Kiosk eröffnen: Anmeldung, Jugendschutz und Förderung im Überblick
Ein Kiosk ist eine überschaubare Gründung mit wenig Personal, aber vielen Regeln im Detail. Hier erfährst du, was du anmelden musst, was beim Verkauf von Tabak und Alkohol gilt, wie lange du öffnen darfst, was eine Lotto-Annahmestelle bedeutet und welche Förderung infrage kommt.
Das Wichtigste in Kürze
- 18
- Mindestalter für Tabak, E-Zigaretten und Spirituosen
- 16
- Mindestalter für Bier, Wein und Sekt
- 1 Monat
- Frist für die Meldung einer elektronischen Kasse
- 1 Woche
- Frist für die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft
- Gewerbe: Ein Kiosk ist ein Einzelhandelsgewerbe. Du meldest ihn beim Gewerbeamt an (§ 14 GewO).
- Jugendschutz: Tabak, E-Zigaretten sowie Spirituosen erst ab 18, Bier und Wein ab 16 (§§ 9, 10 JuSchG).
- Tabakpreise: Der Preis auf dem Steuerzeichen ist fest, Rabatte sind verboten (§ 26 TabStG).
- Öffnungszeiten: Die Ladenöffnung regelt jedes Bundesland selbst.
- Kasse: Elektronische Kassen brauchen eine TSE und müssen dem Finanzamt gemeldet werden.
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Was brauchst du, um einen Kiosk zu eröffnen?
Für einen Kiosk brauchst du vor allem eine Gewerbeanmeldung, die Anmeldung bei Finanzamt und Berufsgenossenschaft sowie bei offenen Lebensmitteln die Registrierung bei der Lebensmittelüberwachung. Eine besondere Erlaubnis wie bei Maklern oder Bewachern gibt es für den Kiosk nicht. Der Kiosk ist ein Gewerbe, kein freier Beruf, und du wirst Mitglied der IHK.
Lebensmittel und Hygiene
Verkaufst du Lebensmittel, bist du Lebensmittelunternehmer und musst bei der zuständigen Behörde registriert sein (Art. 6 Abs. 2 VO (EG) Nr. 852/2004). Meist geht das über einen Meldebogen bei der Gewerbeanmeldung. Bei abgepackten Süßigkeiten und Getränken ist der Aufwand gering. Belegst du Brötchen, verkaufst du Eis aus der Truhe zum Portionieren oder Kaffee mit Milch, gelten strengere Hygieneregeln. Wer mit den in § 42 IfSG genannten Lebensmitteln wie Milchprodukten, Fleisch oder Speiseeis arbeitet, braucht vorher eine Belehrung durch das Gesundheitsamt (§ 43 IfSG).
Wann aus dem Kiosk eine Gaststätte wird
Stellst du Stehtische auf, damit Kunden Getränke oder Speisen an Ort und Stelle verzehren, kann ein Gaststättengewerbe vorliegen (§ 1 GastG). Nach dem Gaststättengesetz des Bundes bleibt das ohne Alkohol erlaubnisfrei, der Ausschank von Alkohol zum Verzehr vor Ort braucht dagegen eine Erlaubnis (§ 2 GastG). Das Gaststättenrecht regelt jedes Bundesland, einige haben eigene Gesetze. Welche Regel für dich gilt, erfährst du beim Gewerbe- oder Ordnungsamt deiner Gemeinde. Der reine Verkauf von Flaschenbier zum Mitnehmen ist Einzelhandel.
Tabak, Alkohol und Jugendschutz
Tabakwaren, E-Zigaretten sowie andere nikotinhaltige Erzeugnisse darfst du nicht an Minderjährige abgeben, das gilt auch für nikotinfreie E-Zigaretten und deren Behälter (§ 10 JuSchG). Bier, Wein, Sekt sowie Mischungen daraus sind unter 16 Jahren verboten, andere alkoholische Getränke wie Spirituosen oder Alkopops unter 18 Jahren (§ 9 JuSchG). Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können mit einer Geldbuße bis zu 50.000 € geahndet werden (§ 28 JuSchG). Schule dein Personal, im Zweifel nach dem Ausweis zu fragen.
Für Tabakwaren gilt außerdem eine Preisbindung: Den Packungspreis auf dem Steuerzeichen darfst du nicht unterschreiten, du darfst keinen Rabatt geben, nichts dazugeben und den Verkauf nicht mit anderen Waren koppeln (§ 26 TabStG). Deine Marge auf Zigaretten kannst du also nicht über den Preis steuern.
Lotto-Annahmestelle
Eine Lotto-Annahmestelle bringt Laufkundschaft. Annahmestellen vergibt die staatliche Lotteriegesellschaft deines Bundeslandes nach eigenen Kriterien, etwa Standort und Abstand zu bestehenden Stellen. Ob du eine Annahmestelle bekommst, entscheidet die Gesellschaft, die Bedingungen erfährst du direkt dort. Plane deinen Kiosk deshalb so, dass er sich auch ohne Lotto trägt.
Wie lange darf dein Kiosk öffnen?
Die Ladenöffnungszeiten regelt jedes Bundesland in einem eigenen Gesetz. In Ländern ohne eigenes Gesetz gilt das Ladenschlussgesetz des Bundes, nach dem Verkaufsstellen sonntags sowie werktags vor 6 Uhr und ab 20 Uhr geschlossen sein müssen (§ 3 LadSchlG). Die meisten Länder erlauben werktags deutlich längere Öffnung und sehen für Kioske oder bestimmte Waren wie Zeitungen, Blumen oder Backwaren Ausnahmen am Sonntag vor. Maßgeblich ist das Ladenöffnungsgesetz deines Bundeslandes.
Preisauszeichnung
Waren, die Kunden sehen oder selbst nehmen können, zeichnest du mit Preisschildern aus (§ 10 PAngV). Den Grundpreis pro Kilo oder Liter musst du in kleinen Geschäften wie Kiosken nicht angeben, wenn die Ware überwiegend über die Theke verkauft wird und du das Sortiment nicht über ein Vertriebssystem beziehst (§ 4 Abs. 3 Nr. 3 PAngV).
Welche Rechtsform passt für einen Kiosk?
Die meisten Kioske starten als Einzelunternehmen, weil Gründung und Buchhaltung einfach sind. Du haftest dann persönlich, etwa für Miete und Wareneinkauf. Führt ihr den Kiosk zu zweit, entsteht automatisch eine GbR. Eine UG oder GmbH ist bei einem einzelnen Kiosk selten nötig. Alle Formen im Vergleich findest du im Rechtsformen-Vergleich.
Was kostet die Eröffnung eines Kiosks?
Ein Kiosk braucht weniger Einrichtung als ein Café, aber viel Geld für den ersten Warenbestand, besonders bei Tabakwaren. Die Rechnung zeigt typische Posten.
Mit dem Gründungskosten-Rechner rechnest du deine eigenen Zahlen. Ein Gewerbemietvertrag mit mehr als einem Jahr Laufzeit braucht Textform, sonst gilt er als unbefristet (§ 578 Abs. 1 BGB). Weil die Margen bei Tabak und Getränken knapp sind, entscheidet die Kalkulation über deinen Erfolg. Dabei hilft die Preiskalkulation.
Welche Versicherungen brauchst du für einen Kiosk?
Pflicht ist die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft binnen einer Woche nach Beginn (§ 192 SGB VII). Für den Einzelhandel ist das in der Regel die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW), die Zuordnung richtet sich nach der Art der Ware. Sie versichert Beschäftigte, für dich selbst ist der Schutz meist freiwillig. Mehr im Ratgeber Berufsgenossenschaft.
Nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll sind eine Betriebshaftpflicht und eine Inhaltsversicherung, die deinen Warenbestand gegen Einbruch, Feuer oder Wasser absichert. Gerade Tabakwaren sind ein häufiges Ziel. Für dich persönlich brauchst du eine Krankenversicherung. Den Überblick gibt der Ratgeber Versicherungen für Selbstständige.
Welche Steuern zahlt ein Kiosk?
Ein Kiosk zahlt Umsatzsteuer, Einkommensteuer und ab einem Gewerbeertrag über 24.500 € Gewerbesteuer (§ 11 GewStG). Süßigkeiten, Schokolade, Kaffee sowie Zeitungen und Zeitschriften werden in der Regel mit 7 % besteuert. Tabakwaren und die meisten Getränke kosten 19 %, Milchmischgetränke mit mindestens 75 % Milchanteil dagegen 7 % (§ 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG mit Anlage 2 Nr. 12, 29, 30, 35 und 49). Deine Kasse muss die Sätze korrekt zuordnen. Die Tabaksteuer ist im Packungspreis enthalten und wird über die Steuerzeichen schon vor dem Verkauf an dich entrichtet, in der Regel vom Inhaber des Steuerlagers, nicht von dir (§ 15 TabStG).
Die Kleinunternehmerregelung gilt nur bis 25.000 € Umsatz im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr (§ 19 UStG). Weil Tabak hohe Umsätze bei kleiner Marge bringt, ist die Grenze bei einem Kiosk schnell überschritten. Nutzt du eine elektronische Kasse, braucht sie eine TSE, jeder Kunde bekommt einen Beleg angeboten, und du meldest sie innerhalb eines Monats über ELSTER (§ 146a AO). Mehr in den Ratgebern Kassenführung und Umsatzsteuer für Gründer.
Wie gewinnst du Kunden für deinen Kiosk?
Ein Kiosk lebt vom Standort, also von Laufkundschaft an Haltestellen, Schulen, Bürohäusern oder in dichten Wohnvierteln. Prüfe vor der Anmietung, wie viele Menschen zu deinen Öffnungszeiten vorbeikommen und welche Konkurrenz es in der Nähe gibt. Lange Öffnungszeiten, freundlicher Service und ein Sortiment, das zur Nachbarschaft passt, machen dich zur ersten Adresse. Zusatzleistungen wie eine Paketannahme oder Kaffee zum Mitnehmen bringen zusätzliche Besuche. Halte deinen Eintrag in Kartendiensten mit Öffnungszeiten aktuell. Wie du das planst, erarbeitest du in Modul 6 Marketing und Kundengewinnung.
Welche Förderung gibt es für die Kiosk-Gründung?
Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest, kannst du dich mit dem AVGS Gründercoaching bei Bewilligung kostenfrei auf den Start vorbereiten. Mit Arbeitslosengeld und mindestens 150 Tagen Restanspruch kommt der Gründungszuschuss infrage (§ 93 SGB III), in der Grundsicherung (früher Bürgergeld) das Einstiegsgeld (§ 16b SGB II). Agentur und Jobcenter entscheiden im Einzelfall.
Für Einrichtung und Warenbestand kommt der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW mit bis zu 200.000 € infrage, die Konditionen stehen tagesaktuell auf der Produktseite der KfW. Programme deines Landes findest du in der Förderdatenbank, einen schnellen Überblick im Fördercheck.
Welche Module des AVGS Gründercoachings passen?
Für einen Kiosk sind Standort, Sortiment und Kalkulation entscheidend. In Modul 1 prüfen wir deine Idee und den Standort. In Modul 3 Businessplan Zahlen rechnest du Margen, Miete und den nötigen Tagesumsatz. In Modul 5 Unternehmensorganisation klären wir Anmeldungen, Jugendschutz, Kasse sowie Versicherungen. Modul 6 hilft dir, Stammkunden zu gewinnen. Ein passender Coach für Gründung, Finanzierung und Vertrieb ist zum Beispiel:
Ob ein Gutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter im Einzelfall. Sprich mit uns im kostenlosen Erstgespräch über deinen Kiosk. Diese Seite ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Fragen dazu? Dein CoachTugay MertCoach für Gründung, Finanzierung und Vertrieb · Kaufmann für Versicherungen und Finanzen
Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.
Quellen
- § 15 TabStG – Steuerentstehung, Steuerschuldner
- Anlage 2 UStG – ermäßigt besteuerte Gegenstände
- § 28 JuSchG – Bußgeldvorschriften
- § 14 GewO – Anzeigepflicht
- § 9 JuSchG – Alkoholische Getränke
- § 10 JuSchG – Rauchen, Tabakwaren und andere nikotinhaltige Erzeugnisse
- § 26 TabStG – Preisbindung bei Tabakwaren (kein Unterschreiten, kein Rabatt)
- § 3 LadSchlG – Allgemeine Ladenschlusszeiten (Bundesrecht)
- § 1 GastG – Gaststättengewerbe
- § 2 GastG – Erlaubnis und Ausnahmen
- Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene (Art. 6 Registrierung)
- BVL: Wer muss sich als Lebensmittelunternehmen registrieren lassen?
- § 42 IfSG – Tätigkeiten mit Lebensmitteln
- § 43 IfSG – Belehrung
- § 4 PAngV – Grundpreis, Ausnahme für kleine Einzelhandelsgeschäfte wie Kioske (Abs. 3 Nr. 3)
- § 10 PAngV – Preisauszeichnung im Handel
- § 19 UStG – Kleinunternehmer (25.000 € / 100.000 €)
- § 11 GewStG – Freibetrag 24.500 €
- § 146a AO – TSE, Belegausgabe, Mitteilungspflicht
- § 578 BGB – Gewerbemiete, Textform bei Laufzeit über ein Jahr
- BGHW: Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft (binnen einer Woche)
- BGHW: Zuständigkeit für Groß- und Einzelhandel
- § 192 SGB VII – Mitteilungspflichten der Unternehmer
- KfW: ERP-Gründerkredit – StartGeld (067)
- § 93 SGB III – Gründungszuschuss
- § 16b SGB II – Einstiegsgeld
Kurz beantwortet
Brauche ich eine Erlaubnis, um einen Kiosk zu eröffnen?
Für einen reinen Kiosk reicht in der Regel die Gewerbeanmeldung. Eine besondere Erlaubnis brauchst du erst, wenn Kunden Alkohol an Ort und Stelle trinken sollen, denn dann kann ein Gaststättengewerbe vorliegen. Was dafür gilt, regelt jedes Bundesland.
Ab welchem Alter darf ich Zigaretten verkaufen?
Tabakwaren, E-Zigaretten und andere nikotinhaltige Erzeugnisse darfst du nicht an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren abgeben (§ 10 JuSchG). Das gilt auch für nikotinfreie E-Zigaretten und deren Nachfüllbehälter. Im Zweifel lässt du dir einen Ausweis zeigen.
Ab welchem Alter darf ich Bier und Schnaps verkaufen?
Bier, Wein und Sekt darfst du ab 16 Jahren verkaufen, Spirituosen und spirituosenhaltige Getränke erst ab 18 Jahren (§ 9 JuSchG). Mischgetränke mit Spirituosen zählen zu den Spirituosen.
Darf ich Zigaretten billiger verkaufen?
Nein, den Preis auf dem Steuerzeichen darfst du nicht unterschreiten. Du darfst auf Tabakwaren auch keinen Rabatt geben, nichts dazugeben und den Verkauf nicht an andere Waren koppeln (§ 26 TabStG).
Darf mein Kiosk sonntags öffnen?
Das regelt jedes Bundesland in seinem Ladenöffnungsgesetz. Viele Länder erlauben Kiosken oder Verkaufsstellen für bestimmte Waren wie Zeitungen, Blumen oder Backwaren eine begrenzte Sonntagsöffnung. Frag beim Ordnungsamt deiner Stadt nach.
Wie werde ich Lotto-Annahmestelle?
Annahmestellen werden von der staatlichen Lotteriegesellschaft deines Bundeslandes vergeben. Du bewirbst dich dort, einen Anspruch auf einen Vertrag gibt es nicht. Die Bedingungen legt jede Gesellschaft selbst fest.
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