Bäckerei oder Konditorei eröffnen: Meisterpflicht, Hygiene und Förderung
Eine eigene Bäckerei oder Konditorei ist ein Handwerksbetrieb mit frühen Arbeitszeiten und hohem Kapitalbedarf. Hier erfährst du, wann du einen Meister brauchst, was bei Hygiene und Allergenen gilt, wie Backwaren besteuert werden und welche Förderung infrage kommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Nr. 30 / 31
- Bäcker und Konditoren in Anlage A der Handwerksordnung
- 7 %
- Umsatzsteuer auf Backwaren
- 6 Jahre
- Berufserfahrung für die Altgesellenregel (§ 7b HwO)
- 16.000 €
- Meistergründungsprämie in NRW höchstens
- Meisterpflicht: Bäcker (Nr. 30) und Konditoren (Nr. 31) stehen in Anlage A der Handwerksordnung. Du brauchst die Eintragung in die Handwerksrolle.
- Ohne Meisterbrief: Angestellter Meister als Betriebsleiter, Altgesellenregel oder Ausnahmebewilligung.
- Hygiene: Registrierung, HACCP-Konzept, Belehrung nach § 43 IfSG und Allergeninformation an der Theke.
- Steuern: 7 % auf Backwaren, auch im Café-Bereich. Getränke in der Regel 19 %.
- Förderung: AVGS Gründercoaching, Gründungszuschuss, Einstiegsgeld und in vielen Ländern eine Meistergründungsprämie.
Firmenkompass: AZAV-zertifizierter Träger · 91,6 % Integrationsquote (Stand 30.05.2026)
Inhalt dieser Seite
Welche Voraussetzungen brauchst du für eine Bäckerei?
Für eine Bäckerei oder Konditorei brauchst du die Eintragung in die Handwerksrolle, eine Gewerbeanmeldung und die Registrierung als Lebensmittelbetrieb. Bäcker (Nr. 30) und Konditoren (Nr. 31) sind zulassungspflichtige Handwerke in Anlage A der Handwerksordnung. Wer sie als stehendes Gewerbe selbstständig betreibt, wird bei der Handwerkskammer eingetragen und dort Mitglied (§ 90 HwO). Die Gewerbeanmeldung läuft wie gewohnt beim Gewerbeamt (§ 14 GewO).
Wege in die Handwerksrolle
- Meisterbrief. Mit der Meisterprüfung im Bäcker- oder Konditorenhandwerk wirst du direkt eingetragen (§ 7 HwO).
- Betriebsleiter. Hast du keinen Meisterbrief, kannst du eine Meisterin oder einen Meister als Betriebsleitung anstellen. Dann wird dein Betrieb über diese Person eingetragen (§ 7 Abs. 1 HwO).
- Altgesellenregel. Mit Gesellenprüfung und sechs Jahren Berufserfahrung, davon vier in leitender Stellung, bekommst du eine Ausübungsberechtigung (§ 7b HwO).
- Ausnahmebewilligung. Wenn die Meisterprüfung für dich unzumutbar wäre und du deine Kenntnisse anders nachweist, kann die Kammer eine Ausnahme erteilen (§ 8 HwO).
Verkaufst du nur zugekaufte Backwaren oder backst Teiglinge auf, betreibst du in der Regel kein Bäckerhandwerk, sondern Einzelhandel. Wo die Grenze im Einzelfall liegt, beantwortet die Handwerkskammer verbindlich. Planst du vor allem einen Gastraum mit Kaffee und Kuchen, lies auch den Ratgeber Café eröffnen. Dort geht es um Gaststättenrecht und Außengastronomie.
Hygiene, Belehrung und Allergene
Jeder Lebensmittelbetrieb muss bei der zuständigen Behörde registriert sein (Art. 6 VO (EG) Nr. 852/2004). Außerdem führst du ein Eigenkontrollsystem nach HACCP (Art. 5). Wer mit Backwaren mit nicht durchgebackener Füllung, Sahne oder Milchprodukten arbeitet, braucht vor dem ersten Arbeitstag eine Belehrung durch das Gesundheitsamt (§ 42 und § 43 IfSG). Die Bescheinigung darf dann höchstens drei Monate alt sein. An der Theke informierst du über Allergene schriftlich, etwa mit Schild, Liste oder Mappe. Mündlich geht nur, wenn eine Dokumentation vorliegt und ein Hinweis darauf sichtbar ist (§ 4 LMIDV).
Nachtarbeit und Ladenöffnung
Für Beschäftigte in der Backstube gilt das Arbeitszeitgesetz. Wer regelmäßig nachts arbeitet, hat Anspruch auf bezahlte freie Tage oder einen Zuschlag sowie auf arbeitsmedizinische Untersuchungen (§ 6 ArbZG). Jugendliche über 16 Jahre dürfen in Bäckereien und Konditoreien ab 5 Uhr arbeiten, Jugendliche über 17 Jahre in Bäckereien ab 4 Uhr (§ 14 JArbSchG). Die Öffnungszeiten deines Ladens regelt jedes Bundesland in seinem Ladenöffnungsgesetz, für den Verkauf von Backwaren am Sonntag gibt es dort oft eigene Regeln. Die genauen Zeiten erfährst du beim Ordnungsamt.
Welche Rechtsform passt für eine Bäckerei?
Für eine kleine Bäckerei reicht oft das Einzelunternehmen, bei hohen Investitionen und mehreren Filialen lohnt sich eine UG oder GmbH. Im Einzelunternehmen haftest du privat für Mietvertrag, Leasing der Öfen und Kredite. Eine GmbH kann übrigens auch über einen angestellten Meister als Betriebsleiter in die Handwerksrolle kommen. Alle Formen vergleicht der Rechtsformen-Vergleich.
Was kostet es, eine Bäckerei zu eröffnen?
Die Kosten hängen vor allem davon ab, ob du eine bestehende Backstube übernimmst oder Öfen und Kältetechnik neu kaufst. Eine allgemeingültige Summe gibt es nicht. Die folgende Rechnung zeigt nur, welche Posten du einplanen solltest.
Deine eigenen Zahlen spielst du mit dem Gründungskosten-Rechner durch. Ein Gewerbemietvertrag mit mehr als einem Jahr Laufzeit muss in Textform geschlossen werden, sonst gilt er als unbefristet (§ 578 Abs. 1 BGB). Bei einer Übernahme lohnt der Blick auf Inventar, Lieferverträge und Personal. Für das Bankgespräch hilft der Businessplan-Check-up für die Bank.
Welche Versicherungen brauchst du als Bäcker?
Pflicht sind die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft und für die meisten Bäckermeister die gesetzliche Rentenversicherung. Für das Backgewerbe ist die BGN zuständig, die Anmeldung muss binnen einer Woche nach Eröffnung erfolgen (§ 192 SGB VII). Mehr dazu im Ratgeber Berufsgenossenschaft. Selbstständige Handwerker, die in der Handwerksrolle eingetragen sind, sind rentenversicherungspflichtig (§ 2 Satz 1 Nr. 8 SGB VI). Nach 18 Jahren Pflichtbeiträgen kannst du dich befreien lassen (§ 6 SGB VI). Einzelheiten im Ratgeber Rentenversicherung für Selbstständige.
Gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber verbreitet sind eine Betriebshaftpflicht, eine Produkthaftpflicht für deine Backwaren, eine Inhaltsversicherung für Öfen sowie Kühltechnik und eine Betriebsunterbrechungsversicherung. Einen Überblick gibt der Ratgeber Versicherungen für Selbstständige.
Welche Steuern zahlt eine Bäckerei?
Eine Bäckerei zahlt Umsatzsteuer, Einkommensteuer auf den Gewinn und ab einem Gewerbeertrag über 24.500 € im Jahr Gewerbesteuer (§ 11 GewStG). Backwaren sind in Anlage 2 des Umsatzsteuergesetzes aufgeführt (Nr. 31) und werden beim Verkauf mit 7 % besteuert (§ 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG). Seit dem 1. Januar 2026 gilt der ermäßigte Satz auch, wenn Gäste Speisen im Café-Bereich verzehren (§ 12 Abs. 2 Nr. 15 UStG). Getränke sind davon ausgenommen. Deine Kasse muss beide Sätze sauber trennen.
Die Kleinunternehmerregelung greift nur, wenn dein Umsatz im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet (§ 19 UStG). Für eine Bäckerei mit Laden ist das selten realistisch. Mehr im Ratgeber Umsatzsteuer für Gründer.
Wie gewinnst du Kunden für deine Bäckerei?
Kunden gewinnst du vor allem über Lage, Qualität und ein Sortiment, das sich von Backshops abhebt. Prüfe vor der Anmietung den Weg zur Arbeit, Schulen und Haltestellen in der Nähe. Handwerkliche Spezialitäten, Sauerteigbrote oder regionale Zutaten geben dir ein klares Profil. Belieferung von Kantinen, Hotels oder Cafés bringt planbare Mengen. Bei Konditoreien sind Hochzeitstorten und Bestellungen für Feiern ein starkes Standbein, dazu passt eine Zusammenarbeit mit einem Catering. Pflege deinen Eintrag in Kartendiensten mit Öffnungszeiten und Fotos. Wie du das planst, erarbeiten wir in Modul 6 Marketing und Kundengewinnung.
Welche Förderung gibt es für eine Bäckerei?
Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest, kannst du dich mit dem AVGS Gründercoaching bei Bewilligung kostenfrei auf den Start vorbereiten. Beziehst du Arbeitslosengeld und hast noch mindestens 150 Tage Restanspruch, kommt der Gründungszuschuss infrage (§ 93 SGB III). In der Grundsicherung (früher Bürgergeld) kann das Jobcenter Einstiegsgeld bewilligen (§ 16b SGB II). Die Agentur oder das Jobcenter entscheidet im Einzelfall.
Als Meisterin oder Meister kannst du in mehreren Bundesländern eine Meistergründungsprämie bekommen, in Nordrhein-Westfalen bis zu 16.000 €. Oft muss der Antrag vor dem Start gestellt werden. Für Öfen und Einrichtung gibt es den ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW, die Konditionen stehen tagesaktuell auf der Produktseite der KfW. Programme deines Landes findest du in unserer Förderdatenbank, einen schnellen Überblick gibt der Fördercheck.
Welche Module des AVGS Gründercoachings passen?
Für eine Bäckerei sind Zahlen und Finanzierung entscheidend, weil Rohstoffpreise, Energie sowie Personal schwer wiegen. In Modul 1 prüfen wir Konzept und Standort. In Modul 3 Businessplan Zahlen rechnest du Wareneinsatz, Energie, Löhne und den Umsatz, ab dem sich dein Betrieb trägt. Modul 4 Finanzierung bereitet Kredit, Übernahmepreis und Meistergründungsprämie vor. In Modul 5 Unternehmensorganisation klären wir Handwerksrolle, Hygiene, Kasse und Versicherungen. Ein Coach mit Erfahrung bei kapitalintensiven Gründungen ist zum Beispiel:
Ob ein Gutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter im Einzelfall. Lass uns im kostenlosen Erstgespräch über deine Bäckerei sprechen. Diese Seite ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Fragen dazu? Dein CoachKlaus RunkelSeniorberater Businessplan und Finanzierung · Unternehmensberater seit über 30 Jahren
Maximilian Ossot, Mitgründer von Firmenkompass, verantwortet die Ratgeber-Redaktion und hat diesen Ratgeber fachlich geprüft. Die Inhalte stimmen wir mit unseren Coaches ab. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung; über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit und Jobcenter im Einzelfall.
Quellen
- Handwerksordnung – Anlage A (Nr. 30 Bäcker, Nr. 31 Konditoren)
- § 1 HwO – Handwerksbetrieb, wesentliche Tätigkeiten
- § 7 HwO – Eintragung, Betriebsleiter
- § 7b HwO – Ausübungsberechtigung für erfahrene Gesellen
- § 8 HwO – Ausnahmebewilligung
- § 90 HwO – Mitglieder der Handwerkskammer
- § 14 GewO – Anzeigepflicht
- Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene (Art. 5 HACCP, Art. 6 Registrierung)
- BVL: Wer muss sich als Lebensmittelunternehmen registrieren lassen?
- § 42 IfSG – Lebensmittel nach Abs. 2 (u. a. Backwaren mit nicht durchgebackener Füllung, Milchprodukte)
- § 43 IfSG – Belehrung, Bescheinigung höchstens drei Monate alt
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 – Lebensmittelinformationsverordnung (Art. 44 nicht vorverpackte Lebensmittel)
- § 4 LMIDV – Allergeninformation bei loser Ware (Abs. 1 Backwaren, Abs. 3 schriftlich, Abs. 4 mündlich)
- § 14 JArbSchG – Nachtruhe (Bäckereien ab 5 Uhr bzw. 4 Uhr)
- § 6 ArbZG – Nacht- und Schichtarbeit
- § 3 LadSchlG – Allgemeine Ladenschlusszeiten (Bundesrecht)
- § 12 UStG – Steuersätze (Abs. 2 Nr. 1, Nr. 15)
- Anlage 2 UStG – ermäßigt besteuerte Gegenstände (Nr. 31 Backwaren)
- § 19 UStG – Kleinunternehmer (25.000 € / 100.000 €)
- § 11 GewStG – Freibetrag 24.500 €
- § 146a AO – TSE, Belegausgabe, Mitteilungspflicht
- § 2 SGB VI – Rentenversicherungspflicht für Handwerker (Satz 1 Nr. 8)
- § 6 SGB VI – Befreiung von der Versicherungspflicht (18 Jahre Handwerker)
- BGN: Betriebsanmeldung (binnen einer Woche, Backgewerbe)
- § 192 SGB VII – Mitteilungspflichten der Unternehmer
- § 578 BGB – Gewerbemiete, Textform bei Laufzeit über ein Jahr
- NRW fördert – Meistergründungsprämie NRW
- Handwerkskammer Berlin – Meistergründungsprämie
- KfW: ERP-Gründerkredit – StartGeld (067)
- § 93 SGB III – Gründungszuschuss
- § 16b SGB II – Einstiegsgeld
Kurz beantwortet
Brauche ich einen Meister, um eine Bäckerei zu eröffnen?
Du brauchst eine Eintragung in die Handwerksrolle, meist über den Meisterbrief. Bäcker und Konditoren stehen in Anlage A der Handwerksordnung. Ohne eigenen Meisterbrief kommen ein angestellter Meister als Betriebsleiter, die Altgesellenregel nach § 7b HwO oder eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO infrage.
Kann ich als Bäckergeselle ohne Meister gründen?
Ja, das ist über die Altgesellenregel möglich. Du brauchst die Gesellenprüfung und sechs Jahre Berufserfahrung, davon vier in leitender Stellung (§ 7b HwO). Den Antrag stellst du bei der Handwerkskammer.
Welcher Umsatzsteuersatz gilt für Brötchen und Kuchen?
Für Backwaren gilt 7 %, beim Verkauf über die Theke und seit dem 1. Januar 2026 auch beim Verzehr im Café-Bereich. Getränke wie Kaffee versteuerst du in der Regel mit 19 %.
Wie muss ich in der Bäckerei über Allergene informieren?
Du musst die Allergene auch bei loser Ware angeben, etwa auf einem Schild, einer Liste oder in einer Mappe an der Theke. Mündlich darfst du nur informieren, wenn eine schriftliche Dokumentation vorliegt und ein Hinweis darauf sichtbar ist.
Ab wann dürfen Auszubildende in der Backstube arbeiten?
Jugendliche über 16 Jahre dürfen in Bäckereien und Konditoreien ab 5 Uhr arbeiten, Jugendliche über 17 Jahre in Bäckereien ab 4 Uhr (§ 14 JArbSchG). Für Erwachsene gilt das Arbeitszeitgesetz mit Ausgleichsregeln für Nachtarbeit.
Gibt es eine Meistergründungsprämie für Bäcker?
Ja, in mehreren Bundesländern gibt es einen Zuschuss für Meisterinnen und Meister, die einen Handwerksbetrieb gründen oder übernehmen. In Nordrhein-Westfalen sind es bis zu 16.000 €. Die Bedingungen unterscheiden sich je Land.
Weiterlesen


Lass uns über dein Vorhaben sprechen.
Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, ob ein AVGS für dich infrage kommt, welche Module zu deiner Idee passen und was du für das Gespräch bei Agentur oder Jobcenter brauchst. 20 Minuten, ehrlich und ohne Verpflichtung.

