. Als Käuferin oder Käufer solltest du von der Suche bis zur Übergabe mit vielen Monaten rechnen.

Bekomme ich den Gründungszuschuss auch bei einer Übernahme?

Ja, laut Existenz­gründungsportal kommt der Gründungszuschuss auch bei einer Betriebsübernahme infrage. Es gelten dieselben Voraussetzungen wie bei einer Neugründung, darunter mindestens 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld. Die Agentur für Arbeit entscheidet im Einzelfall.

Fördert die KfW den Kauf eines Unternehmens?

Ja, die KfW fördert auch Übernahmen. Das StartGeld (067) finanziert bis 200.000 Euro, der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) bis 500.000 Euro, höchstens aber 35 Prozent der förderfähigen Kosten. Den Antrag stellst du immer über deine Bank, bevor du kaufst.

Übernehme ich automatisch die Mitarbeitenden?

Bei einem Betriebsübergang gehen die Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB auf den neuen Inhaber über. Kündigungen wegen des Übergangs sind unwirksam. Beim Kauf von GmbH-Anteilen bleibt die GmbH ohnehin Arbeitgeberin.

Wo finde ich Betriebe, die eine Nachfolge suchen?

Eine gute erste Anlaufstelle ist die kostenlose Unternehmensbörse nexxt-change. Auch die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern beraten zur Nachfolge. Hilfreich ist außerdem dein eigenes Netzwerk in der Branche.

Kann ich mit einem AVGS eine Übernahme vorbereiten?

Ja, ein AVGS Gründercoaching kann auch eine Übernahme vorbereiten, wenn die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter den Gutschein bewilligt. Im Coaching entstehen Businessplan, Finanzplan und Finanzierungskonzept für den Kauf. Über den Gutschein entscheidet die Behörde im Einzelfall.

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Maximilian OssotMitgründer, Vertrieb und Unternehmens­entwicklung
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